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	<title>Coronavirus &#8211; endofroad</title>
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	<title>Coronavirus &#8211; endofroad</title>
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		<title>Podcast: &#8222;Tales from the Seuchenstaat&#8220;</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Jun 2020 17:28:27 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Tales from the Seuchenstaat – politischer Podcast gegen den Corona-Kapitalismus Wir haben die „fairytales“ der Staatsraison, die Märchen von Wohlstand, Gerechtig- – und Notwendigkeit satt. Wir wollen unsere und eure alltäglichen Erfahrungen und Kämpfe sichtbar machen. Von der Angst um &#8230; <a href="https://endofroad.blackblogs.org/archive/10053">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Tales from the Seuchenstaat – politischer Podcast gegen den Corona-Kapitalismus</strong></p>
<p><a href="http://basisgruppe-antifa.org/"><img loading="lazy" src="https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/06/hp-2-638x300-300x141.png" alt="" width="200" height="" class="alignleft size-medium wp-image-10056" srcset="https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/06/hp-2-638x300-300x141.png 300w, https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/06/hp-2-638x300-500x235.png 500w, https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/06/hp-2-638x300.png 638w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a>Wir haben die „fairytales“ der Staatsraison, die Märchen von Wohlstand, Gerechtig- – und Notwendigkeit satt. Wir wollen unsere und eure alltäglichen Erfahrungen und Kämpfe sichtbar machen. Von der Angst um den Arbeitsplatz bis hin zum Stress mit dem*r Vermieter*in – wir haben unterschiedliche Menschen gefragt, wie es ihnen seit Mitte März ergangen ist. Um die Personen zu schützen, haben wir die Storys nachgesprochen. Hört doch mal rein!</p>
<p>Bisher sind vier von fünf Folgen erschienen. Ihr findet sie (auch downloadbar) hier:<br />
<a href="http://basisgruppe-antifa.org/wp/2020/05/21/tales-from-the-seuchenstaat/">basisgruppe-antifa.org</a><br />
Oder mobil auf spotify: <a href="https://open.spotify.com/show/05vbKsxd4n1NOaDY8cMG69">https://open.spotify.com/</a></p>
<p>checkt <a href="http://basisgruppe-antifa.org/">basisgruppe-antifa.org</a></p>
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		<title>Eine Antwort auf &#8222;Gegen die Verwirrung in der (radikalen) Linken angesichts von Corona&#8220;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[endofroad]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Jun 2020 19:18:14 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Eine Antwort auf den Text &#8222;Gegen die Verwirrung in der (radikalen) Linken angesichts von Corona&#8220;. Lieber älterer Anarcho aus Bremen, vielen Dank für den Text, den Du geschrieben hast. Ich denke es ist wichtig, genau über die angesprochenen Fragen auszutauschen. &#8230; <a href="https://endofroad.blackblogs.org/archive/10050">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Eine Antwort auf den Text <a href="https://endofroad.blackblogs.org/archive/10013">&#8222;Gegen die Verwirrung in der (radikalen) Linken angesichts von Corona&#8220;</a>.</strong></p>
<p><a href="https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/05/stern.png"><img loading="lazy" src="https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/05/stern-300x237.png" alt="" width="220" height="" class="alignleft size-medium wp-image-10014" srcset="https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/05/stern-300x237.png 300w, https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/05/stern-379x300.png 379w, https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/05/stern.png 450w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a>Lieber älterer Anarcho aus Bremen,<br />
vielen Dank für den Text, den Du geschrieben hast. Ich denke es ist wichtig, genau über die angesprochenen Fragen auszutauschen. Denn vieles, was Du ansprichst, spricht auch bei mir ein Unbehagen an, was mich die ganze Zeit der Pandemie schon begleitet:<br />
Die einzige Form, wie ein Staat auf solch ein Problem, wie der Pandemie, reagieren kann, ist mehr oder minder von oben herab und damit autoritär. Dies kann dadurch passieren, dass einfach mit Anweisungen und Gewalt vom Staat agiert wird, oder wie in unserem Fall, indem mit viel Öffentlichkeitsarbeit für Maßnahmen geworben wird und dann der Staat als zentrales Hilfsinstrument gegen die Pandemie in den Raum gestellt wird. <span id="more-10050"></span><br />
Dass die Verhältnisse des globalisierten Kapitalismus zentral bei der Entstehung und Verbreitung der Pandemie waren wird dann ausgelassen.</p>
<p>Gleichzeitig werden massive Einschränkungen persönlicher Freiheiten verordnet, die gesundheitspolitischer Sicht zum Teil nicht sinnvoll waren und dazu noch die Möglichkeiten von politischem Protest gegen die staatliche Politik, die in allen Bereichen weiter läuft, unterbinden. Ein Beispiel waren die Durchsetzungen von Demoverboten gegen sogar Einzelpersonen im Wendland oder Hamburg.</p>
<p>Auch haben insbesondere die unter den Maßnahmen zu leiden, die vorher schon in prekären Verhältnissen waren. Wir könnten sagen: Die Krise zeigt uns, an welchen Stellen global unser Gesellschaftssystem krankt.<br />
So sind viele engagierte Linke damit beschäftigt, auf die Probleme, welche die Isolation für nicht privilegierte Gesellschaftsgruppen mit sich bringt, aufmerksam zu machen. Das sehe ich anders als Du: Es ist in der Linken Bewegung nicht egal, wer wegen der Maßnahmen heraus fällt. Es wird sich vielmehr an vielen Stellen darum bemüht solidarisch die Folgen aufzufangen. Ein Beispiel waren die großen und schnell organisierten Solidaritätslisten, über die versucht wurde Menschen, die besonders betroffen sein könnten zu unterstützen.</p>
<p>Richtig ist, wenn ein Staat solche Maßnahmen verordnet, dann sind erst alle betroffen. Manche Menschen sind dann so betroffen, dass sie ihre Lebensgrundlage verlieren, für andere bedeutet dies, dass sie plötzlich den vorher schon latenten Gewaltverhältnissen zu Hause endgültig ausgeliefert sind. Es ist einem Staat kaum anders möglich zu agieren, weshalb es ja auch eine Staatskritik gibt.</p>
<p>Aber, und dies ist der Punkt, der mir wirklich in Deinem Text fehlt: Was wäre die Alternative gewesen? Sicher, in der Hongkong Grippe, sind scheinbar mehr Menschen gestorben. Aber damals gab es auch keine Isolationsmaßnahmen. Global können wir beobachten, dass dort, wo die Maßnahmen zu spät ergriffen wurden, die Gesundheitssysteme zusammengebrochen sind und eine sehr große Anzahl von Menschen gestorben sind. Die Statistiken sind bisher nur unzureichend, weil bspw. in Italien und Frankreich lange Zeit nur die Menschen erfasst wurden, die in den Krankenhäusern starben. Allerdings waren diese zum Teil so überlastet, dass sie keine Menschen mehr aufnehmen konnten. Später wurden dann noch Menschen erfasst, die auch in Pflegeeinrichtungen starben. Dies alles passierte, weil die Isolation in Italien und Frankreich zu spät kam, aber sie wurde auch verordnet. Hätten wir, hätten das Frankreich und Italien einfach weiter laufen lassen sollen?</p>
<p>Noch schlimmer trifft es natürlich noch ärmere Regionen der Welt. Wer von der Hand in den Mund leben muss, kann sich nicht Wochen lang einschließen. Dem entsprechend wird die Krise viele Regionen noch sehr hart Treffen. Aber dies ist kein Grund, nicht dort, wo es geht, zu versuchen, die Ausbreitung der Krankheit einzudämmen. Situationen, wie in Guayaquil, wo Menschen am Ende tot auf der Straße lagen, gilt es überall zu vermeiden.</p>
<p>In manchen Regionen ist dieses Eindämmen durch die Reduktion des Kontakts inzwischen so weit gelungen, dass nur noch vereinzelt Fälle auftauchen. Wenn es sonst keine medizinische Form der Behandlung einzelner gibt, frage ich mich, warum das nicht die beste Form des Umgang sein soll?</p>
<p>Klar ist, nicht alle Maßnahmen sind sinnvoll. Welche Maßnahmen wie wirkungsvoll sind, wird sich am Ende vermutlich erst sehr viel später herausstellen. Daher werfe ich auch niemandem vor auch darin Fehleinschätzungen zu machen. Zentral ist aber, dass es tatsächlich geht zu verfolgen, welche Dinge problematisch sind und welche nicht. Dass von staatlicher Seite dies über Zahlen verfolgt wird, ist nachvollziehbar und nicht unsinnig.</p>
<p>Daher meine Frage: Wie hätten den sonst auf die Pandemie reagiert werden können/sollen? Gab es eine wirkliche Alternative in dem bestehenden Zeitrahmen, in dem eine Woche warten einen massiven Unterschied gemacht hat, wie wir in Groß-Britanien sehen können?</p>
<p>Es ist sinnvoll auf die Straße zu gehen um die Folgen anzuprangern, die ihre Ursachen in den rassistischen, patriarchialen und kapitalistischen Verhältnissen schon vor der Krise haben. Aber die Forderungen müssen dann andere sein &#8211; und dies macht einen sehr großen Unterschied in der Ausrichtung der Demonstration.</p>
<p>Und damit bin ich bei meinem zweiten Kritikpunkt: Wenn ich demonstriere muss ich mir auch darüber Gedanken machen, wie das, was ich sage auch verstanden und weiterverarbeitet wird. Denn sonst wird meine Äußerung eine reine Selbstbespaßung in der ich mich vielleicht gut fühle, weil ich das &#8222;Richtige&#8220; gesagt habe, aber es keine oder gar die falsche Wirkung hat. In dem Fall der Covid-19 &#8222;Widerstandsdemos&#8220; kann ja noch so sehr eine andere Intention vorhanden gewesen sein. Die Frage ist aber, wer das wie aufgreift, mit trägt und welche Botschaft am Ende dann noch bleibt. Inzwischen ist die Bremer Demo nur noch im Zusammenhang mit den Demos in Stuttgart, Hamburg, München und Gera zu betrachten. Die Leute dir dort hin kommen, kommen dort auch wegen dieses Zusammenhangs hin.<br />
Die getragenen Schilder zeigen dies sehr deutlich. In so einem Fall, wird eine linke Beteiligung immer nur noch zum Feigenblatt für eine sehr andere Veranstaltung.  Dies muss sehr deutlich werden.</p>
<p>Und ja, es gibt eine auch von Linken getragene Kritik an der Bill Gates Stiftung. Diese ist gut und wichtig. Darauf geht auch der <a href="https://www.vdaeae.de/index.php/presseerklaerungen/152-2020/1090-vdaeae-zu-den-verschwoerungsideologien-rund-um-corona">&#8222;Verein Demokratischer Ärztinnen und Ärzte&#8220; ein</a>. Das hat aber nichts mit einer vermuteten Allmacht dieser Stiftung zu tun, der wir ausgeliefert wären.</p>
<p>Ich halte es daher für wichtig, einer Demonstration, die ich für gefährlich halte, weil sie Inhalte verbreitet, die Verschwörungstheorien Vorschub leistet und im Zusammenhang mit den sehr Rechts offenen Demos in anderen Städten steht, entgegenzutreten. Zumindest um ihr einen Spiegel vorzuhalten.</p>
<p>Deshalb fahre ich jetzt dort hin &#8211; ups schon so spät.</p>
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		<title>Gegen die Verwirrung in der (radikalen) Linken angesichts von Corona</title>
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		<pubDate>Sat, 16 May 2020 13:46:33 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Bis weit hinein in alternative und linke, linksradikale,kommunistische und anarchistischeKreise, herrscht Verwirrung. Oft wird dem Staat geglaubt, dass es ihm um den Schutz der Gesundheit der gefährdetsten Menschen geht. Das aber ist reine Propaganda. Andererseits sind Rechte Querfront-Strateg*innen (aus AFD &#8230; <a href="https://endofroad.blackblogs.org/archive/10013">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/05/stern.png"><img loading="lazy" src="https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/05/stern-300x237.png" alt="" width="220" height="" class="alignleft size-medium wp-image-10014" srcset="https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/05/stern-300x237.png 300w, https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/05/stern-379x300.png 379w, https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/05/stern.png 450w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><strong>Bis weit hinein in alternative und linke, linksradikale,kommunistische und anarchistischeKreise, herrscht Verwirrung. Oft wird dem Staat geglaubt, dass es ihm um den Schutz der Gesundheit der gefährdetsten Menschen geht. Das aber ist reine Propaganda.</strong><br />
Andererseits sind Rechte Querfront-Strateg*innen (aus AFD und NPD sowie Verschwörungstheoretiker*innen) sehr erfolgreich darin, ihre Kritik an der staatlichen Corona-Politik – oft unerkannt &#8211; als die Opposition dazu zu verbreiten.</p>
<p>Selbst eine normale Grippewelle ist nicht ungefährlich. Und Corona – das ist spätestens klar, seit sich das Virus bei Tagestemperaturen von 35°C in Indien verbreitet hat – ist kein normales Grippevirus. <span id="more-10013"></span></p>
<p>In Bremen gibt es seit Wochen jeden Samstag Proteste gegen die Corona-Politik. Diese wurden von einer Aktivistin, die in der Linkspartei gelandet ist, und einem Menschen, der sich als Kommunist versteht undsich gerne positiv auf den Anarchisten Erich Mühsam bezieht, angestoßen. Diese Proteste sind sehr bürgerlich. Sie fordern ‚unsere demokratischen Rechte vom Staat zurück‘. Diese Forderung schließt selbstverständlich die Rückkehr zur wirtschaftlichen Normalität mit ein.<br />
Eine grundsätzliche Kritik an Staat und warenproduzierendem Patriarchat fehlt. Das geschieht in einem gesellschaftlichen Klima, in dem Querfront-Strateg*innen die öffentlich wahrnehmbare Kritik an der Corona-Politik dominieren. Es ist also kein Wunder, dass das die Kundgebung auch Recht(sradikal)e anzieht. Auf einer der ersten Kundgebungen, wurde u.a. von einer kleinen Gruppe das Deutschland-Lied angestimmt. Nur eine versuchte zu stören. Die Organisator*innen weisen nach diesen Erfahrungen, darauf hin, dass rechte Positionen keinen Platz haben sollen. Aber: Es fehlt das Hintergrundwissen, um die recht(sradikal)en Hintergründe von Corona-Parolen zu erkennen. Ja, es ist überdeutlich, dass es sogar eine Abwehr gibt, sich mit der Kritik an der Kritik an der Corona-Politik der Bundesregierung auseinanderzusetzen.<br />
Das gilt erschreckenderweise selbst für die undogmatisch Linken bis Libertären, die sich an der Kundgebung beteiligt haben. Ich bin teils langjährig mit einigen davonbefreundet. Eine davon habe ich z.B. durch die linksradikale Dissent-Vernetzung gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm kennengelernt, einen anderen durch das A-Café. Diese haben das Bedürfnis sich sichtbar gegen die medizinisch indizierte autoritäre Formierung zu stellen. Dem Staat und seiner repressiven Politik der Angst zu misstrauen ist erstmal ein guter Grund auf die Straße zu gehen.<br />
Diesen Grund kann eine* auch den Bürgerlichen auf den Kundgebungen nicht prinzipiell absprechen. Ich habe das Bedürfnis auch, aber ich bin überzeugt, dass der Rahmen dafür nicht geeignet ist. Am 9. Mai wurde auf der Kundgebunggegen die Corona Politik ein Redebeitrag zum Tag der Befreiung vom Faschismus gehalten. Einige führten entsprechende Pappschilder mit sich.</p>
<p><a href="https://recherche-nord.com/gallery/2020.05.09.html">Recherche Nord</a> hatte zuvor die Proteste in Bremen eindeutig als rechtsradikal geoutet. U.a. auf endofroad wurde <a href="https://endofroad.blackblogs.org/archive/9934">gegen die Kundgebung mobilisiert</a>. Kurz nach dem Redebeitrag zum 8. Mai erschien die Antifa und outete die Demonstrationsteilnehmer*innen lautstark kollektiv als Nazis. Die undogmatisch Linken bis Libertären die dort waren, mussten erstmals erleben, als Nazis beschimpft zu werden. 6 der 7 mir namentlich bekannten Teilnehmer*innen dieser fragwürdigen Samstags-Demos habe ich auf der Demo gegen die faschistischen Morde in Hanau gesehen. Die Antifas outeten sich in einem Redebeitrag als unreflektierte Anhänger*innen der staatlichen Corona-Politik. Die <a href="http://basisgruppe-antifa.org/wp/2020/05/12/alles-boese-kommt-von-oben/">Basisgruppe Antifa (BA) schreibt</a>, dass die „‚Hygiene-Demos‘ &#8230; einen klassenübergreifenden Zusammenschluss von Liberalen bis hin zu Neonazis [bilden]. … [Es einigt sie] die antisemitische Vorstellung, dass eine bestimmte Gruppe, die kosmopolitisch und global vernetzt ist (WHO, Wissenschaft usw.), die weltweite Pandemie steuert.“ Die BA malt in Übereinstimmung mit Merkel dass Panikszenario einer 2., weit schlimmeren Covid 19-Welle. Der Bremer Ermittlungsausschuss <a href="https://endofroad.blackblogs.org/archive/9978">diffamiert die Teilnehmer*innen</a> an den Bremer Corona-Samstags-Protest per mail vom 14.5. pauschal als Querfront-Aktivist*innen. Manchmal macht schwarz-weiß-Malerei ja Sinn.<br />
Aber ich denke nicht,dass den Bremer Samstags-Protesten gerecht wird.<br />
Hallo ihrAntifas, das ist ein einfaches, binäres^schwarz-weiss, gut-schlecht Bild,zwangsläufig ebenso (wenn auch anders) verkürzt und falsch, wie das was die Leute auf dem Bremer Marktplatz gegen die Corona-Politik veranstalten.</p>
<p>Nochmals: Das Corona-Virus ist nicht ungefährlich. Aber es ist auch kein Grund für Panik und Panikmache. Wenn keine Gegenmaßnahmen getroffen werden, kommt es zur ‚natürlichen Selektion‘. Alte, Kranke, Lager-, Knast- und Psychiatrieinsass*innen, Arme in den Slums, also die aus kapitalistischer Logik ‚Unnützen‘, die nicht ‚Leistungsfähigen‘ werden damit selektiert. Einige Staaten schützen einige der Gefährdeten-Gruppen mit nicht zielgerichteten Maßnahmen. Alle Staatennutzen Covid-19, um auszuprobieren, wie weit sie die Formierung zum autoritären Notstandsstaat ausweiten können. Wer sagt das Corona-Virus sei völlig ungefährlich, reproduziert die faschistoide, Staat und warenproduzierendem Patriarchat eingeschriebenen Logik.</p>
<p>Die Forderung, die Lager sofort zu schließen ist absolut richtig. Das Lagersystem ist auch ohne Corona menschenverachtend. Ob in der Lindenstraße in Bremen, ob auf den griechischen Inseln, ob in Syrien oder wo auch immer. Die Menschen, die aufs engste zusammengepfercht, oft gesundheitlich (physisch und / oder psychisch) angeschlagen, sind extrem gefährdet, sich mit dem Corona-Virus anzustecken, sobald dieser erst mal das Lager erreicht. In Bremen ist genau das in der ZAST in der Lindenstraße geschehen. Die Argumentation der Antiras baut auf der staatlichen Corona-Politik auf, um gute, stichhaltige Argumente gegen die zuständige Senatorin zu haben. Alle Antiras, mit denen ich seit Corona gesprochen habe, sind denn auch von der extremen Gefährlichkeit des Virus überzeugt und unterstützen fast durchgängig die herrschende Corona-Politik. Aber selbst dieses Berufen auf die staatliche Corona-Herrschaft hat keine Erfolge – eben weil es der Politik (und auch der von Grünen und Linkspartei) nicht um die Gesundheit der Menschen geht. Somit fördern Antiras mit dieser Argumentation die Verwirrung. Das verhindert, eine eigene herrschaftskritische Position zu Corona zu finden und zu formulieren.</p>
<p>Oft sterben Menschen schon allein aufgrund der Regierungspolitik gegen Corona – ohne sich überhaupt mit dem Virus zu infizieren. In den Ländern, in denen es kaum funktionierende Sozialsysteme gibt, bekommen Arme in den Städten keine Jobs mehr. Dazu werden die Slums u.a. in Indien militärisch abgeriegelt. Ohne die spärliche karitative Hilfe würden die Armen in den Slums (ob in Indien, Südafrika, ob in Lateinamerika oder in den USA) schlicht und einfach verhungern. Menschen die sowieso schon geschwächt sind, sterben dann auch massenweise an Corona, wenn die Corona-Pandemie ihren Stadtteil erreicht. Aber: Da würde auch jeder andere Virus reichen.</p>
<p>Wer von den Linken, die sich für die herrschende Corona-Politik aussprechen denkt schon an die, die psychisch nicht so stabil sind. Für diese stellen Kontaktsperren, Versammlungsverbote und Ausnahmezustand krasse Angriffe gegen ihre psychische Gesundheit dar. Wer von ihnen denkt an die Kinder, die angesichts der Corona-Politik 24 Stunden lang überforderten und gereizten, latent gewalttätigen Eltern im Wege stehen.<br />
Gerade (15.5.) hab ich im Radio gehört, dass die Zahl der Kleinkinder mit Schütteltrauma massiv angestiegen ist. Eine emanzipatorische Position zu Corona muss das berücksichtigen, kann also selbst einfache, grundsätzlich sinnvolle Abstandsregeln nicht uneingeschränkt einfordern.</p>
<p>Und dann gibt es ja noch die verschiedenen stalinistischen und leninistischen Fraktionen. Der ‚Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD‘ hat zum 1. Mai immerhin die durchaus stimmige Parole „Der Kapitalismus, die Seuche der Menschheit“ plakatiert. Er will im Rückgriff auf die mörderischen Ideen Stalins und mit völlig unkritischer Technologiegläubigkeit die Seuche Kapitalismus mit der Seuche Staat bekämpfen. Anarchist*innen haben schon bevor Lenin das in Praxis umsetzte, vorhergesagt welche Folgen es hat, die Probleme mit Hilfe des Staates zu lösen. Und: Es gibt eine enge Verbindung zwischen dem Ausbruch von Epidemien und dem Druck auf z.B. durch Landgrabbing vertriebene Kleinbäuer*innen im Globalen Süden, in Wälder auszuweichen.<br />
Die Wald-Ökosysteme sind insbesondere durch Abholzung und Klimakriege stark belastet. Das macht das Überspringen von Krankheitserregern von Tier auf Mensch dort wahrscheinlich. Mit einer Politik á la Arbeiterbund würden also die Bedingungen zur Entstehung von Epidemien und globalen Pandemien gestärkt.</p>
<p>Die Frage ob Menschen mit oder an Covid 19 sterben wird zwar auch immer wieder von Verschwörungstheorie-Fans angebracht. Aber sie ist genauso berechtigt wie die Frage, ob weltweit mehr Menschen an oder mit Corona oder an den Folgen der Corona Politik sterben. Die demokratischen Staaten betreiben den Kampf gegen Corona mit einer massiven Politik der Angst (Der österreichische Kanzler Kurz: „In jeder Familie wird es Tote geben“). Mit einem „Wimpernschlag“ (Gai Dáo) werden demokratische Rechte und Freiheiten außer Kraft gesetzt. Der Unterschied zwischen Demokratie und Faschismus war noch nie ein absoluter. (dazu: S. 29 – 46 in: Befreiung vom Geld und Eigentum, Bd.2 &gt;&gt; <a href="https://befreiungvomgeldundeigentum.blackblogs.org/">befreiungvomgeldundeigentum.blackblogs.org</a>) Die Corona-Pandemie wird jedenfalls weltweit genutzt, um eine medizinisch indizierte autoritäre Formierung durchzusetzen.</p>
<p>1968 wäre eine solche staatliche Corona-Politik nicht durchsetzbar gewesen. Das zeigt deutlich auf, wie weit es den Staaten und dem warenproduzierenden Patriarchat gelungen ist, dass die Menschen sich aktiv unterwerfen.</p>
<p>Die Hong-Kong-Grippe brachte 1968/70 weltweit den Menschen hohes Fieber und viele spuckten Blut. Weltweit starben 750.000 bis 2 Mill. Menschen, in der BRD und der DDR zusammen im Winter 1969 / 70 50.000. In Hamburg war jede zweite Person infiziert. Das Gesundheitssystem kollabierte dort fast.</p>
<p>Das war auf dem Höhepunkt des nach -68er Widerstandes. Hat irgendwer schon mal was davon gehört, dass deshalb die Kritik an Staat und Kapitalismus mit Abstandsregeln und Mundschutz geübt wurde, dass Veranstaltungen und Widerstand abgesagt wurden? Ein befreundeter, mit über 80 immer noch aktiver Alt-Autonomer, der damals in Hamburg und Berlin aktiv war, sagte mir, dass er sich nicht erinnern kann, dass das überhaupt ein Thema war.</p>
<p>Wie oben schon gesagt – eine solche praktische Ignoranz gegenüber realen Problemen ist nicht unproblematisch. Die aktive Unterwerfung unter die staatliche medizinisch indizierte autoritäre Formierung ist aber ein noch weit größeres Problem.</p>
<p>Der Schweizer Autor P.M. kommt aus dem Züricher Häuserkampf-Bewegung und entwarf u.a. die Bolo-Bolo Utopie. Er meldete sich Ende 2019 mit einer kleinen Dystopie zur drohenden Öko-Diktatur zu Wort. Die Leute unterwerfen sich in seiner Dystopie – zum Teil mit Murren, aber im Wesentlichen ohne sich dagegen zu wehren – den drakonischen Maßnahmen der staatlichen Öko-Diktatur. Eine Grippewelle, genannt Corona-Pandemie, bringt unsere Leben gerade zum Stillstand. Und die Menschen unterwerfen sich, wie es P.M. beschrieb. Es gibt fast nur noch ein Thema – Corona.<br />
Die existentiellen globalen sozialen Fragen, die ökologischen Fragen so um Klima und Artensterben, sind wesentlichvom Tisch. Die grundsätzliche Kritik an Staat und Kapitalismus ist noch weniger wahrnehmbar als ohnehin schon. Veranstaltungen, Demos, Direkte Aktion – in der BRD alles abgesagt oder verschoben. Damit werden unhinterfragt reaktionäre Ansätze gestärkt. Ein Beispiel: Das Aktions-Camp ‚gemeinsam gegen die Tierindustrie‘ wurde abgesagt. Die Politik wendet sich aktuell mit ihren autoritären Vorstellungen gegen die Arbeits-Migrant*innen in den Tierfabriken und wird darin durch Bürger-Initiativen-artige Proteste unterstützt. Der Staat leitet gerade das wirtschaftliche ‚weiter so‘ ein.<br />
Angesichts der fetten aufgelegten Hilfsprogramme für die darunter leidende Wirtschaft haben die Staaten danach mal wieder leere Kassen als Ausrede für fehlendes Handeln.</p>
<p>Mit Corona war plötzlich ‚unser‘ Resonanzboden weg. ‚Wir‘ können nicht wirklich darauf warten wollen, bis der Staat uns den Widerstand wieder erlaubt.</p>
<p>Wir brauchen Treffpunkte, um uns auszutauschen, um miteinander zu reden, um der Verwirrung etwas entgegenzusetzen. Welche Bedeutung hat der Virus? Wie kann eine anarchistische Handlungs-Perspektive gegen den Staat<br />
und das warenproduzierende Patriarchat angesichts von Corona aussehen?<br />
Die Zeitschrift der anarchistischen Föderation, die Gai Dào will ein elektronisches Sonderheft zu Fragen und Antworten angesichts von Corona rausgeben. Das bringt schon mal was. Auf jeden Fall müssen dabei die sozialen und die ökologischen Kämpfe zusammengedacht werden, statt sie gegeneinander auszuspielen. Fragend sollten wir voranschreiten. Die solidarische Praxis der linken Subkultur und die Kritik an der herrschenden Politik müssten eher radikalisiert als ausgesetzt werden.<br />
Wenn die radikale Linke weiterhin nichts anzubieten hat, gewinnen zweifelhafte bis rechtsradikal beeinflusste Bewegungen an Einfluss.</p>
<p>Das Ziel bleibt ein gutes Leben für alle – weltweit, jenseits von Geld und Eigentum. Und was das gute Leben für die Menschen / Gruppen von Menschen bedeutet, kann nicht zentral vorgeschrieben werden.<br />
Kurzfristiges Ziel muss sein, auch in Zeiten von Corona handlungsfähig zu werden.</p>
<p>So, ich hab jetzt genügend Leuten auf die Füße getreten, kritisch-solidarische Grüße von einem älteren Anarcho aus Bremen</p>
<p>P.S.: Während in Bremen vereinzelte Leute unerträgliche Sprüche loslassen und das nicht energisch genug aus der Kundgebung beantwortet wird, scheint die Situation z.B. in Hamburg massiv anders zu sein. Dort wurde eine Reihe bekannter Nazi-Größen gesichtet und aus der Masse unterstützt, in dem viele ‚Wir sind das Volk‘ brüllten und das Deutschlandlied sangen.</p>
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		<title>VA: &#8222;Corona und Volksgesundheit&#8220;</title>
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		<pubDate>Sun, 19 Apr 2020 20:20:31 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Mittwoch, 22. April 2020 &#124; 19 Uhr &#124; Discord Der Arbeitskreis Auflösen macht jetzt den Versuch, eine Online-Diskussionsrunde anzubieten und am Mittwoch, den 22.04. mit allen Interessierten über das Verhältnis von Corona und Volksgesundheit zu diskutieren: Eine in der Bundesrepublik &#8230; <a href="https://endofroad.blackblogs.org/archive/9728">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Mittwoch, 22. April 2020 | 19 Uhr | <a href="https://discord.gg/6V7qacE">Discord</a></p>
<p><a href="https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/04/proxy-image.jpeg"><img loading="lazy" src="https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/04/proxy-image.jpeg" alt="" width="275" height="183" class="alignleft size-full wp-image-9730" /></a><strong>Der Arbeitskreis Auflösen macht jetzt den Versuch, eine Online-Diskussionsrunde anzubieten und am Mittwoch, den 22.04. mit allen Interessierten über das Verhältnis von Corona und Volksgesundheit zu diskutieren:</strong> Eine in der Bundesrepublik nie dagewesene Ausgangssperre wird verhängt, zieht sich in die Länge und wird begleitet von einer immer größeren Zustimmung für die Regierenden einerseits und einer Sorge um den Zustand der Grundrechte andererseits. Die wirklich Zuständigen beschönigen nicht den Einsatz hoheitlicher Gewalt. Sie rechtfertigen ihn mit den Geboten der seuchenmedizinischen Vernunft. Und das ist schon interessant, ganz jenseits der teilnahmsvollen Frage nach dem gleichgewichtigen Verhältnis beider Seiten. Denn mit Vernunft reklamiert die Politik, dass sie im Sinne und im Interesse derer handelt, die sie ihren Maßregeln unterwirft. Dabei zeugt die Gewalt, die sie aufwendet, davon, dass der Zweck, den sie mit ihren Vorschriften verfolgt, nicht der der Betroffenen ist. <span id="more-9728"></span><br />
Und das wirft zwei Fragen auf: Was ist die Sache, die der Staat über sein Volk verhängt, wenn er für sein sturzvernünftiges Vorgehen ohne Gewalt nicht auskommt? Und: Auf wen, auf welche Interessen trifft er mit seiner gewaltsam verordneten Vernunft?<br />
Diese und weitere Fragen wollen wir mit euch diskutieren am kommenden Mittwoch, den. 22.04.20 ab 19 Uhr. Da wir uns derzeit nicht physisch treffen können, werden wir die Diskussion auf einem Discord-Server unter https://discord.gg/6V7qacE führen.</p>
<p>checkt <a href="http://arbeitskreisaufloesen.blogsport.eu/2020/04/15/diskussionsangebot-corona/">arbeitskreisaufloesen.blogsport.eu</a></p>
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		<title>Mietstreik?</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Apr 2020 22:24:09 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Mietstreik? Eine strategische Begutachtung von Mietstreiks – historisch und aktuell Als Reaktion auf die wirtschaftlichen Notlagen, die durch die COVID-19-Pandemie verursacht wurden, zirkulieren weltweit Aufrufe zu Mietstreiks. In den letzten zehn Jahren sind die Immobilienwerte in die Höhe geschossen und &#8230; <a href="https://endofroad.blackblogs.org/archive/9704">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<article id="mietstreik-eine-strategische-begutachtung-von-mietstreiks-historisch-und-aktuell-1" class="h-entry">
<header>
<div class="article-image"><img class="u-photo aligncenter" src="https://cloudfront.crimethinc.com/assets/articles/2020/03/29/header.jpg" alt=""></div>
<div class="meta">
<div class="p-name ">
<h1 class="p-x-title">Mietstreik?</h1>
<h2 class="p-x-subtitle">Eine strategische Begutachtung von Mietstreiks – historisch und aktuell</h2>
<p>Als Reaktion auf die wirtschaftlichen Notlagen, die durch die <a href="https://de.crimethinc.com/2020/03/18/das-virus-uberleben-ein-anarchistischer-leitfaden-kapitalismus-in-der-krise-aufkommender-totalitarismus-strategien-des-widerstands">COVID-19-Pandemie</a> verursacht wurden, zirkulieren weltweit <a href="https://de.crimethinc.com/2020/03/27/immunitat-fur-alle-einladung-zum-streik-poster-und-aufruf-zur-kollektiven-selbstverteidigung">Aufrufe</a> zu <a href="https://itsgoingdown.org/what-you-need-to-know-about-rent-strike/">Mietstreiks</a>. In den letzten zehn Jahren sind die Immobilienwerte in die Höhe geschossen und die Gentrifizierung hat unzählige Communitys zerstört. Die Mietkosten waren bereits lange vor der Pandemie unerträglich.</p>
</div>
</div>
</header>
<div class="e-content">
<p>Doch wie könnten wir einen Mietstreik gegen die Ökonomie selbst führen?<span id="more-9704"></span> Wenn wir an Mietstreiks denken, denken wir normalerweise an eine Variante, die auf eine*n konkreten Vermieter*in abzielt und bestimmte Forderungen vorantreibt. Tatsächlich wurde diese Strategie, wie der folgende Text dokumentiert, schon früher auf einer viel breiteren Basis wirksam eingesetzt. In einer Krise, in der eine große Zahl von Menschen nicht mehr in der Lage sein werden, ihre Rechnungen zu bezahlen, ob sie wollen oder nicht, ist es wichtig, Netzwerke zu entwickeln, die jede*n verteidigen können, die/der nicht zahlen kann. In den kommenden Monaten müssen wir die Kapazität aufbauen, um uns jeder Vermieterin entgegenzustellen, die versucht, Bewohner*innen zu sanktionieren oder zu vertreiben.</p>
<p>Der folgende Text ist <a href="http://segadores.alscarrers.org/es-el-momento-para-una-huelga-de-alquileres/">einer spanischen Version</a> von Editorial Segadores und Col·lectiu Bauma entnommen, die Anfang dieser Woche in Katalonien erschienen ist. Die Autor*innen ziehen einen Rückblick auf mehr als ein Jahrhundert der Mietstreiks auf der ganzen Welt, in der Hoffnung, herauszufinden, was sie zum Erfolg oder Misserfolg führte, mit dem Ziel zu beurteilen, ob jetzt ein günstiger Zeitpunkt für einen weltweiten Mietstreik ist.</p>
<h1 id="ist-es-an-der-zeit-fur-einen-mietstreik">Ist es an der Zeit für einen Mietstreik?</h1>
<p style="padding-left: 30px"><em>»Die Tatsache, dass es einen Haufen Leute gibt, die plötzlich an einem #Mietstreik interessiert sind und keine Erfahrung mit orthodoxem Organisieren haben, ist kein Zeichen von Spontaneität oder Linksradikalismus oder irgendeinem moralischen Versagen, das aus der vorigen Teilnahme an orthodoxem Organisieren resultiert. Es ist ein Zeichen der Tatsache, dass die sich verändernden materiellen Bedingungen diese Strategie als eine Strategie präsentiert haben, die a) das Überleben &amp; b) eine neu gewonnene Hebelwirkung kombiniert. Neue Bedingungen bedeuten neue Organisationsformen, statt stur auf den Alten zu bestehen.«</em></p>
<p style="padding-left: 30px"><em>-Joshua Clover</em></p>
<p style="padding-left: 30px"><em>»Aber ich kann unmöglich alle auf einmal rauswerfen!«</em></p>
<p style="padding-left: 30px"><em>-Anscheinend hat ein <a href="https://www.reddit.com/r/realestateinvesting/comments/fotvwa/please_help_my_tenants_organized_and_are_saying/">Vermieter</a> über ein Online-Forum Rat gesucht, nachdem er von jedem der 32 Mieter in »seinem« Gebäude Briefe erhalten hatte, in denen sie ihre Absicht erklärten, zu streiken. 25. März 2020, Houston, TX</em></p>
<div id="attachment_9708" style="width: 1410px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/04/1.jpg"><img aria-describedby="caption-attachment-9708" loading="lazy" class="size-full wp-image-9708" src="https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/04/1.jpg" alt="" width="1400" height="1400" srcset="https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/04/1.jpg 1400w, https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/04/1-150x150.jpg 150w, https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/04/1-300x300.jpg 300w, https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/04/1-768x768.jpg 768w, https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/04/1-1024x1024.jpg 1024w" sizes="(max-width: 1400px) 100vw, 1400px" /></a><p id="caption-attachment-9708" class="wp-caption-text">Station 40, ein Wohnprojekt in San Francisco, befindet sich bereits im Mietstreik, wir haben dazu schon einen Artikel veröffentlicht.</p></div>
<p>Es sind seltsame Zeiten. Der Frühling ist gekommen, begleitet von einer Pandemie, die von einem Virus verursacht wird, der sich mit alarmierender Geschwindigkeit ausgebreitet hat, und begleitet von der totalitären Reaktion des Staates, die uns in eine neue Situation bringt. Während die Polizei ihre neuen Befugnisse genießt, haben viele Menschen ihre Arbeit verloren, und viele weitere haben bereits keine Ahnung, wie sie es bis zum Ende des Monats schaffen werden. In diesem Zusammenhang tauchen ungehorsame Stimmen auf, und die Idee eines Mietstreiks bekommt immer mehr Aufmerksamkeit. Wir von Editorial Segadores und Bauma Editorial wollten diese Art von Streik untersuchen, indem wir einige berühmte Beispiele aus der Vergangenheit aufgreifen und uns vorstellen, wie ein Mietstreik in der Coronavirus-Ära aussehen könnte. Wir hoffen, dass diese Überlegungen allen helfen, die sich für Strategie und Handlungsmöglichkeiten interessieren. Als Antwort auf die Einsperrung – kritisches Denken und direkte Aktion.</p>
<h1 id="was-ist-ein-mietstreik-und-wie-funktioniert-er">Was ist ein Mietstreik und wie funktioniert er?</h1>
<p>Ein Mietstreik liegt vor, wenn eine Gruppe von Mieter*innen gemeinsam beschließt, keine Miete mehr zu zahlen. Sie können denselben Vermieter haben oder in der gleichen Nachbarschaft wohnen. Dies kann im Rahmen einer anderen Kampagne oder als Teil eines größeren Kampfes geschehen, oder es kann die Hauptachse eines Kampfes gegen die Gentrifizierung, gegen unerträgliche Lebensbedingungen, gegen Armut im Allgemeinen, gegen den Kapitalismus selbst sein.</p>
<p>Um erfolgreich zu sein, erfordert ein Mietstreik drei Elemente:</p>
<ol>
<li><strong>Geteilte Unzufriedenheit.</strong> Selbst wenn die Nachbar*innen ihre Forderungen nicht kollektiviert haben, ist es am Anfang notwendig, dass viele von ihnen die Situation mehr oder weniger gleich wahrnehmen: dass sie empörend oder unerträglich ist, dass sie Gefahr laufen, ihre Wohnung zu verlieren, und dass sie den etablierten Programmen nicht trauen, für Gerechtigkeit zu sorgen.</li>
<li><strong>Reichweite.</strong> Wie wir weiter unten sehen werden, beginnt die große Mehrheit der Mietstreiks mit einer relativ kleinen Gruppe von Menschen und wächst von dort aus. Deshalb brauchen sie die Mittel, um ihren Aufruf zu verbreiten, ihre Beschwerden zu kommunizieren und um Unterstützung und Solidarität zu bitten. In vielen Fällen können die Streikenden gewinnen, wenn nur ein Drittel der Mieter*innen einer Immobilie an einem Mietstreik teilnimmt, aber es ist eine ausreichende Reichweite erforderlich, um diese Zahlen zu erreichen und die Drohung, dass sich der Streik ausbreitet, überzeugend zu machen.</li>
<li><strong>Unterstützung.</strong> Wer streikt, braucht Unterstützung. Sie brauchen rechtliche Unterstützung bei Gerichtsverfahren, Unterstützung für diejenigen, die ihre Wohnung verlieren, physische Unterstützung bei der Verhinderung von Räumungen und strategische Unterstützung, um Repressionen in größerem Umfang zu begegnen. In vielen Fällen, vor allem bei großen Streiks, haben streikende Mieter*innen in ihren eigenen Reihen allen Support gefunden, den sie benötigen, um sich gegenseitig zu unterstützen und die notwendigen Strukturen zu schaffen, um zu überleben. In anderen Fällen haben sich die Streikenden an bestehende Organisationen um Unterstützung gewandt. Aber die Initiative für den Streik geht immer von den Mieter*innen aus, die es wagen, ihn zu beginnen.</li>
</ol>
<figure class=""><img class="aligncenter" src="https://cloudfront.crimethinc.com/assets/articles/2020/03/29/8.jpg"></figure>
<h1 id="historische-streiks-und-ihre-gemeinsamen-merkmale">Historische Streiks und ihre gemeinsamen Merkmale</h1>
<p>Nun werden wir uns ansehen, wie diese drei wesentlichen Elemente bei großen Mietstreiks im Laufe der Geschichte erreicht wurden.</p>
<h2 id="de-freyne-estate-roscommon-irland-1901">De Freyne Estate, Roscommon, Irland, 1901</h2>
<p>1901 brach ein <a href="https://search.proquest.com/openview/7ba4f0e08f0dd60663077b4855a90c16/1?pq-origsite=gscholar&amp;cbl=18750&amp;diss=y">Pachtstreik</a> auf den Farmen von Baron De Freyne, einem Großgrundbesitzer im irischen Roscommon County, aus. In den vorangegangenen Jahrzehnten hatten die Pächter*innen in der Region ihre Organisationsmacht gegen die Besitzer großer Ländereien konsolidiert – in einer Bewegung, die mit dem Widerstand gegen den englischen Kolonialismus und die Auswirkungen der großen Hungersnot zusammenhing. Diese Bewegungen hatten in Roscommon keine Wurzeln geschlagen, aber die Bewohner*innen wussten sicherlich von dieser Praxis und hatten sich auch an einigen der halb-illegalen Formen des Widerstands beteiligt, die seit jeher das ländliche Mietverhältnis begleiteten (Massenversammlungen, physischer Widerstand gegen Vertreibungen, Sabotage, Brandstiftung).</p>
<p>Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die Bewohner*innen in der United Irish League organisiert, einer nationalistischen Organisation, die sich mit agrarischen und wirtschaftlichen Fragen beschäftigte. Als die Einwohner*innen ihren autonomen Streik begannen, schlossen sie sich schnell mit der örtlichen UIL zusammen, während andere Gruppen sich mit ihnen verbanden, um ihren Streik zu unterstützen. Gleichzeitig handelte die hochrangige Führung zweideutig, indem sie manchmal Unterstützung anbot und manchmal versuchte, den Streik als ein unabhängiges Unternehmen darzustellen, das die Konzepte der Miete und des Eigentums nicht gänzlich ablehnte, da die Führung der UIL immer noch versuchte, einen Teil der besitzenden Klasse zu überzeugen, sich ihnen anzuschließen.</p>
<p>Zu den unmittelbaren Ursachen des Streiks gehörten ein sintflutartiger Regen, der einen Großteil der Ernte vernichtete und die Futtermittelpreise in die Höhe trieb; De Freynes Weigerung, die Pachtkosten zu senken; die Anhäufung von Schulden und die Vertreibung vieler Familien; und eine lange Geschichte der Ungerechtigkeit in Bezug auf den Landbesitz, die durch eine kürzliche Episode verschärft wurde, in der einigen Bewohner*innen eines benachbarten Anwesens erlaubt worden war, Land zu kaufen, während alle Pächter*innen von De Freyne gezwungen waren, weiterhin wie Leibeigene zu leben.</p>
<p>Der Streik begann im November 1901. Zunächst organisierten sich viele der Pächter*innen von De Freyne heimlich und informell, da die UIL nicht die Initiative ergriff, obwohl sie die Pächter*innen unterstützte. Der Streik breitete sich auf andere Anwesen aus und dauerte über ein Jahr. Über 90% der Pächter*innen auf den Ländereien von De Freyne nahmen daran teil. Sie wehrten sich gegen Räumungen, indem sie Barrikaden errichteten, Steine auf die Polizei warfen und illegal neue Behausungen bauten.</p>
<p>All dies führte zu einer nationalen Affäre. 1903 war das englische Parlament gezwungen, eine umfassende Agrarreform zu verabschieden, die dem System der Pachtbetriebe ein Ende setzte.</p>
<ul>
<li>Daphne Dyer Wolf, <a href="https://search.proquest.com/openview/7ba4f0e08f0dd60663077b4855a90c16/1?pq-origsite=gscholar&amp;cbl=18750&amp;diss=y">Two Windows: The Tenants of the De Freyne Rent Strike 1901-1903</a> (Doktorarbeit). Drew Universität, 2019.</li>
</ul>
<h2 id="der-besenstreik-buenos-aires-und-rosario-1907">Der Besenstreik, Buenos Aires und Rosario, 1907</h2>
<p>Im August 1907 beschloss die Stadtverwaltung von Buenos Aires eine Steuererhöhung für das nächste Jahr. Sofort begannen die Vermieter*innen, die Miete zu erhöhen. Die Bedingungen in den armen Gegenden waren bereits miserabel. Im Vorjahr hatte sich die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Federaci%C3%B3n_Obrera_Regional_Argentina">Federación Obrera Regional Argentina (FORA)</a> für die Senkung der Miete eingesetzt.</p>
<p>Am 13. September begannen die Frauen in 137 Wohnungen in einem Block <a href="https://www.anred.org/2019/08/10/la-huelga-de-las-escobas/y%20http://latfem.org/anarquistas-la-huelga-lxs-inquilinxs-1907/">einen spontanen Streik</a>. Sie vertrieben die Anwälte, Beamten, Richter und die Polizei, die versuchten, die Mieter*innen zu vertreiben. Am Ende des Monats beteiligten sich mehr als 100.000 Mieter*innen an einem Streik, der von Frauen geführt wurde, die sich in Ausschüssen organisierten, unterstützt durch von der FORA organisierte Mobilisierungen und Strukturen. Sie verlangten eine 30%ige Reduzierung der Miete; als die Polizei kam, um eine Mieterin zu vertreiben, kämpften sie mit allen Mitteln die ihnen zur Verfügung standen, mit geworfenen Gegenständen und mit den Fäusten.</p>
<p>Der Streik breitete sich auf andere Städte aus, darunter Rosario und Baía Blanca, und wurde von verschiedenen syndikalistischen, anarchistischen und sozialistischen Organisationen unter Leitung der FORA unterstützt. Die Repression durch die Polizei war massiv; in einem Fall ermordeten sie einen jungen Anarchisten. Obwohl die Streikenden viele Räumungen stoppten, gelang es ihnen schließlich nicht, die Vermieter*innen zu zwingen, die Mietkosten zu senken. Nach drei Monaten heftiger Kämpfe und der Abschiebung vieler Organisator*innen (wie Virginia Bolten) nach dem Aufenthaltsgesetz ging dem Kampf die Luft aus.</p>
<ul>
<li><a href="https://www.anred.org/2019/08/10/la-huelga-de-las-escobas/">La Huelga de las Escobas</a></li>
<li><a href="http://latfem.org/anarquistas-la-huelga-lxs-inquilinxs-1907/">Anarquistas: la huelga de lxs inquilinxs de 1907</a></li>
</ul>
<h2 id="manhattan-mietstreik-new-york-1907">Manhattan Mietstreik, New York, 1907</h2>
<p>Zwischen 1905 und 1907 stiegen die Mieten in New York City um 33%. Die Stadt wuchs unaufhörlich und schwoll mit armen Einwanderer*innen an, die zur Arbeit in den Fabriken, auf dem Bau und am Hafen kamen. Es gab auch einen Anstieg anarchistischer und sozialistischer Aktivitäten. Im Herbst kündigten die Vermieter*innen eine weitere Erhöhung der Mieten an. Daraufhin ergriff <a href="https://jwa.org/encyclopedia/article/newman-pauline">Pauline Newman</a>, eine 20-jährige Arbeiterin, jüdische Immigrantin und Sozialistin, die Initiative und überzeugte <a href="https://timesmachine.nytimes.com/timesmachine/1907/12/27/106771842.pdf">400 weitere junge Arbeiter*innen</a>, den Aufruf zu einem Mietstreik zu unterstützen. Bereits Ende Dezember hatten sie Tausende von Familien überzeugt; im neuen Jahr stellten 10.000 Familien die Zahlungen ein und forderten eine 18-20%ige Mietsenkung. Innerhalb weniger Wochen wurden die Mieten von etwa 2000 Familien gesenkt. Dieses Ereignis war der Beginn einiger Jahre des Nachbarschaftskampfes und schließlich der staatlichen Kontrolle über die Miete.</p>
<ul>
<li><a href="https://libcom.org/history/new-york-city-rent-strike-1907-8">The New York City Rent Strike, 1907-8</a></li>
</ul>
<h2 id="mrs-barbours-army-glasgow-1915">Mrs. Barbour’s Army, Glasgow, 1915</h2>
<p>In den Jahren vor 1915 wuchs die schottische Stadt Glasgow durch die Industrialisierung in den Kriegsjahren und die Einwanderung von Familien aus ländlichen Gebieten rasch an. Die Klasse der Eigentümer*innen spekulierte mit Wohnraum und ließ 11% der Häuser leer stehen und finanzierte keinen Neubau, während sich die Arbeiterklasse in immer überfüllteren und verfallenen Häusern wiederfand. Organisationen wie der Scottish Housing Council (Schottischer Wohnungsrat) und verschiedene Gewerkschaften arbeiteten jahrelang an der Durchführung von Gesetzesreformen im Wohnungs- und Mietsektor; sie errungen einige neue Gesetze, aber im Allgemeinen verschlechterte sich die Situation weiter. Darüber hinaus stiegen mit dem Ersten Weltkrieg die Lebensmittelpreise unaufhörlich, und viele Männer des Landes waren im Ausland. Die Grundstückseigentümer nutzten dies aus, da sie dachten, dass es einfacher sei, arme Familien auszubeuten, wenn ihre Männer weg waren. Von August bis September 1913 gab es 484 Räumungen in Glasgow. Von Januar bis März 1915 gab es 6441.</p>
<p>In dem Elend, der Ausbeutung und dem Gemetzel, das die Arbeiterinnenklasse verfolgte, sahen die Grundbesitzer von Glasgow eine gute Gelegenheit. Im Februar 1915 kündigten sie eine 25%ige Preiserhöhung für alle Mieten an. Sofort, am 16. Februar, hielten alle armen Frauen im südlichen Teil des Govan Viertels eine Massenversammlung ab. Anwesend waren die Organisatorinnen der Glasgow Women’s Housing Association, einer Organisation, die sich im Vorjahr gebildet hatte, aber immer noch wenig Zugkraft besaß. Auf der Tagung gründeten sie die South Govan Women’s Housing Association, die der GWHA angeschlossen war. Sie beschlossen, die Erhöhung nicht zu zahlen, sondern stattdessen weiterhin den ursprünglichen Satz zu zahlen. Dies verbreitete sich in der ganzen Nachbarschaft.</p>
<p>Die GWHA rief am 1. Mai zu einer Kundgebung auf, 20.000 nahmen teil. Im Juni gewannen die Frauen von Govan die Absage der Mieterhöhung. Die Bewegung wuchs von da an. Im Oktober beteiligten sich mehr als 30.000 Menschen an dem Mietstreik in der ganzen Stadt. Sie wurden als Mrs. Barbour’s Army bekannt, benannt nach Mary Barbour, einer Arbeiterin aus Govan. Im Zuge der Ausbreitung und Aufrechterhaltung des Streiks organisierten sie Kundgebungen und Proteste und verteidigten die Mieter*innen gegen Räumungen, im Nahkampf mit der Polizei. Die Gewerkschaften drohten mit einem Streik in den Rüstungsfabriken; Ende des Jahres gelang es ihnen, die Aussetzung jeglicher Strafmaßnahmen gegen Streikende, eine Mieteinfrierung zur Aufrechterhaltung der Vorkriegsmieten und die ersten Mietkontrollgesetze im Vereinigten Königreich durchzusetzen – ein wichtiger Schritt in Richtung Sozialwohnungen, die kurz darauf eingeführt wurden.</p>
<p>Von Anfang an gewann die Bewegung die Unterstützung der linken Parteien und anderer bestehender Organisationen, die sich auf den Wohnungsbau konzentrierten, wie die Schottische Föderation der Wohnungsbaugesellschaften, die mit der Sozialistischen Partei verbunden war. Aber es ist wichtig zu betonen, dass die Frauen eher autonome Organisationen schufen, als sich den traditionellen Organisationen anzuschließen. Einige, wie Mary Burns Laird, die erste Präsidentin der GWHA, organisierten sich auch in politischen Parteien (im Fall von Laird in der Labor Party), während andere, wie Frau Barbour, keiner Partei angehörten und ihren eigenen Weg für den Kampf schufen. In jedem Fall war die Aktivität der GWHA weit entfernt von der traditionellen linken Politik: ihre Treffen fanden in ihren Küchen, in Waschhäusern und auf der Straße statt. Die Kraft hinter dem Akronym war zum großen Teil das Solidaritätsnetzwerk, das die armen Frauen bereits bei ihren täglichen Care-Arbeit aufgebaut hatten.</p>
<ul>
<li><a href="https://libcom.org/history/1915-the-glasgow-rent-strike">1915: The Glasgow Rent Strike</a></li>
<li>Brenda Grant, <a href="https://www.uhi.ac.uk/en/t4-media/one-web/university/research/centre-for-history/a-woman's-fight-the-glasgow-rent-strike-of-1915-by-brenda-grant.pdf">A Woman’s Fight: The Glasgow Rent Strike 1915</a>), 2018<br />
<figure class=""><img class="aligncenter" src="https://cloudfront.crimethinc.com/assets/articles/2020/03/29/12.jpg"></figure>
</li>
</ul>
<h2 id="comite-de-defensa-economica-barcelona-1931">Comité de Defensa Económica, Barcelona, 1931</h2>
<p>1931 hatte Barcelona gerade erst die Diktatur überwunden. Die Menschen warteten sehnsüchtig auf die Verbesserungen, die die Demokratie bringen würde… und das Warten nahm kein Ende. Barcelona war zur teuersten Stadt Europas geworden, die Miete betrug 30-40% des Lohns. (Die heutigen Zahlen sind ähnlich oder sogar noch schlimmer, aber damals lag der Durchschnitt in den europäischen Städten bei 15%). Die Bedingungen waren miserabel. Viele, die es sich nicht leisten konnten, eine Wohnung für sich selbst zu mieten, gingen in die »Casas de Dormir«, Räume, in denen sie sich zwischen den Fabrikschichten ausruhen konnten; oft hatten diese Räume nicht einmal Betten, sondern nur Seile, auf denen die Arbeiter ihre Arme ausruhen konnten.</p>
<p>Im April brach ein Mietstreik aus, bei dem die Teilnehmenden eine 40%ige Reduzierung der Miete forderten. Er dauerte bis Dezember und wurde von 45.000 bis 100.000 Personen in der ganzen Stadt durchgeführt. Das <em>Comité de Defensa Económica</em> (CDE), das von der Baugewerkschaft der <em>Confederación Nacional del Trabajo</em> (CNT) gegründet wurde, spielte eine entscheidende Rolle bei der Koordinierung und Verbreitung des Streiks.</p>
<p>Wie so viele andere Streiks war auch dieser von der Solidarität unter den streikenden Nachbar*innen geprägt, die gemeinsam Barrikaden errichteten und sich gegen Räumungen wehrten. Wenn sie Erfolg hatten, feierten sie auf der Straße; wenn nicht, brachen sie in das geräumte Haus ein und feierten drinnen. Dieselben Arbeiter*innen, die morgens das Wasser oder den Strom abgestellt hatten, kamen abends zurück, um es wieder einzuschalten. Sie waren selbstverständlich mit der CNT liiert. Manchmal endete es daher darin, dass die Polizei Möbel aus den Fenstern warf oder anderweitig zerstörte, da sie es satt hatte, ständig in wieder bewohnte Häuser zurückkehren zu müssen. Eine andere Taktik war das, was heute als <em>Escrache</em> bekannt ist, d.h. Proteste vor dem Haus eines Vermieters.</p>
<p>Offensichtlich kam der Streik nicht aus dem Nichts: Er basierte auf den Traditionen der Autonomie der Gemeinschaft und war in einem vielfältigen Netz von Beziehungen und Bindungen verwurzelt, die aus der Nachbarschaft und Verwandtschaften heraus entstanden. Die Bewegung war auch eng mit der radikalen Kultur verbunden, die die CNT seit dem Ersten Weltkrieg gefördert hatte.</p>
<p style="padding-left: 30px"><em>»Santiago Bilbao, der Organisator des CDE, sah den Streik der Mieter*innen als einen wichtigen Akt der wirtschaftlichen gegenseitigen Hilfe, durch den die Besitzlosen der Macht des Marktes entgegenwirken und die Kontrolle über ihr tägliches Leben übernehmen konnten. Der Ratschlag des CDE an die Arbeiter*innen war: »Essen Sie gut und wenn Sie kein Geld haben, zahlen Sie keine Miete!« Das CDE forderte auch, dass Arbeitslose von der Zahlung der Miete befreit werden. Doch obwohl sich der Streik durch die vom CDE organisierten Massenversammlungen verbreitete, kam die Bewegung wirklich von der Straße, die für sie wesentlicher war als jede andere Organisation.«</em></p>
<p style="padding-left: 30px"><em>&#8211;<a href="https://www.diagonalperiodico.net/culturas/27273-barcelona-1931-huelga-inquilinos.html">Barcelona (1931), Huelga de Inquilinos</a></em></p>
<p style="padding-left: 30px"><em>»Der Mietstreik wurde in der Nachbarschaft von Barceloneta geboren, wo es ein vitales soziales Bewusstsein gibt, sowohl durch das harte Leben der Fischer*innen als auch durch die Arbeiter*innen, die im Maquinista Terrestre y Marítima, einem der wichtigsten Unternehmen der Metallindustrie, arbeiten. Es überrascht nicht, dass diese Missstände in diesem historischen Fischerviertel am Mittelmeer entstanden sind, wo die Fischerhäuser noch immer als Streichholzschachteln bekannt sind. Es handelte sich dabei um Häuser von 15 oder 20 Quadratmetern, in denen ganze Familien wohnten, manchmal mit Untermieter*innen wie kürzlich aus dem Dorf eingetroffenen Verwandten. […] Es ist das Sindicato Único de la Construcción der CNT, das die Unzufriedenheit der Arbeiterfamilien mobilisieren wird, die sich nach und nach bis an den Rand der Stadt ausbreiten wird, und in jedem dieser Viertel wird der Streik seine eigenen Merkmale, seine eigenen Eigenheiten und Kampfmethoden haben.«</em></p>
<p style="padding-left: 30px"><em>-Aisa Pàmpols, Manel, (2014) “La huelga de alquileres y el comité de defensa económica,” Barcelona, abril-diciembre de 1931. Sindicato de la Construcción de la CNT. Barcelona: El Lokal.</em></p>
<p>Der Streik wurde durch schwere Repression unter der Leitung von Gouverneur Oriol Anguera de Sojo und dem Präsidenten der Vereinigung der Grundstückseigentümer, Joan Pich i Son, der auch den Aufstand vom Oktober 1934 niederschlug, effektiv beendet. Die neue demokratische Republik unterschied sich nicht sonderlich von der alten Diktatur, nachdem sie ihr gesamtes Arsenal eingesetzt hatte: die Polizei, die <em>Guardia Civil</em> und die <em>Guardia de Asalto</em>, die neue paramilitärische Polizei. Das Gesetz zur Verteidigung der Republik wurde angewandt, ein Knebelgesetz, das einen Freibrief für Repression bot. Einige wurden als »Gefangene der Regierung« inhaftiert, und das CDE wurde zu einer kriminellen Organisation erklärt.</p>
<p>Trotz alledem schürten die anhaltenden Proteste weiterhin die Glut der bevorstehenden Revolution.</p>
<p>Ein Großteil der ursprünglichen Dokumente des Streiks wurde im Krieg zerstört, vielleicht aus Angst vor diesem Beispiel des proletarischen Widerstands. Folglich fehlt uns ein großer Teil der Stimmen der Frauen, die eine zentrale Rolle bei dem Streik gespielt haben. Formelle Organisationen haben in der Geschichtsschreibung immer mehr Gewicht als informelle Organisationsräume, obwohl es keinen Zweifel daran gibt, dass die zentrale Rolle der CNT ein wichtiges Merkmal des Streiks war. Die Tatsache, dass die Streiktaktiken in jeder Nachbarschaft unterschiedlich waren, zeigt jedoch, dass der Streik nicht zentralisiert war, sondern vor allem von der Initiative derjenigen abhing, die ihn durchführten.</p>
<ul>
<li><a href="https://www.diagonalperiodico.net/culturas/27273-barcelona-1931-huelga-inquilinos.html">Barcelona (1931), Huelga de Inquilinos</a></li>
<li>Aisa Pàmpols, Manel, (2014) “La huelga de alquileres y el comité de defensa económica,” Barcelona, abril-diciembre de 1931. Sindicato de la Construcción de la CNT. Barcelona: El Lokal.<br />
<figure class=""><img class="aligncenter" src="https://cloudfront.crimethinc.com/assets/articles/2020/03/29/13.jpg"></figure>
</li>
</ul>
<h2 id="st-pancras-london-1959-1960">St. Pancras, London, 1959-1960</h2>
<p>St. Pancras in London war ein überwiegend von der Arbeiterinnenklasse bewohntes Gebiet, in dem etwa 8000 Menschen in Sozialwohnungen lebten.</p>
<p>1958 stimmte der Bezirk für eine Erhöhung der Miete in Sozialwohnungen. Ende Juli, nachdem die Konservative Partei die Bezirkswahlen gewonnen hatte, hob sie die Mieten erneut an, diesmal noch drastischer (zwischen 100 und 200%), und warf die Gewerkschaften aus dem Bezirk hinaus (wohingegen die Arbeiter*innen im Bezirk zuvor Mitglieder sein mussten). Bis zu diesem Zeitpunkt hatte es nur wenig Organisation in den Vierteln gegeben, aber als der August begann, bildeten die Mieter*innen in einem Teil des Viertels eine Vereinigung. Bis Ende August waren 25 solcher Mietervereinigungen gegründet worden, die im Zentralausschuss einer neuen Organisation, der United Tenants Association, vertreten waren. Der Sekretär, Don Cook, war bereits Sekretär einer der wenigen (und kleinen) Mietervereinigungen, die vor 1959 existierten.</p>
<p>Von Anfang an befürwortete die Mehrheit der Basis direkte Aktionen und einen Mietstreik, aber die Labor Partei, die die Forderungen der Mieter*innen nutzen wollte, um die Konservative Partei zu schlagen und die Kontrolle im Bezirk wiederzuerlangen, hielt sie zurück.</p>
<p>Am 1. September 1959 fand eine Demo und ein Treffen mit 4000 Personen statt. Die Teilnehmenden nahmen unter anderem folgende Positionen ein: die Weigerung, die erforderlichen Unterlagen zur Bewertung der neuen Miete jeder Familie auszufüllen, einen Aufruf zur Einheit, das Versprechen, jede Familie zu verteidigen, die von Räumung bedroht ist, und die Forderung nach Solidarität von den Gewerkschaften. In den folgenden Monaten hielten die Mieter*innen weiterhin Demonstrationen ab und richteten mit Unterstützung der Gewerkschaften in jedem Block Ausschüsse ein, die wöchentliche Delegiertenversammlungen abhielten, mit oft 200 oder mehr Teilnehmenden. Sie veröffentlichten drei wöchentliche Rundbriefe, um Informationen von der Leitungsebene an die Basis zu verbreiten. Am Ende des Jahres umfasste die UTA 35 Mietervereinigungen.</p>
<p>Frauen protestierten nachts vor den Häusern der Bezirksabgeordneten. Jede*r Abgeordnete wurde zweimal oder öfter pro Woche besucht. Sie kamen nicht zu viel Schlaf. Eine der wenigen Geschichten über den Streik, die von einem Teilnehmer (einem <a href="https://libcom.org/history/rent-strike-st-pancras-1960">Dave Burn</a>) geschrieben wurde, erkennt an, dass die Frauen »das Rückgrat der Bewegung bildeten, indem sie jeden Tag aktiv blieben und sich gegenseitig unterstützten«. Dennoch konzentriert sich die Geschichte von Burn größtenteils auf formelle, vorwiegend männliche Delegiertenorganisationen.</p>
<p>Die Mieterhöhung sollte am 4. Januar 1960 in Kraft treten. Zunächst zahlten 80 Prozent der Mieter*innen von Sozialwohnungen die Erhöhung nicht, sondern nur die bisherige Miete. Nach vielen Drohungen und mit dem Beginn des Räumungsverfahrens im Bezirk sank die Beteiligung an dem Streik auf ein Viertel aller Mieter*innen, also etwa 2000. Im Februar riet die Labor Partei der UTA, den Streik abzubrechen, damit sie mit den Konservativen verhandeln könne. Die UTA lehnte dies ab: Ohne den Streik wären sie völlig schutzlos, und mehrere Familien befanden sich bereits mitten im Räumungsverfahren.</p>
<p>Um ihre Kräfte zu sammeln, organisierte die UTA eine kollektive Zahlung des größten Teils der Mietrückstände, damit sie nicht so viele Räumungen auf einmal bekämpfen mussten. Die ersten Urteile wurden erlassen, und für Ende August waren drei Zwangsräumungen geplant. Die Mieter*innen begannen, ihre Verteidigung zu organisieren und waren entschlossen, keine einzige Räumung von Sozialwohnungen zuzulassen. In der Mitte dieser Kampagne trafen sich die UTA-Vorsitzenden im Juli mit Bezirksberatern &#8211; aber die Verhandlungen scheiterten, da die Konservativen nichts über die Probleme der Mieter*innen hören wollten. Von diesem Moment an begann die UTA einen totalen Mietstreik, und Mitte August trafen 250 weitere Räumungsbescheide ein.</p>
<p>Bis zum 28. August wurden massiv Barrikaden errichtet; die Mieter*innen hatten ein System von Streikposten und Alarmsystemen vorbereitet, um die gesamte Nachbarschaft zu alarmieren, so dass die Arbeiter*innen die Häuser der Menschen verteidigen konnten. Bis zum 14. August war die Zahl der Räumungsbescheide auf 514 gestiegen. Labor und die Kommunistische Partei befürchteten die steigenden Spannungen und riefen zur Beendigung des Streiks auf, aber es war zu spät.</p>
<p>Am Morgen des 22. September griffen 800 Polizist*innen an. Es folgte eine zweistündige Schlacht, bei der ein Polizist schwer verletzt wurde. Der Polizei gelang es, zwei Häuser zu räumen, aber in einem Block dauerten die Zusammenstöße bis zum Mittag an. Etwa 300 örtliche Arbeiter*innen kamen, um bei der Verteidigung des Streiks zu helfen, aber die Gewerkschaften boten keine Unterstützung an. Am Nachmittag griffen tausend Polizisten eine Demonstration von 14.000 Mieter*innen an. Die Konfrontationen gingen weiter.</p>
<p>Der Leiter des Bezirksanwalts signalisierte, dass er bereit sei, sich mit Vertreter*innen der UTA zu treffen. Am nächsten Tag erklärte der Innenminister das Verbot aller Demonstrationen und Versammlungen.</p>
<p>Aufgrund des politischen Skandals, den die Unruhen verursacht hatten, ließ Labor die Mieter*innen im Stich und begann, »Agitator*innen« und »Radikale« anzuprangern. Sie behaupteten die Beteiligung externer Provokateure und bestanden darauf, dass der Konflikt durch Dialog gelöst werden müsse &#8211; obwohl die Konservativen des Bezirks das ganze Jahr über fast immer den Dialog verweigert hatten. In der Zwischenzeit stimmten die Konservativen nach Verhandlungen einer kleinen Mietsenkung zu.</p>
<p>Da die UTA sowohl von links als auch von rechts angegriffen wurde und täglich mit neuen Räumungen bedroht war, beschloss sie, ihre Strategien zu ändern, um weitere Räumungen zu vermeiden. Sie bezahlte die Mietrückstände der Nachbar*innen, bei denen die Gefahr einer Zwangsräumung am größten war, und beschloss, Labor zu helfen, die Konservativen bei den kommenden Wahlen zu stürzen. Im Mai 1961 gewann Labor die Kontrolle über den Bezirksrat, 51 Sitze für sie zu 19 für die Konservatien. Mehrere UTA-Delegierte hatten sich in ihre Reihen eingegliedert, und die wichtigste Säule ihres Wahlprogramms war die Mietreform.</p>
<p>Die Mieter*innen warteten auf die Reform des Mietplans im sozialen Wohnungsbau… und warteten… und warteten. Die beiden zwangsgeräumten Mieter*innen fanden neue Wohnungen, aber nach einigen Monaten kündigten die Abgeordneten von Labor an, dass eine Mietreform nicht möglich sein würde. Der Streik war gescheitert.</p>
<ul>
<li><a href="https://libcom.org/history/rent-strike-st-pancras-1960">Rent Strike: St. Pancras, 1960</a></li>
</ul>
<h2 id="autoriduzione-italien-1970er">Autoriduzione, Italien, 1970er</h2>
<p>Die 1960er und 70er Jahre waren in Italien eine Zeit zunehmender Prekarität in der Arbeit und beim Wohnen, aber auch ein Moment, in dem die Menschen von einer Welt ohne Ausbeutung träumten und es wagten, dafür zu kämpfen. Im Jahr 1974 führten die vorausschauendsten Technokraten des Industrie- und Finanzsektors den Plan Carli ein, wobei sie sich auf die Neutralität der Kommunistischen Partei stützten. Dieser Plan zielte darauf ab, die Ausbeutung der Arbeitskraft zu erhöhen und die öffentlichen Ausgaben zu reduzieren.</p>
<p>In den 1960er Jahren hatte eine starke autonome Arbeiterbewegung in Italien den Aufstieg einer autonomen Bewegung in den Vierteln beeinflusst, die sich auf selbstorganisierte Nachbarschaftskomitees stützte, in denen Frauen eine entscheidende Rolle spielten. Diese Ausschüsse, die sich auf das praktische und unmittelbare Überleben konzentrierten, organisierten »Auto-reduktionen«, bei denen die Mieter*innen und Nachbar*innenn selbst beschlossen, die Preise für Dienstleistungen zu senken, indem sie beispielsweise nur 50% für Wasser oder Strom zahlten.</p>
<p>In Turin gewann die Bewegung im Sommer 1974 erheblich an Fahrt. Als die öffentlichen Verkehrsbetriebe beschlossen, die Fahrpreise zu erhöhen, war die Reaktion unmittelbar. Die Teilnehmer*innen blockierten spontan Busse an verschiedenen Stellen, verteilten Flugblätter und schickten Delegierte in die Stadt. Von dort aus begannen die kämpferischsten Gewerkschaften, eine Reaktion der Bevölkerung zu organisieren: Sie druckten die Fahrkarten selbst, und Freiwillige verteilten sie in den Bussen und verlangten den vorherigen Preis. Durch kollektive Stärke zwangen sie die Unternehmen, die Situation zu akzeptieren.</p>
<p>Die Auto-Reduktionen der Strompreise verbreiteten sich schnell und waren in zwei Phasen organisiert: erstens die Sammlung von Unterschriften, die sich zur Teilnahme an den automatischen Kürzungen sowohl in den Fabriken als auch in den Stadtvierteln verpflichteten; zweitens Streikposten vor dem Postamt, die sich die durchgesickerten Informationen der Gewerkschaften der öffentlichen Versorgungsbetriebe darüber zunutze machten, wann und wo die Rechnungen verschickt wurden. Die Streikposten verteilten Informationen über die Teilnahme an der Autoreduzierung. Nach einigen Wochen nahmen 150.000 Familien in Turin und der Region Piemont teil.</p>
<p>Die Auto-Reduktionen waren in Turin stärker, weil die regionalen Gewerkschaften von den von der Kommunistischen Partei kontrollierten nationalen Komitees unabhängig waren, die jede direkte Initiative gegen steigende Preise blockierten. So konnten die Gewerkschaften in Turin spontane Initiativen und Initiativen von Nachbarschaftskomitees mit voller Kraft unterstützen, während in Städten wie Mailand die Gewerkschaften diese Initiativen nicht unterstützten oder es, wie in Neapel, gar keine starken Gewerkschaften gab. In einigen Städten, wie Palermo, ermöglichten Student*innen und Jugendliche durch illegale Aktionen Auto-Reduktionen.</p>
<p>Die Bewegung erweiterte sich auf autonome Mietsenkungen, mit dem Ziel, dass die Miete 10% des Familieneinkommens nicht überstieg. Es wurden verschiedene Taktiken angewandt, von Kleingruppen-Aktionen bis hin zu Initiativen von Nachbarschaftskomitees, die von den radikaleren Gewerkschaften unterstützt wurden. In der ersten Hälfte der 1970er Jahre wurden 20.000 Wohnungen besetzt und vorübergehend von der kommerziellen Logik der Miete befreit. Auch in Rom, Mailand und Turin gab es Mietstreiks.</p>
<p>Die feministische Bewegung war ein wichtiger Teil der Bewegung. In diesem Zusammenhang entwickelten die Frauen die Theorien der dreifachen Ausbeutung (durch die Bosse, Ehemänner und den Staat) und der reproduktiven Arbeit, die in den heutigen Kämpfen nach wie vor von entscheidender Bedeutung sind.</p>
<ul>
<li><a href="https://libcom.org/history/autoreduction-movements-turin-1974">Autoreduction movements in Turin, 1974</a></li>
<li><a href="https://www.viewpointmag.com/2015/11/01/feminism-autonomism-1970s-italy/">Mapping the Terrain of Struggle: Autonomous Movements in 1970s Italy</a><br />
<figure class=""><img class="aligncenter" src="https://cloudfront.crimethinc.com/assets/articles/2020/03/29/5.jpg"></figure>
</li>
</ul>
<h2 id="soweto-township-sudafrika-1980er">Soweto Township, Südafrika, 1980er</h2>
<p>Soweto ist ein urbanes Gebiet von Johannesburg mit einer hohen Bevölkerungsdichte. In den 1980er Jahren hatte es 2,5 Millionen Einwohner*innen. Während der letzten Jahrzehnte der Apartheid erlebten die Bewohner*innen Sowetos extreme Armut und soziale Ausgrenzung. Im Jahr 1976 gipfelte dies im Soweto-Aufstand, einer Reihe kraftvoller Proteste und Streiks die von der Polizei brutal, mit Dutzenden Todesopfern, niedergeschlagen wurden. Die materiellen Bedingungen des Gebiets begannen sich zu verbessern, aber nur dank des anhaltenden Kampfes der Bewohner*innen.</p>
<p>Die Wohnsituation war schrecklich. Die Häuser waren von schlechter Qualität, unhygienisch und wurden nicht gepflegt. Miete und Nebenkosten beliefen sich auf ein Drittel des durchschnittlichen Gehalts der Bewohner*innen, wobei die explodierende Arbeitslosenquote nicht berücksichtigt ist. Am 1. Juni 1986, als sich ein Plan zur Erhöhung der Mieten herumsprach, hörten Tausende Bewohner*innen Sowetos auf, Miete und Nebenkosten an den Soweto-Rat zu zahlen. Der Rat versuchte, den Streik mit Räumungen zu brechen, aber die Nachbar*innen wehrten sich hartnäckig. Ende August schoss die Polizei auf eine Menschenmenge, die sich einer Räumung widersetzte, und tötete mehr als 20 Menschen. Die Wut verschärfte sich, und die Behörden stoppten die Räumungen.</p>
<p>Anfang 1988 riefen die Behörden den Ausnahmezustand aus, um den Anstieg des schwarzen Widerstands im ganzen Land zu unterdrücken. Der solide Widerstandsort, den sie nicht auslöschen konnten, war der Soweto-Rentenstreik. Mitte des Jahres wurden die Streiks fortgesetzt, und die Behörden stellten als Druckmittel den Strom für fast das gesamte Gebiet ab.</p>
<p>Die Presse behauptete, dass der Streik nicht realistisch sei, dass er nur durch die Gewalt junger Militanter aufrechterhalten wurde. Die Realität sah anders aus: Trotz eines 30 Monate andauernden Ausnahmezustands, der einen Großteil der Aktivitäten der Anti-Apartheid-Bewegung stoppte, unterstützte die große Mehrheit der Bewohner*innen weiterhin den Streik. Am Ende erkannten die Behörden, dass sie die Kontrolle völlig verloren hatten. Im Dezember 1989 erließen sie alle überfälligen Mieten – ein Verlust von mehr als 100 Millionen Dollar –, stoppten die Räumungen, setzten alle Mieten bis zu Verhandlungen mit den Nachbar*innen aus und übertrugen in mindestens 50.000 Fällen das Eigentum an den Häusern direkt an die Mieter*innen.</p>
<p>Vor diesen Streiks hatte die Anti-Apartheid-Bewegung Mietstreiks als Taktik bei ihren Protesten gegen die weiße Regierung eingesetzt, so dass die gesamte Bevölkerung mit ihnen vertraut war; die Mobilisierungen und Organisationen dieser Bewegung hatten die Praktiken der Solidarität erweitert. Aber der erste große Mietstreik begann im September 1984 in Lekoa als unmittelbare Reaktion der Nachbarschaft selbst auf eine Mieterhöhung; die am stärksten vertretene Organisation war die Vaal Civic Association, wobei Vaal der Name der Region ist. Dies war wahrscheinlich der Ursprung der Taktik, die der Afrikanische Nationalkongress (ANC) und andere Organisationen in der Folge anzuwenden begannen.</p>
<p>In ähnlicher Weise entstand der Soweto-Mietstreik aus der Nachbarschaft selbst als Reaktion auf ihre unmittelbaren Bedingungen und Überlebenszwänge. Er ist ein klassisches Beispiel dafür, dass informelle Nachbarschaftsnetzwerke der Schlüssel für die Organisation von Streiks sind, wobei formelle Strukturen nach Bedarf geschaffen werden, wenn der Streik bereits begonnen hat. Und während sie von einigen der formellen Organisationen ausgeschlossen waren, behielten Frauen eine Schlüsselrolle bei der Organisation und Aufrechterhaltung dieser lebenswichtigen Nachbarschaftsnetzwerke.</p>
<ul>
<li><a href="https://www.csmonitor.com/1986/0904/orent.html">Rent Strike Gives Blacks in South Africa a Powerful Weapon</a></li>
<li><a href="https://www.latimes.com/archives/la-xpm-1986-03-31-mn-2045-story.html">South Africa Blacks Plan Mass Action: Store Boycotts, Rent Strikes Are Part of Strategy</a></li>
<li><a href="https://www.sahistory.org.za/article/people-armed-1984-1990">The People Armed, 1984-1990</a></li>
<li><a href="https://apnews.com/785a4a012efbe3dad22d523ea617ae53">Soweto City Council Drops Campaign To Crush Rent Boycott</a><br />
<figure class=""><img class="aligncenter" src="https://cloudfront.crimethinc.com/assets/articles/2020/03/29/7.jpg"></figure>
</li>
</ul>
<h2 id="boyle-heights-mariachis-los-angeles-2017">Boyle Heights Mariachis, Los Angeles, 2017</h2>
<p>In einem Versuch der rassistischen Gentrifizierung erhöhte ein Hausbesitzer die Mietkosten für eine kleine Anzahl von Wohnungen in einem Gebäude neben dem Mariachi Plaza im Stadtteil Boyle Heights von Los Angeles um 60-80%. Die Hälfte der Mieter*innen bildete sofort eine Koalition – einschließlich nicht direkt von der Mieterhöhung betroffenen Mieter*innen – und forderte den Dialog mit dem Vermieter. Als der Vermieter versuchte, mit jedem einzelnen von ihnen in Kontakt zu treten, leitete die Koalition den Mietstreik ein. In der Folge begann die Los Angeles Tenants Union (LATU) den Streik zu unterstützen und half bei der Mobilisierung und bei der rechtlichen Beratung.</p>
<p>Nach neun Monaten erhielten sie eine Mieterhöhung von nur 14%, einen Dreijahresvertrag (sehr selten in den USA), die Aufhebung jeglicher Strafen für die Nichtzahlung und das Recht, nach drei Jahren den nächsten Vertrag als Kollektiv auszuhandeln.</p>
<ul>
<li><a href="https://la.streetsblog.org/2018/02/16/boyle-heights-tenants-mariachis-celebrate-victory-over-exorbitant-rent-hikes/">Boyle Heights Tenants, Mariachis Celebrate Victory over Exorbitant Rent Hikes</a></li>
</ul>
<h2 id="burlington-united-los-angeles-2018">Burlington United, Los Angeles, 2018</h2>
<p>Ein Streik begann in drei Gebäuden auf demselben Grundstück in der Burlington Avenue, einem von der raschen Gentrifizierung betroffenen Latinx-Viertel in Los Angeles, zu einem Zeitpunkt, als die Zahl der obdachlosen Latinx-Menschen in die Höhe geschnellt war. Als der Vermieter die Miete der Mieter*innen zwischen 25% und 50% erhöhte, riefen 36 der 192 Wohnungen einen Mietstreik aus; die schlechten Bedingungen in den Gebäuden waren auch eine gemeinsame Beschwerde der Mieter*innen. In der zweiten Woche waren insgesamt 85 Wohnungen im Streik, fast die Hälfte. Die Bewohner*innen organisierten sich ab der Streikerklärung. In der Folge leisteten die örtliche LATU und eine nahestehende Rechtsschutzorganisation aus der Nachbarschaft, die sich gegen die Räumungen einsetzte, den Streikenden Hilfe.</p>
<p>Das Rechtssystem teilte den Widerstand durch separate Gerichtsverfahren für jede Wohnung auf. Die Hälfte der Wohnungen gewann ihre Urteile; die anderen wurden gezwungen, die Wohnungen zu verlassen.</p>
<ul>
<li><a href="https://knock-la.com/the-biggest-rent-strike-in-la-history-burlington-tenants-vs-slumlord-attorney-lisa-ehrlich-52917abc79a8">The Biggest Rent Strike in LA History: Burlington Tenants vs. Slumlord Attorney Lisa Ehrlich</a></li>
</ul>
<h2 id="parkdale-toronto-2017-2018">Parkdale, Toronto, 2017-2018</h2>
<p>Im Jahr 2017 führten die Mieter*innen, die 300 Wohnungen des selben Eigentümers in mehreren Gebäuden bewohnten, einen erfolgreichen Streik im Stadtteil Parkdale in Toronto durch. Das Viertel ist stark von Gentrifizierung betroffen, und die betreffende Immobiliengesellschaft hatte sich bei ihren Mieter*innen bereits einen Ruf für schlechte Wohnverhältnisse erworben und versuchte, sie durch Preiserhöhungen zu verdrängen.</p>
<p>Als das Unternehmen versuchte, die Preise zu erhöhen, beschlossen einige Nachbar*innen, einen Streik auszurufen; andere schlossen sich schnell an und organisierten sich als Versammlung. Ein weiteres wichtiges Element in diesem Zusammenhang war die Aktivität von Parkdale Organize, einer Mieterorganisation aus demselben Viertel, die 2015 aus einem anderen Nachbarschaftskampf hervorgegangen war. Parkdale Organize half bei der Mobilisierung des Streiks, indem sie in den betroffenen Gebäuden von Tür zu Tür gingen, Ressourcen anbot und Modelle des Widerstands teilte. Nach drei Monaten gelang es ihnen, die Mieterhöhung zu blockieren.</p>
<p>Angeregt durch dieses Beispiel begannen die Mieter*innen eines weiteren großen, 189-stöckigen Parkdale-Gebäudes im folgenden Jahr einen Streik. Als die Immobiliengesellschaft einen starken Anstieg der Mieten verfügte, organisierten sich die Mieter*innen in 55 Wohnungen in einer Versammlung und begannen einen Streik. Nach einem zweimonatigen Streik setzten sich die Mieter*innen mit ihren Forderungen durch, und der Eigentümer kündigte die Mieterhöhung auf.</p>
<ul>
<li><a href="https://nowtoronto.com/news/parkdale-tenants-stage-rent-strike-to-protest-unfair-rent-hike/">Parkdale Tenants Stage Rent Strike to Protest Unfair Rent Hike</a></li>
<li><a href="https://www.thestar.com/news/gta/2018/03/26/parkdale-tenant-strike-expected-to-end-after-landlord-backs-down-on-rent-increase.html">Parkdale Tenant Strike Expected to End after Landlord Backs Down on Rent Increase</a><br />
<figure class=""><img class="aligncenter" src="https://cloudfront.crimethinc.com/assets/articles/2020/03/29/9.jpg"></figure>
</li>
</ul>
<hr>
<h1 id="gemeinsame-merkmale">Gemeinsame Merkmale</h1>
<p>Die meisten dieser Streiks wurden von Frauen begonnen; in allen Fällen spielten Frauen eine wichtige Rolle. Die Streiks finden immer in einem Kontext statt, in dem viele Mieter*innen unter ähnlichen Bedingungen leiden: Miete, die einen großen Teil der Gehälter verbraucht; die Gefahr des Verlustes von Wohnraum; und einige zusätzliche Gründe für Empörung, wie z.B. sehr ungesunde Bedingungen, ein kontextabhängiges Thema wie der englische Kolonialismus (wie beim Roscommon-Streik) oder eine ungerechte Reform, die einige begünstigt und andere benachteiligt. Und es gibt fast immer einen Funken: meistens eine Preiserhöhung oder eine Verringerung der wirtschaftlichen Möglichkeiten der Mieter*innen.</p>
<p>Häufig begannen Streiks spontan, was nicht bedeutet, dass sie aus dem Nichts auftauchten, sondern dass sie – in einem günstigen Kontext – aus der spezifischen Initiative von Nachbar*innen, die durch eine Versammlung oder durch affektive und nachbarschaftliche Netzwerke umgesetzt wurde, entstanden sind. Von dort aus gründen sie entweder ihre eigenen Organisationen oder ziehen die Unterstützung bestehender Organisationen an. In anderen Fällen besteht eine formelle Organisation vor Beginn des Streiks, aber es handelt sich um eine eher kleine Organisation, die von und für die Mieter*innen geschaffen wurde, nicht um eine der großen Gewerkschaftsorganisationen oder Parteien. Wir haben nur einen Fall gefunden – 1931 in Barcelona –, in dem ein Mietstreik von einer großen Organisation ausgerufen wurde.</p>
<p>Was die Siegchancen betrifft, so ist es wichtig, dass der Streik möglichst weit verbreitet ist, aber es ist nicht notwendig, dass er eine Mehrheit findet. Streiks wurden mit der Beteiligung von nur einem Viertel oder einem Drittel der Mieter*innen gewonnen; im Falle von Streiks in einem bestimmten Gebiet, die sich nicht gegen einen bestimmten Eigentümer richten, kann es sich um einen viel kleineren Anteil der Gesamtbevölkerung einer Stadt handeln, solange es genug sind, um die Normalität zu unterbrechen, eine Krise in der Regierung zu provozieren und das Rechtssystem zu bewältigen. Die Entschlossenheit, Lebensfreude und Solidarität aufrechtzuerhalten, anstatt nach individuellen Lösungen zu suchen, ist wichtiger als die Zahl der Streikenden.</p>
<p>Ein weiterer, vielleicht der wichtigste Faktor hängt vom Kontext ab. Welche Kapazitäten hat der Staat, um Repression zu verüben? Ist es besser für sie, Ungehorsam zu unterdrücken oder Konflikte zu besänftigen und ihr Image wiederherzustellen?</p>
<h1 id="aktuelle-bedingungen-mehr-als-ausreichend">Aktuelle Bedingungen: Mehr als ausreichend</h1>
<p>Wie wir gesehen haben, sind bestimmte Bedingungen notwendig, damit sich ein Mietstreik in der gesamten Bevölkerung ausbreiten kann: eine Prekarität, die immer mehr Menschen den Zugang zu Wohnraum unmöglich macht, und ein gemeinsames Gefühl, dass es sehr schlecht läuft. Gibt es diese Bedingungen derzeit?</p>
<p>Zunehmend kaufen große internationale Investmentfonds weltweit Immobilien auf und setzen die Miete auf Rekordhöhe. Da sie den Wohnungsmarkt verschlingen, steigt der Preis, den die Menschen für den Zugang zu Wohnungen zahlen müssen, in die Höhe.</p>
<p>Im spanischen Staat beispielsweise erreichte der Preis für Mietwohnungen im Februar 2020 (dem letzten Monat, für den zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Textes Daten vorlagen) mit 11,1 € pro Quadratmeter seinen historischen Höchststand, was einem Anstieg von 5,6% gegenüber Februar 2019 entspricht. Die Gemeinden mit den höchsten Preisen sind Madrid (15,0 €) und Katalonien (14,5 €). In der Stadt Madrid beträgt <a href="https://www.idealista.com/sala-de-prensa/informes-precio-vivienda/alquiler/">der Preis 16,3 €</a> pro Quadratmeter, was einem Zuwachs von 3,5 % entspricht, und in der Stadt Barcelona 16,8 € pro Quadratmeter, was einem Zuwachs von 3,7 % entspricht. Aber alle Touristenstädte haben einen ähnlichen Anstieg erlebt. Zwischen 2014 und 2019 sind die durchschnittlichen Mietpreise im spanischen Staat um 50 % gestiegen und haben damit den Höchststand vor der Krise von 2008 <a href="https://elpais.com/economia/2019/08/01/actualidad/1564652435_118589.html">bei weitem übertroffen</a> .</p>
<p>Im gleichen Zeitraum ist das Durchschnittsgehalt im spanischen Staat <a href="https://www.eleconomista.es/economia/noticias/9169491/05/18/Analisis-de-los-salarios-en-Espana-la-remuneracion-mas-frecuente-cae-hasta-los-16497-euros.html">nicht einmal um 3% gestiegen</a>. Ja, wirklich: eine 50%ige Erhöhung der Wohnkosten bei einer 3%igen Erhöhung der Gehälter. Aber das Durchschnittsgehalt umfasst sowohl Arbeiter*innen als auch Millionäre, und letztere müssen keine Miete zahlen. Wenn wir uns auf den Durchschnittslohn oder den Lohn der meisten Menschen beziehen (d.h. den häufigsten Lohn der Masse), sehen wir, dass er <a href="https://datosmacro.expansion.com/mercado-laboral/salario-medio/espana">viel weniger gestiegen</a> und in einigen Jahren sogar gesunken ist. Kurz gesagt: Es gibt heute mehr Menschen als je zuvor, die keinen Zugang zu einer Wohnung haben. Wir haben diese Situation in den letzten fünf Jahren, lange vor dem Coronavirus, kommen sehen.</p>
<p>Dieser fehlende Zugang zu Wohnraum zeigt sich auch <a href="https://www.epdata.es/datos/desahucios-estadisticas-datos-hoy-graficos-cgpj/230/espana/106">in den Statistiken</a>. Im Jahr 2018 gab es im spanischen Staat mehr als 59.000 Zwangsräumungen, wobei der Anteil der Zwangsräumungen wegen Nichtzahlung der Miete zunahm. Im Jahr 2019 gab es mehr als 54.000, 70% davon über das <a href="https://www. eulixe.com/articulo/actualidad/desahucio-cada-12-minutos/20191213123422017732.html">Stadtmietgesetz</a>. In beiden Jahren waren die Gemeinden Kataloniens und Andalusiens bei der Zahl der Zwangsräumungen führend. Der Rückgang zwischen 2018 und 2019 erklärt sich weitgehend durch den Widerstand gegen die Zwangsräumungen, der sich überall gebildet hat, und durch den Trend, dass weniger Leute überhaupt erst Kredite aufnehmen können – und dadurch, dass die Banken nach der Explosion des Widerstands in den letzten zwölf Jahren eher zu Verhandlungen bereit sind. Zwischen 2017 und 2019 stieg die Zahl der Obdachlosen in Madrid um 25% und erreichte offiziell 2583 Personen, obwohl <a href="https://www.20minutos.es/noticia/3611553/0/numero-personas-sin-techo-crece-madrid-saturan-albergues-in- vierno/">andere Experten</a> sagen, dass es tatsächlich etwa 3000 sein müssen. Im gesamten spanischen Staat gibt es schätzungsweise mehr als 40.000 Obdachlose. [In den Vereinigten Staaten übersteigt die Zahl der Obdachlosen allein in Los Angeles diese Zahl. [In Deutschland kursieren Zahlen von ca. 678.000 Menschen im Jahr 2018].]</p>
<p>Die Coronavirus-Pandemie verschärft diese Situation nur noch weiter. Viele Menschen haben ihre Arbeit verloren; es ist nicht überraschend, dass die Notfallmaßnahmen der Regierung sich mehr auf die Verstärkung der Polizei- und Kriegsbefugnisse, den Schutz von Finanzinstitutionen, Geschäftsleuten und Menschen mit Hypotheken konzentrieren und daher die prekärsten Menschen – Mieter*innen, Menschen ohne Papiere und Obdachlose – ungeschützt zurückgelassen haben. Andererseits ist es eine Zeit, in der sich Solidaritätsinitiativen mit Lichtgeschwindigkeit verbreitet haben, mit Cacerolazos (Lärmdemonstrationen mit Töpfen und Pfannen) auf den Balkonen und einer raschen Ausweitung der sozialen Forderungen, und das alles trotz des von der Regierung verordneten Belagerungszustandes.</p>
<p>Kurz gesagt, es ist nicht nur der richtige Zeitpunkt für einen Mietstreik, sondern es besteht mehr denn je die Notwendigkeit, solche Initiativen <em>gerade jetzt</em> zu organisieren. Wenn dies nicht der richtige Zeitpunkt ist – die Höchststände für prekäre Wohnverhältnisse, eine Pandemie und die rasche Ausbreitung sozialer Initiativen – wird es vielleicht nie einen geeigneten Zeitpunkt für einen Mietstreik geben?</p>
<figure class=""><img class="aligncenter" src="https://cloudfront.crimethinc.com/assets/articles/2020/03/29/10.jpg"></figure>
<h1 id="bedenken-der-mieterinnen">Bedenken der Mieter*innen</h1>
<p>Es ist verständlich, dass Mieter*innen, die einen Streik befürworten könnten, eine Reihe von Zweifeln haben.</p>
<h2 id="praktische-und-rechtliche-bedenken">Praktische und rechtliche Bedenken</h2>
<p>Die anfänglichen Zweifel rühren schlicht und einfach aus der völligen Unkenntnis der Mietstreiks: Unseres Wissens gab es seit 1931 keinen Mietstreik auf spanischem Gebiet mehr. Wie funktioniert das? Welche Rechte habe ich und was sind die möglichen Strafen, wenn ich die Miete nicht mehr zahle?</p>
<p>Kurz gesagt, mensch muss nur zwei Dinge tun, um sich dem Mietstreik anzuschließen: die Zahlung einstellen und dies anderen mitteilen. Ihr könnt eure Nichtzahlung dem Eigentümer mitteilen oder auch nicht. Die Mitteilung kann den Streik verstärken, aber wenn sich mehrere Mieter*innen desselben Eigentümers dem Streik anschließen, wird die Botschaft auch vermittelt. Die Mietervereinigung von Gran Canaria hat beispielsweise <a href="https://anarquistasgc.noblogs.org/post/2020/03/23/convocatoria-de-huelga-de-alquileres-1-a/">ein Formular</a>, das ihr der/dem Eigentümer*in zusenden können. Infos zur rechtlichen Lage in Deutschland und <a href="https://mietstreik.blackblogs.org/2020/03/26/rechtliche-hinweise/">eine Vorlage findet ihr hier</a> – und eine Vorlage für Österreich <a href="https://mietstreiksalzburg.noblogs.org/">findet ihr hier</a>.</p>
<p>Der zweite Schritt ist sehr wichtig: andere informieren, dass du dich dem Mietstreik angeschlossen hast. Je mehr Leute sich dem Streik anschließen, desto weniger Gefahr besteht für jede*n Einzelnen*e. Mit den Nachbar*innen zu sprechen, ist der beste Weg, sie zu ermutigen, sich dem Streik anzuschließen. Es ist auch sehr wichtig, über den Streik mit Netzwerken zu kommunizieren, die in deiner Nachbarschaft für Solidarität sorgen können. Das können Nachbarschaftsvereinigungen, Wohnungs- oder Mietergewerkschaften oder auch solidarische Gewerkschaften wie die CNT sein. Wenn sie mehr oder weniger wissen, wie viele Menschen streiken, können sie Informationen und Ressourcen verteilen und bei der Organisation einer kollektiven Verteidigung im Falle eines Räumungsverfahrens helfen. Denkt daran: Gemeinsam sind wir viel stärker.</p>
<p>Was die rechtlichen Folgen betrifft, so kann der/die Vermieter*in, wenn du die Miete nicht mehr zahlst, ein Räumungsverfahren einleiten, um dich aus deiner Wohnung zu vertreiben<sup id="fnref:1"><a class="footnote" href="https://crimethinc.com/2020/03/30/mietstreik-eine-strategische-begutachtung-von-mietstreiks-historisch-und-aktuell-1#fn:1">1</a></sup>. Wenn jedoch in vielen Fällen mehrere Mieter*innen desselben Vermieters die Miete nicht mehr zahlen, ist der/die Vermieter*in gezwungen, eine Vereinbarung zu treffen, die eine Mietsenkung beinhalten kann. In einer allgemeinen Krisensituation wie der jetzigen ist es sehr gut möglich, dass der Staat mit einem Räumungsmoratorium eingreift, wenn viele Menschen streiken.</p>
<h1 id="emotionale-bedenken">Emotionale Bedenken</h1>
<p>Der emotionale Aspekt ist bei einem Mietstreik wesentlich. Prekäre Wohnungsverhältnisse gibt es überall, jeden Tag. Das grundlegende Element, um einen Mietstreik auszulösen, ist der Mut derjenigen, die sagen, <em>genug ist genug</em>, die sich entscheiden, Risiken einzugehen, die Initiative zu ergreifen. Es ist ein wenig paradox: Wenn alle es wagen, ist der Sieg fast garantiert und es besteht nur ein geringes Risiko. Aber wenn alle zögern, ohne die Sicherheit der Gruppe, können die wenigen, die es wagen, ihre Häuser verlieren.</p>
<p>Doch gerade jetzt sind wir offensichtlich im Vorteil. Millionen von Menschen aus einfachen Vierteln sind in der gleichen Situation – und wir alle wissen bereits, dass wir uns in dieser Situation befinden. Es wird nicht »einige« geben, die Risiken eingehen, denn es gibt bereits Zehntausende, die ihre Arbeit verloren haben und ihre Miete nicht mehr bezahlen können, und diese Zahl wird sich nur noch erhöhen. Wenn wir im Stillen leiden, riskieren wir vielleicht nichts, aber wir könnten trotzdem unsere Häuser verlieren. Aber wenn wir unsere Stimme erheben und unseren Kampf kollektiv führen, haben wir alles zu gewinnen und nichts zu verlieren. Die etwas privilegierteren Menschen – die einen Monat, zwei Monate, drei Monate ohne Lohn überleben können oder die ihre Arbeit behalten haben – haben ebenfalls viel zu gewinnen, wenn sie sich den Tausenden von Menschen anschließen, die keinen anderen Ausweg haben, denn keiner von uns weiß, wie lange die Quarantäne dauern wird oder wie lange die daraus resultierende Wirtschaftskrise andauern wird. Ungeachtet der Pandemie haben wir in den meisten Städten des spanischen Staates bereits den Zugang zu Wohnraum verloren. Wenn die Normalität zurückkehrt… dann wird der Tourismus zurückkehren, zusammen mit Airbnb, der Gentrifizierung und dem unerträglichen Druck ständig steigender Mieten.</p>
<p>Wir haben einen weiteren Vorteil auf unserer Seite: Während des Ausnahmezustands sind auch die Gerichte gelähmt. Einige Städte haben bereits alle Räumungen aufgeschoben, und andere Kommunen werden sie gar nicht oder nur sehr langsam durchführen können.</p>
<p>Es könnte keinen besseren Zeitpunkt für den Beginn eines Mietstreiks geben. Das Einzige, was wir machen müssen, ist, unsere Stimme zu erheben und die Situation, die wir alle erleben, zu kollektivieren.</p>
<figure class="portrait"><img class="aligncenter" src="https://cloudfront.crimethinc.com/assets/articles/2020/03/29/3.jpg"></figure>
<h1 id="organisationen-die-sich-auf-den-wohnungskampf-spezialisiert-haben">Organisationen, die sich auf den Wohnungskampf spezialisiert haben</h1>
<p>Soziale Organisationen spielen bei einem Mietstreik eine sehr wichtige Rolle. Sie können ihn einberufen, sie können ihn unterstützen – oder sie können ihm schaden. Was sind die Merkmale einer starken und effektiven Beziehung zwischen der Wohnungsbewegung und den Organisationen?</p>
<p>Erstens müssen wir die Realität der Bewegungen für die Wohnverhältnisse erkennen. Die Bewegung besteht aus allen, die unter schlechten Wohnverhältnissen leiden oder die Gefahr laufen, den Zugang zu Wohnraum zu verlieren. Sie, die Prekären, sind diejenigen, die alles zu verlieren und alles zu gewinnen haben; sie sind diejenigen, die die Initiative ergreifen müssen, um einen Mietstreik oder andere Widerstandsaktionen auszurufen.</p>
<p>Organisation ist eine Frage von größter strategischer Bedeutung innerhalb eines Mietstreiks, aber es gibt keine spezifische Organisationsform, die wesentlich ist. Eine Organisation, die bereits sehr stark ist, kann den Streik ausrufen, wie 1931 in Barcelona. Aber wenn die Nachbar*innen selbst in den Streik treten müssen, werden sie selbst zum Streik aufrufen und dann die Organisationen schaffen, die sie brauchen, um Unterstützung aufzubauen und ihre Aktivitäten zu koordinieren. Selbst wenn es bereits Organisationen gibt, die sich auf die Wohnverhältnisse spezialisiert haben, werden sie, wenn sie nicht auf die unmittelbaren Bedürfnisse der Bewohner*innen eingehen von diesen ignoriert werden und die Bewohner*innen werden eher eigene Organisationen bilden. Und in dem sehr unglücklichen Fall, dass eine Organisation sich als Eigentümerin der Bewegung betrachtet und versucht, sie nach ihren eigenen politischen Bedürfnissen und nicht nach den Bedürfnissen der Bewohner*innen zu führen, wie es 1960 beim Streik in St. Pancras, London, geschah, wird sie im Endeffekt den Streik sabotieren und den Bewohner*innen schaden.</p>
<p>Die Tatsache, dass die überwiegende Mehrheit der Mietstreiks von Frauen organisiert wurde, spiegelt diese Dynamik wider: Die formellen Organisationen der Linken sind weitgehend nach einer patriarchalen Logik entstanden, die die »Parteiinteressen« über die menschlichen Bedürfnisse der am stärksten betroffenen Menschen stellt. Aus diesem Grund organisieren Frauen oft ihre eigenen Strukturen, unter anderem innerhalb ihrer eigenen Netzwerke und mit ihren eigenen Methoden, anstatt sich den bereits bestehenden großen Organisationen anzuschließen.</p>
<p>Eine starke und effektive Beziehung zwischen der Wohnungsbewegung und sozialen Organisationen könnte auf diesen Prinzipien basieren:</p>
<ol>
<li>Soziale Organisationen reagieren auf die Bedürfnisse der Bewohner*innen. Sie können bei der Formulierung von Strategien helfen, aber sie sollten die Augen nicht vor den Realitäten und Neigungen der Bewohner*innen verschließen.</li>
<li>Organisationen existieren, um die Bewohner*innen zu unterstützen, nicht um sie zu führen. Wenn die Organisationen davon ausgehen, dass ihre Führung unerlässlich ist, werden die Bewohner*innen wahrscheinlich eigene Initiativen ergreifen müssen, wenn es dringend notwendig ist, zu handeln.</li>
<li>Die wichtigsten Unterstützungsstrukturen, die Organisationen anbieten können, sind psychosozialer und defensiver Natur. In Bezug auf ersteres, hilft die Organisation den Bewohner*innen zu erkennen, dass sie nicht allein sind – dass sie gemeinsam stark sind, dass sie gewinnen können. In diesem Sinne ist es wichtig, die Moral der Menschen zu nähren, nicht sie zu entmutigen oder Angst oder falsche Vorsicht zu säen. Was ihre defensive Rolle betrifft, so ist dies die Tätigkeit der Koordination des physischen Widerstands gegen Räumungen und der Sammlung von juristischen Ressourcen für Gerichtsverfahren. Ohne diese Aktivität werden die Streikenden Haus für Haus fallen.</li>
</ol>
<hr>
<figure class=""><img class="aligncenter" src="https://cloudfront.crimethinc.com/assets/articles/2020/03/29/2.jpg"></figure>
<p>Was sind dagegen die Merkmale einer kontraproduktiven Beziehung zwischen sozialen Organisationen und der Wohnungsbewegung?</p>
<p><strong>Spezialisierter Aktivismus.</strong> Es ist bewundernswert, wenn Menschen ihr Leben solidarisch dem Kampf für Würde und Freiheit widmen. Aber problematische Dynamiken entstehen, wenn aus diesem Ansatz eine Spezialisierung abgeleitet wird, die eine Distanz zwischen den Expert*innen und »normalen Menschen« erzeugt. Im Falle des Kampfes um Wohnraum stehen Aktivist*innen am Ende möglicherweise den Perspektiven anderer »organisierter« Aktivist*innen und Militanter näher als dem, was mit anderen Bewohner*innen und prekären Menschen geschieht. Folglich stellen sie die Interessen der Organisation in den Vordergrund (mehr Mitglieder zu gewinnen, in der Presse gut auszusehen, durch Verhandlungen mit den Behörden einen Status zu erlangen), wobei die Interessen der Bewohner*innen immer Vorrang haben sollten (Zugang zu menschenwürdigen und stabilen Wohnungen).</p>
<p>Diese Entfremdung zwischen Aktivist*innen und Nachbar*innen kann sich als falsche Vorsicht manifestieren. Es stimmt, dass ein Mietstreik ein sehr harter Kampf ist; es ist nicht etwas, das mensch leichtfertig vorschlagen sollte. Aber eine konservative Position in der gegenwärtigen Situation zu beziehen, scheint uns die Realität zu verleugnen, die viele Menschen bereits erleben. Ein Mietstreik ist gefährlich – aber es ist nicht zu leugnen, dass die Gefahr in der gegenwärtigen Krise bereits da ist. In diesem Monat werden Zehntausende von Menschen nicht in der Lage sein, die Miete zu bezahlen, ganz zu schweigen von den Zehntausenden, die bereits auf der Straße in einer Situation absoluter Unsicherheit leben.</p>
<p>Die Gefahr eines sepzialisierten Aktivismus ist besonders groß bei wirtschaftlich privilegierten Menschen. Es ist bewundernswert, wenn sich Menschen aus wohlhabenden Familien entscheiden, Seite an Seite mit prekären Menschen zu kämpfen. Aber es ist völlig inakzeptabel, dass solche Menschen versuchen, die Prioritäten zu bestimmen oder das Tempo der Kämpfe der Prekären zu bestimmen. Wie in allen Fällen von Privilegien sollten sie gegenüber ihren Gefährt*innen transparent und ehrlich zu sich selbst sein und die Kämpfe der Prekären unterstützen, anstatt zu versuchen, sie zu führen.</p>
<p><strong>Begrenzter Blickwinkel oder fragmentierte Sicht.</strong> Es ist völlig verständlich, dass Menschen, die viel Zeit damit verbracht haben, für Wohnraum zu kämpfen, sich bei einem allgemeinen Aufruf zu einem Mietstreik ein wenig überfordert fühlen oder voller Zweifel sind. Es wäre in der Tat beunruhigend, wenn sie sich nicht so fühlen würden. Es ist mehr oder weniger ein Jahrhundert her, dass wir Mietstreiks in diesem Ausmaß gesehen haben. Aber wir müssen auch anerkennen, dass es fast ein Jahrhundert her ist, dass der Kapitalismus eine so intensive Krise wie die heutige erlebt hat – und der Mietstreik ist nach wie vor ein wirksames Instrument. Es sollte uns ein wenig beruhigen, zu wissen, dass Mieter*innen und Organisationen, die in den letzten drei Jahren in Toronto und Los Angeles in den Mietstreik verwickelt waren, den aktuellen internationalen Aufruf unterstützen.</p>
<p>Was die Gefahr einer Spaltung der Kämpfe betrifft, so halten wir jeden Aufruf, der die Bedürfnisse der Obdachlosen und der Menschen ohne Papiere nicht berücksichtigt, für völlig inakzeptabel. Obwohl es verständlich ist, dass viele Organisationen, die kurzfristige Veränderungen anstreben, sich auf ein spezielleres Feld oder Thema konzentrieren, sollten sie nicht zur Zersplitterung der Kämpfe beitragen und so die Möglichkeit der Solidarität untergraben. Es ist eine Taktik des Staates, Lösungen für Menschen mit Hypotheken anzubieten, aber nichts für die Mieter*innen. Wir sollten diesen Ansatz nicht reproduzieren, auch wenn wir gute Absichten haben. Deshalb sollten alle Aufrufe ein Moratorium für Zwangsräumungen unterstützen und auch die Praxis der Besetzung leerstehender Häuser legitimieren oder zumindest mit Aufrufen verbinden, die dies tun.</p>
<p><strong>Die Dichotomie Reform/Revolution.</strong> Um es ganz klar zu sagen: Es ist eine Illusion zu glauben, dass es möglich ist, eine Revolution zu gewinnen und alle unterdrückenden Strukturen von einem Tag auf den anderen abzuschaffen: Revolutionen sind ein langer Weg mit aufeinander folgenden Kämpfen. Es ist auch ein Irrtum zu glauben, dass es möglich ist, wirkliche Reformen zu erreichen, ohne eine Kraft zu schaffen, die die Macht des Staates bedroht: Staaten behalten die soziale Kontrolle und das Wohlergehen der Wirtschaft bei und schützen nicht diejenigen, die für diese Zwecke entbehrlich sind. Fast alle wirklich vorteilhaften Reformen sind von revolutionären Bewegungen gewonnen worden, nicht von reformistischen Bewegungen.</p>
<p>Es gibt viele wichtige Debatten über das angemessene Verhältnis zwischen Staat und politischen Bewegungen, über Taktik und Strategie. Aber wir sind stärker, wenn wir zusammen arbeiten – wenn diejenigen, die sich für kleine, aber dringende Gewinne einsetzen, mit denen verbunden sind, die gegen die grundlegenden Quellen der Ausbeutung arbeiten und ihren Blick auf einen Horizont richten, in dem es keine Ausbeutung mehr gibt. Letztlich bilden unsere Kämpfe ein Ökosystem. Wir werden niemals die ganze Welt davon überzeugen, so zu denken wie wir, noch werden wir alle sozialen Bewegungen dominieren; wer dies versucht, schwächt nur seine Bewegung. Wir sollten gesunde, solidarische Beziehungen zwischen den verschiedenen Teilen desselben Kampfes pflegen, indem wir teilen, wann immer es möglich ist – und wenn das nicht möglich ist, uns gegenseitig erlauben, auf einem mehr oder weniger parallelen Weg weiterzugehen. Damit diese Solidarität funktionieren kann, ist es notwendig, die unmittelbare Arbeit zu respektieren, auf die sich manche Menschen konzentrieren, und gleichzeitig den »Radikalismus« einer Gruppe nicht bei der Presse oder der Polizei anzuprangern.</p>
<p>Es ist naheliegend, dass einer, der die Hälfte seines Lohnes für Miete ausgibt ein Gesetz zur Begrenzung der Miete begrüßt; ebenso, dass eine, die sich keine Krankenversicherung leisten kann öffentliche Gesundheitsversorgung begrüßen wird; und das eine andere, die in einer Besetzung lebt ein Moratorium über Zwangsräumungen begrüßen wird; und auch ein Migrant, wird den rechtlichen Schutz vor Abschiebung begrüßen. Diejenigen, die keine dieser Situationen persönlich erleben, sollten sich in diejenigen einfühlen, die dies tun, bevor sie ihre politischen Ideen verfestigen.</p>
<p>Gleichzeitig entscheiden sich viele von uns, die Prekarität erleben, nicht dafür, daraus eine Identität zu schaffen. Wir müssen das Problem an der Wurzel packen. Öffentliche Gesundheitsversorgung und die Kontrolle der Miete sind super, aber Rechtsreformen und »öffentliche« Güter stehen nicht unter unserer Kontrolle, sondern unter der des Staates, und sie werden uns nichts nützen, wenn der Staat entscheidet, dass es unbequem ist, das zu erhalten, was er uns einst gegeben hat. Warum hat diese Pandemie zu einer so schwerwiegenden Krise geführt? Weil der Staat die Qualität der öffentlichen Gesundheitsdienste kontinuierlich reduziert hat. Warum ist die Miete so stark gestiegen? Weil der Staat das <em>Ley de Arrendamientos Urbanos</em> (Stadtmietgesetz) verabschiedet hat und damit den Schutz, den frühere Generationen erkämpft haben, zunichte gemacht hat.</p>
<p>Kurzfristige Maßnahmen sind notwendig, aber wir brauchen auch eine revolutionäre Perspektive, zumindest für diejenigen, die nicht ihr ganzes Leben lang um Krümel, um das bloße Überleben kämpfen wollen.</p>
<figure class="portrait"><img class="aligncenter" src="https://cloudfront.crimethinc.com/assets/articles/2020/03/29/11.jpg"></figure>
<hr>
<h1 id="einige-schlussfolgerungen">Einige Schlussfolgerungen</h1>
<p>Der Kapitalismus ist global. Die Staaten unterstützen sich gegenseitig auf globaler Ebene. Eine Revolution an einem einzigen Ort ist nicht möglich, zumindest nicht auf lange Sicht. Eine internationalistische Vision ist in dieser Zeit der Pandemie, des Rassismus, der Grenzen und der transnationalen Konzerne unerlässlich. Im spanischen Staat ist der Internationalismus in letzter Zeit ziemlich schwach ausgeprägt. In Lateinamerika gab es Streiks und Revolten für freie öffentliche Verkehrsmittel, es gab rechte Staatsstreiche, es gab monatelange Kämpfe und viele Tote. Doch im spanischen Staat blieb es ruhig. In Hongkong gab es fast ein ganzes Jahr lang Proteste gegen neue autoritäre Maßnahmen. Im spanischen Staat herrschte Schweigen. Das ganze Jahr 2019 hindurch, haben auf der anderen Seite der Pyrenäen die gelben Westen alles gegeben, um gegen die Austerität zu kämpfen. Wie viele Solidaritätskundgebungen hat es im spanischen Staat gegeben?</p>
<p>Bewegungen für Freiheit und Würde und gegen Ausbeutung müssen global sein. Im Moment leiden wir unter einer globalen Pandemie – und die stärksten Staaten, von den USA bis China, reagieren darauf mit Apathie und tödlicher Inkompetenz oder mit einer totalitären Überwachung (Drohnen, Echtzeit-Ortung von Personen, Kameras in jedem öffentlichen Raum, die Gesichtserkennung verwenden). Im spanischen Staat sehen wir eine Kombination aus Inkompetenz und polizeilichem Autoritarismus.</p>
<p>Der Mietstreik breitet sich bereits in verschiedenen neoliberalen Ländern aus, in denen eine große Zahl von Menschen Gefahr läuft, ihre Wohnung zu verlieren. Zweifellos ist dies auch hier im spanischen Staat der Fall. Wenn wir jetzt nicht in der Lage sind, unsere Kämpfe zu internationalisieren, werden wir es dann jemals schaffen?</p>
<p><strong>Für Solidarität und Würde, gegen die Prekarität. #RentStrikeNow</strong></p>
<figure class=""><img class="aligncenter" src="https://cloudfront.crimethinc.com/assets/articles/2020/03/29/6.jpg"></figure>
<figure class=""><img class="aligncenter" src="https://cloudfront.crimethinc.com/assets/articles/2020/03/29/4.jpg"></figure>
<div class="footnotes">
<ol>
<li id="fn:1">In Deutschland stehen Mieter*innen die ab April Pandemie bedingt nicht zahlen können bereits unter Räumungsschutz. Vermutlich müsssen sie die Miete dann aber später nachzahlen.</li>
</ol>
</div>
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		<title>Die &#8222;freiwillige&#8220; Corona-App</title>
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		<pubDate>Tue, 07 Apr 2020 11:48:06 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Die Bundesregierung setzt für eine schrittweise Rücknahme der Corona-Kontaktbeschränkungen auf eine breite Akzeptanz für die nach Ostern herunterladbare App zur nachträglichen Kontaktrekonstruktion Infizierter. Die (berechtigte) Angst vor dem Virus wird benutzt, um einem Großteil der Bevölkerung „freiwillig“ ein autoritär hochwirksames &#8230; <a href="https://endofroad.blackblogs.org/archive/9678">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://capulcu.blackblogs.org/"><img loading="lazy" src="https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/04/49355-300x200.jpeg" alt="" width="300" height="200" class="alignright size-medium wp-image-9679" srcset="https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/04/49355-300x200.jpeg 300w, https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/04/49355-450x300.jpeg 450w, https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/04/49355.jpeg 600w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><em><strong>Die Bundesregierung setzt für eine schrittweise Rücknahme der Corona-Kontaktbeschränkungen auf eine breite Akzeptanz für die nach Ostern herunterladbare App zur nachträglichen Kontaktrekonstruktion Infizierter.</strong> <strong>Die (berechtigte) Angst vor dem Virus wird benutzt, um einem Großteil der Bevölkerung „freiwillig“ ein autoritär hochwirksames Werkzeug zu verabreichen.</strong></em></p>
<p><em>Wir kritisieren in diesem Artikel die technische Konstruktion der App, aber auch ihre sozial-technokratischen Konsequenzen. Selbst wenn das Protokollieren von Kontakten vollständig pseudonym erfolgen würde, müssen wir dringend vor dieser App warnen. In dem Moment, wo (sogar anonyme) Verhaltensdaten flächendeckend anfallen, sind die prädiktiven Modelle, die damit trainiert werden, dazu in der Lage, ganze Populationen in Risikogruppen einzuteilen und algorithmisch zu verwalten. Hinzu kommt, dass ein simples Software-Update die App in ein wirksames Tool zur individuellen Zugangsbeschränkung verwandelt. Daher unser klares Nein zur Corona-App!</em></p>
<p><span id="more-9678"></span></p>
<p>Ein internationales Team bestehend aus rund 130 Wissenschaftler*innen, IT-Entwickler*innen, Datenschutzerbeauftragten und Soldat*innen arbeiten derzeit in einem Projekt mit dem Namen Pan European Privacy-Protecting Proximity Tracing (PEPP-PT) an einer Software, welche die SARS-CoV-2-Virusverbreitung einschränken soll. Beteiligt sind aus Deutschland unter anderem das Robert-Koch-Institut (RKI), das Heinrich-Hertz-Institut (HHI) und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Auch der Bundesdatenschutzbeauftragte begleitet die Entwicklung und Soldat*innen der Bundeswehr helfen bei den Tests. Bis auf RKI sind sie auf der Website des Projekts nicht gelistet. Das HHI ist unter Fraunhofer subsumiert. Bislang sind Forscher*innen und Institute aus acht Ländern an der Entwicklung beteiligt: Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich, Spanien und die Schweiz.</p>
<p>Um die Ausbreitung einzudämmen, sollen Kontaktpersonen von Infizierten frühzeitig gewarnt werden. Wenn Menschen Symptome zeigen, dann haben sie das Virus bereits weitergegeben. Deshalb sollen nach einer positiven Diagnose alle Handybesitzer benachrichtigt werden, deren Geräte in der Nähe des Erkrankten waren. Wenn es viele einzelne Ansätze und Software-Lösungen gibt, die jeweils nur ein kleiner Teil der Bevölkerung nutzt, kann das Konzept nicht aufgehen. Deshalb soll eine gemeinsame Grundlage entstehen, die möglichst schnell eine kritische Größe erreicht. Die Rede ist von einer gemeinsamen Plattform: einer Client/Server-Referenzimplementierung, aber auch von einem Softwaregerüst auf dem Smartphone-Apps aufsetzen können. Diese Smartphone-Apps, die Nutzer*innen auf ihrem Telefon installieren, bilden einen wesentlichen Teil des Systems. In Deutschland arbeiten RKI und HHI an einer solchen Anwendung. Um Infektionsketten wirksam zu unterbrechen, streben die Forscher*innen eine Nutzer*innenbasis von etwa 60 Prozent der Bevölkerung an. In Deutschland wären das 50 Millionen Menschen. Bislang gibt es in Deutschland keine App, die nicht auf Smartphones vorinstalliert ist und bewusst heruntergeladen werden muss, die so viele Nutzer*innen hat. Allerdings könnte auch ein geringerer Anteil helfen, die Ausbreitung zumindest zu verlangsamen. Laut Bitkom besitzen 81 Prozent aller Menschen in Deutschland über 14 Jahren ein Smartphone. Normale Handys und ältere Geräte unterstützen den nötigen Bluetooth-Standard noch nicht. Insbesondere Senior*innen, für die das Virus besonders gefährlich ist, können nur zum Teil gewarnt werden. Deshalb denken die Forscher darüber nach, künftig auch Bluetooth-Armbänder oder andere Wearables zu verteilen. Einer repräsentativen Umfrage (Stand 31.03.2020) zufolge, würden mehr als 70 Prozent der Befragten so eine App auf jeden Fall oder wahrscheinlich nutzen. Die Mehrheit gibt an, den Aufforderungen der App nachkommen zu wollen und sich in Quarantäne zu begeben, sollten sie mit einer infizierten Person in Kontakt gekommen sein. Umfragen zufolge wäre ein Großteil der Bevölkerung in Deutschland bereit, einen Teil ihrer Privatsphäre aufzugeben, um das Virus zu stoppen. Die PEPP-PT-Plattform soll am 7. April fertiggestellt werden. RKI und HHI wollen die App für deutsche Nutzer *innen etwa eine Woche später veröffentlichen.</p>
<p>Das System soll als Gegenentwurf zu den repressiven und invasiven Ansätzen anderer Länder verstanden werden. Anstatt massenhaft sensible Standortdaten zu sammeln, Nutzer*innen zu überwachen oder Infizierte an einen digitalen Corona-Pranger zu stellen, soll PEPP-PT komplett freiwillig und datenschutzfreundlich sein. Die Betreiber versprechen, die Privatsphäre von Nutzer*innen der Software zu schützen. Die Identität der Nutzer*innen bleibt zu jedem Zeitpunkt geschützt heißt es: weder Ärzt*innen noch die Betreiber der Plattform können Einzelpersonen identifizieren. Für gute PR sorgen Zeitungen, die sogar von einer anonymen Nutzung schreiben, obwohl es sich um eine Pseudonymisierung handelt. Das PEPP-PT-Modell scheint auch nicht zu 100 Prozent Privacy-by-Design zu erfordern. Die Spezifikationen und den Quellcode gibt es laut der bisher sehr informationsarmen Webseite aktuell allerdings nur als Mitglied des Konsortiums.</p>
<p><em>Wir sagen: Code und alle Dokumente offenlegen, sonst glauben wir gar nichts. Und nicht nur irgendeine Client-Referenzimplementierung, sondern die ganze Spezifikation und den ganzen Server-Code. Full docs or shut the fuck up!</em></p>
<p><strong>Kritik 1: Technische Details</strong><br />
<em>Folgende technische Details beruhen auf den wenigen Informationen der PEPP-PT-Website und Berichten von Netzpolitik.org.</em><br />
Die Apps weisen jedem Gerät eine vorübergehend gültige, authentifizierte und zufällig generierte Identifikationsnummer (ID) zu. Die temporär, zufällig erzeugte ID funktioniert als Pseudonym, welches die Identität zuverlässig schützen sollen. Sie wird in regelmäßigen Abständen geändert (die Rede ist von 30 Minuten) und sollen nicht mit dem Telefon in Verbindung gebrach werden können. Des Weiteren soll niemand im Nachhinein herausfinden können, welche Person sich hinter einem solchen Pseudonym verbirgt. Jedes PEPP-PT-Telefon (gemeint ist ein Smartphone auf dem die App installiert ist) sendet über eine kurze Entfernung mit Bluetooth-Funktechnik (Bluetooth-Low-Energy) seine aktuelle ID und scannt gleichzeitig die Umgebung und erfasst, welche anderen Smartphones mit installierter PEPP-PT-Software sich in Reichweite befinden. Wenn sich zwei Geräte näher kommen, speichern die Apps die temporäre ID des jeweils anderen Smartphones. Die Annäherung von Telefonen anderer PEPP-PT-Benutzer wird durch die Messung von Funksignalen (Bluetooth usw.) realisiert. Die Daten bleiben zunächst verschlüsselt auf dem Smartphone, niemand kann darauf zugreifen, heißt es. Aufgrund der geringen Informationen ist offen, wie das konkret kryptographisch umgesetzt wurde. Nicht jede Annäherung wird gespeichert. Nur wenn sich PEPP-PT-Telefon A über einen epidemiologisch ausreichenden Zeitraum in der Nähe von PEPP-PT-Telefon B befindet (die Rede ist von 15 Minuten in 1,5 Metern Entfernung), dann wird die aktuelle temporäre ID von Telefon B, in der verschlüsselten, lokal auf dem Telefon gespeicherten Annäherungsgeschichte (Proximity-Historie) von A gespeichert (und umgekehrt). Offen bleibt, ob die Wahl von 15 Minuten eine sinnvolle Zeitdauer ist, denn Anhusten im Bus oder im Geschäft dauert nur wenige Sekunden, Kurzgespräche 1-2 Minuten. Das reicht auch schon für die Ansteckung. Offen bleibt auch was konkret gespeichert wird. Laut PEPP-PT-Website werden keine Geolokalisierung, keine persönlichen Informationen, einzigartige Gerätekennungen wie die IMEI-Nummer des Smartphones oder andere Daten protokolliert, die eine Identifizierung des Benutzers ermöglichen würden. Weiter heißt es: Die pseudonyme Annäherungsgeschichte kann von niemandem eingesehen werden, auch nicht vom Benutzer von Telefon A. Ältere Ereignisse in der Annäherungsgeschichte werden gelöscht, wenn sie epidemiologisch unbedeutend werden.</p>
<p>&#8222;Wir messen nur, wie lange und wie nahe sich zwei Personen begegnet sind&#8220;, sagt Thomas Wiegand, der das HHI leitet. Wo das Treffen stattgefunden habe, sei dem Virus egal. &#8222;Das sind die einzigen Informationen, die epidemiologisch von Bedeutung sind.&#8220; Nach 21 Tagen werden die Daten automatisch gelöscht. Statt auf Tracking setzt PEPP-PT auf Tracing – es sollen nicht die Bewegungen von Menschen verfolgt, sondern nur ihre Kontakte nachverfolgbar werden. Auf dem Smartphone entsteht eine Liste mit IDs mit Zeitstempeln, hinter denen sich Personen verbergen, die man selbst angesteckt haben könnte, oder von denen man Viren erhalten haben könnte.</p>
<p>Um Fehlalarme zu reduzieren, haben die Forscher*innen alle weit verbreiteten Smartphonemodelle untersucht und die Signalstärke der Funktechnik gemessen, da sie sich teils unterscheidet.</p>
<p>Soldat*innen der Bundeswehr haben geholfen, die Technik so zu kalibrieren, dass sie etwa erkennt, ob zwischen den beiden Kontaktpersonen eine Glasscheibe oder andere Hindernisse waren, die eine Übertragung des Virus verhindern. Eine zuverlässige Genauigkeit der Aussage, ob jemand innerhalb eines Radius von 1,5 Metern war oder nicht, mittels Bluetooth ist äußerst zweifelhaft.</p>
<p><strong>Nutzung der Annäherungsgeschichte</strong><br />
In dem Fall, dass eine Benutzer*in nicht getestet wird oder negativ getestet wurde, bleibt die Annäherungsgeschichte auf dem Telefon des Benutzers verschlüsselt und kann von niemandem eingesehen oder übertragen werden. Wenn allerdings bestätigt wurde, dass die Benutzer*in von Telefon A SARS-CoV-2-positiv ist, (also in der Regel bereits an Covid-19 erkrankt ist), dann soll diese Person ihre aktuelle bis dato lokal gespeicherte ID-Liste in der Annäherungsgeschichte auf einen nationalen zentralen Server übermitteln. Das ist nicht ohne weiteres möglich. Ärzt*innen, Labore und Gesundheitsbehörden müssen die Meldung bestätigen. Es braucht also zwingend eine positive Diagnose. Dann setzen sich die Gesundheitsbehörden mit Benutzer*in A in Verbindung und stellen ihr eine TAN zur Verfügung, die sicherstellt, dass potenzielle Malware keine falschen Infektionsinformationen in das PEPP-PT-System einschleusen können. Die Schnittstelle soll verschlüsselt und geheim funktionieren, sodass die Identität der Erkrankten geschützt bleibt. Die Benutzer*in verwendet diese TAN, um freiwillig Informationen an den Server des nationalen Dienstleisters zu übermitteln, in Deutschland beispielsweise beim Robert-Koch-Institut, die die Benachrichtigung von PEPP-PT-Anwendungen ermöglichen, die in der Annäherungsgeschichte aufgezeichnet und somit potenziell infiziert sind.</p>
<p>Noch ist die Rede davon, dass alles freiwillig passiert. Nur falls die Nutzer*in zustimmt, erfährt der zentrale Server, mit welchen anderen temporären IDs dieses Smartphone in Kontakt war. Der soziale Druck wird ausgeblendet.</p>
<p><strong>Was passiert mit den Daten auf dem Server?</strong><br />
Das Konsortium schreibt, da die Annäherungsgeschichte pseudonyme Identifikatoren enthält, kann der Server aus diesen IDs nicht auflösen, welche Menschen sich dahinter verbergen, er kann aber alle betroffenen Kontaktpersonen über die App benachrichtigen und auffordern, sich testen zu lassen.</p>
<p>Diese Benachrichtigung kann dabei ganz ohne Ansehen der Personen verschickt werden, die die Smartphones nutzen. Denn um eine Nachricht auf dem Smartphone anzeigen zu können sind keinerlei personenbezogene Daten erforderlich. Es genügt vielmehr ein sogenanntes Push-Token, eine einzigartige App-Geräte-Kennung, um über Apples oder Googles Push-Notification-Gateways eine Push-Nachricht auf das Gerät zu schicken. Dieses Push-Token wird bei der Installation der App auf dem Handy generiert. Zugleich hinterlegt die App sowohl das Push-Token als auch die temporären IDs, die sie im Laufe der Zeit aussendet, auf einem zentralen Server. Auf diese Weise können die Smartphones allein anhand von temporären IDs und Push-Tokens adressiert werden, ohne dass die Identität der Personen feststellbar wäre, die diese Smartphones bei sich tragen. Dazu ist es aber notwendig, dass zu jedem Account Push-Token und alle generierten aktuellen tempörären IDs inklusive Zeitstempel, wann sie generiert wurden, auf dem Server liegen. Es muss dem Server vertrauen entgegen gebracht werden, dass er nach 21 Tagen epidemiologisch irrelevante Daten löscht – und nicht für Big-Data-Zwecke weiterhin speichert. Sobald man die das Push-Token mit Daten des Providers verknüpfen würde (Push-Token-Zuordnung zu Gräte-ID, IMEI, oder Rufnummer), wäre eine Zuordnung leicht.</p>
<p><em>Kritik 2: Auch anonym trainieren wir KI</em><br />
Die PEPP-PT-App soll nicht auf personenbezogene Daten des einzelnen Individuums zugreifen. Doch die Gefahren entstehen nicht nur unmittelbar bei der digitalen Ausleuchtung Einzelner, sondern dadurch, dass die entstehende Datensammlung algorithmische Verfahren zur Bevölkerungsverwaltung ermöglicht. Pseudonymisierte Massendaten dienen zum Training künstlicher Intelligenzen (KI)z. B. im Kontextvorhersagender Analysen. In dem Moment, wo Verhaltensdaten fast flächendeckend anfallen und (sei es auch anonymisiert) erhoben werden, sind die prädiktiven Modelle, die damit trainiert werden, dazu in der Lage, ganze Populationen in Risikogruppen einzuteilen und algorithmisch zu verwalten. Datenbasierte Algorithmen können die Gesellschaft dann in unsichtbare soziale Klassen einteilen, zum Beispiel in Bezug darauf, wer aufgrund seiner Bewegungsmuster vermeintlich ein besonderes Sicherheits- oder Gesundheitsrisiko darstellt, weil das Bewegungsprofil erkennen lässt, dass jemand das Virus in besonderem Maße verbreitet hat oder wer prioritären Zugang zu knappen medizinischen Ressourcen wie Beatmungsplätzen verdient.</p>
<p><em>Algorithmische Scoring- und Entscheidungsverfahren beruhen auf einem anonymen Abgleich mit den Daten viele anderer Individuen.</em></p>
<p>Daherkann mensch durch Weitergabe der eigenen (selbst anonymisierten oder pseudonymisierten) Daten potenziell anderen Individuen und Gruppen schaden und umgekehrt durch die Datenweitergabe anderer potenziell selbst betroffen sein. Diese Gefahr wird in der verkürzten Debatte um die PEPP-PT-App und auch schon bei der Weitergabe anonymisierter Telekom-Daten oder anonymisierter Google-Positionsdaten ausgeblendet. Sie ist auch nicht Gegenstand wirksamer datenschutzrechtlicher Bemühungen. So schützt auch die Datenschutzgrundverordnung DSGVO nicht vor der Verwendung anonymisierter Daten für prädiktive algorithmische Entscheidungen, Risikoklassifizierung (Scoring) und verhaltensbasierte Ungleichbehandlung von Individuen oder Gruppen. In diesem Sinne trägt jeder, der die PEPP-PT-App nutzt, zu solch einer Ungleichbehandlung bei.</p>
<p><em>Hier ist die Unterscheidung von anonymen und personenbezogenen Daten überholt, weilirrelevant!</em></p>
<p><strong>Kritik 3: „Freiwilligkeit“</strong><br />
<em> &#8222;Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir zu ihrer eigenen Sicherheit und zur Sicherheit unserer Mitarbeiter*innen nur nachweislich nicht-infizierte Personen befördern können.&#8220;</em></p>
<p>So könnte die Erklärung der Deutschen Bahn an allen Automaten und Ticket-Schaltern lauten, die ihre Dienstleistung „bis zum Ende der Corona-Krise“ nur Fahrgästen mit einer modifizierten PEPP-PT-App anbietet. Die PEPP-PT-App 2.0 würde dazu (wiederum absolut freiwillig und erst bei Einwilligung durch die Nutzer*in) &#8222;auf Wunsch&#8220; alle Kontakt-Ereignisse direkt an den Server melden – quasi mit einer Frei-TAN. Weiterhin werden keine persönlichen Daten, also auch keine Ortsdaten aufgezeichnet. Nur wenn sich aus der Echtzeit-Auswertung aller Kontakt-Ereignisse der letzten 14 Tage keine Verbindung zu einer infizierten Person ergibt oder zu einer Person, die zuvor mit einer infizierten Person Kontakt hatte, leuchtet der QR-Code des elektronischen Bahntickets grün, also &#8222;wahrscheinlich nicht infiziert&#8220;. Das bedeutet grünes Licht wahlweise bei der Fahrkartenkontrolle oder beim Betreten des Bahnhofs.</p>
<p>Nach dem gleichen Prinzip könnten Einkaufszentren, Konzerthallen, Stadien, … den Zutritt oder die Bezahlung an der Kasse an die Bedingung knüpfen, ein Smartphone mit PEPP-PT-App-Status &#8222;Grün&#8220; vorzuzeigen. Das wäre eine massive Einschränkung der Bewegungsfreiheit – wer &#8222;frei&#8220; sein will, muss sich der App (und der dahinterstehenden Serverinfrastruktur) unterwerfen. Das istvergleichbar mit einer elektronischen Fußfessel: Freigänger müssen sie tragen, oder zurück in den geschlossenen Vollzug.</p>
<p>Die &#8222;freiwillige&#8220; PEPP-PT-App wird damit zum Unterscheidungs-Werkzeug für individuelle soziale Teilhabe. Wer Bahn fahren will, bräuchte dann diese PEPP-PT-App 2.0. Der Staat &#8222;verordnet&#8220; diese erweiterte PEPP-PT-App nicht, er stellt sie lediglich zur Verfügung. Wirtschaftliche Akteure – in unserem Beispiel die Deutsche Bahn – würden ihre Dienstleistung nur denen anbieten, die in diese weiterführende Variante der PEPP-PT-App einwilligen. Regierung und Dienstleister würden dabei ganz im Sinne einer übergeordneten Verantwortung für das Gemeinwohl handeln. Wer will da noch meckern &#8230;?</p>
<p>Auf dieser Form von &#8222;Freiwilligkeit&#8220; basieren viele der derzeit erprobten Social-Scoring-Modelle in China. Wer nicht mitmacht, oder die erforderliche Eigenschaft (gemäß App, nicht infiziert zu sein) nicht erfüllt, kann ohne Verbotsverfügung &#8222;freiwillig&#8220; vom öffentlichen Leben ausgeschlossen werden: Die PEPP-PT-App als Einübung individueller Einschluss- / Ausschluss-Mechanismen zukünftiger Soziale-Punkte-Systeme auch in Deutschland.</p>
<p>Ein letzter Aspekt ist, dass Daten von denen versprochen wird, dass sie vertraulich behandelt werden, immer wieder zur Strafverfolgung verwendet werden und die Diskussion wird erst aufhören, wenn die Nutzung freigegeben wurde. Wo ein Trog ist, kommen die (Bullen-)Schweine. Beispiele (wie etwa die Kennzeichenerfassung der elektronischen Maut) gibt es viele. Dazu kommt die behördliche Weigerung bei Löschung einst erhobener Daten.</p>
<p>Aktuell müssen Personen aktiv die Daten in ihrer Annäherungsgeschichte freigeben. Aber mit einem Software-Update ist es leicht zu beheben, derart dass immer alle Kontakte hochgeladen werden. So entsteht zum Einen ein riesiger Heuhaufen, der für Big-Data-Zwecke nutzbar ist. Wenn immer alle Kontakt-IDs übermittelt werden (also nicht mehr nur freiwillig wenn eine Person infiziert ist), dann kann der Server auch Traces bilden und Verbindungen herstellen, wer wie oft wen trifft. In Zusammenarbeit mit den Telekommunikationsanbietern zur Auflösung von IP-Adressen könnten Strafverfolgungsbehörden, dann auflösen, wer sich hinter den IDs verbirgt.</p>
<p>capulcu, 5. April 2020</p>
<p>checkt <a href="https://capulcu.blackblogs.org/">capulcu.blackblogs.org</a></p>
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		<title>Bullen erhielten Daten über Corona-Infizierte</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Apr 2020 20:15:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[-ABGESCHRIEBEN-]]></category>
		<category><![CDATA[-ZUGESPIELT-]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte]]></category>
		<category><![CDATA[Cop Watch]]></category>
		<category><![CDATA[Coronavirus]]></category>
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					<description><![CDATA[kopiert von buteunbinnen.de Vorerst keine Listen mit Corona-Infizierten mehr für Bremer Polizei Gesundheitsbehörde hatte Daten von Corona-Infizierten an Polizei weitergeleitet // Datenschützer kritisierten das // Im Laufe der Woche soll endgültig über Weitergabe entschieden werden Darf Bremens Polizei Daten über &#8230; <a href="https://endofroad.blackblogs.org/archive/9685">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>kopiert von <a href="https://www.butenunbinnen.de/nachrichten/gesellschaft/daten-corona-infizierte-polizei-bremen-100.html">buteunbinnen.de</a></p>
<blockquote><p><strong> Vorerst keine Listen mit Corona-Infizierten mehr für Bremer Polizei</strong></p>
<p><strong>Gesundheitsbehörde hatte Daten von Corona-Infizierten an Polizei weitergeleitet // Datenschützer kritisierten das // Im Laufe der Woche soll endgültig über Weitergabe entschieden werden</strong></p>
<p><a href="https://www.butenunbinnen.de/nachrichten/gesellschaft/daten-corona-infizierte-polizei-bremen-100.html"><img loading="lazy" src="https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/04/bbb-300x169.jpg" alt="" width="200" height="" class="alignleft size-medium wp-image-9686" /></a>Darf Bremens Polizei Daten über Covid19-Infizierte erhalten? Darüber soll laut Rose Gerdts-Schiffler, Sprecherin des Senators für Inneres, noch im Laufe dieser Woche entschieden werden – zusammen mit der Bremer Landesbeauftragten für Datenschutz, Imke Sommer. Bis vergangene Woche waren Daten von einzelnen Corona-Erkrankten von der Gesundheitsbehörde an die Bremer Polizei weitergegeben worden. So hätte die Behörde ihre Mitarbeiter schützen wollen.</p>
<p>Bis entschieden ist, ob und wenn wie so ein Verfahren im Land Bremen eingeführt wird, würden keine Daten übermittelt. Auch andere Bundesländer, darunter Niedersachsen, haben die Praxis inzwischen verboten.</p></blockquote>
<p>Quelle: <a href="https://www.butenunbinnen.de/nachrichten/gesellschaft/daten-corona-infizierte-polizei-bremen-100.html">butenunbinnen.de</a></p>
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		<title>Immunität für alle – Einladung zum Streik</title>
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		<dc:creator><![CDATA[endofroad]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 Mar 2020 20:03:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[-ABGESCHRIEBEN-]]></category>
		<category><![CDATA[Aufruf]]></category>
		<category><![CDATA[Coronavirus]]></category>
		<category><![CDATA[Direkte Aktion]]></category>
		<category><![CDATA[Social Strike]]></category>
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		<category><![CDATA[ImmunitätFürAlle]]></category>
		<category><![CDATA[Insurrection]]></category>
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					<description><![CDATA[Poster und Aufruf zur kollektiven Selbstverteidigung Wieder einmal reposten wir einen Beitrag von crimethinc, einem mitlerweile sehr internationalen anarchistischen Projekt. Auf der crimethinc homepage könnt ihr die Poster und den Aufruf auch auf italienisch und brasilianischem portogisisch lesen. Sicherlich werden &#8230; <a href="https://endofroad.blackblogs.org/archive/9621">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong> <a href="https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/header.cleaned.jpg"><img loading="lazy" class="aligncenter size-full wp-image-9626" src="https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/header.cleaned.jpg" alt="" width="2000" height="1000" srcset="https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/header.cleaned.jpg 2000w, https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/header.cleaned-300x150.jpg 300w, https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/header.cleaned-768x384.jpg 768w, https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/header.cleaned-1024x512.jpg 1024w, https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/header.cleaned-500x250.jpg 500w" sizes="(max-width: 2000px) 100vw, 2000px" /></a>Poster und Aufruf zur kollektiven Selbstverteidigung </strong></p>
<p><a href="http://endofroad.blackblogs.org/archive/9519">Wieder einmal</a> reposten wir einen Beitrag von crimethinc, einem mitlerweile sehr internationalen anarchistischen Projekt. Auf der <a href="http://crimethinc.com">crimethinc</a> homepage könnt ihr die Poster und den Aufruf auch auf <a href="https://crimethinc.com/2020/03/27/immunita-per-tutti-invito-a-scioperare-un-poster-e-un-invito-allautodifesa-collettiva">italienisch</a> und <a href="https://crimethinc.com/2020/03/27/imunidade-para-todas-convite-a-greve-de-algueis-poster-e-chamado-para-autodefesa-coletiva-1">brasilianischem portogisisch</a> lesen. Sicherlich werden weitere Übersetzungen folgen. Bitte beachtet auch, dass der Beitrag &#8222;<a href="https://endofroad.blackblogs.org/archive/9558" rel="bookmark">Das Virus überleben: Ein anarchistischer Leitfaden</a>&#8222;, den wir vor einigen Tagen gepostet haben, mittlerweile nicht nur auf <a href="https://crimethinc.com/2020/03/18/das-virus-uberleben-ein-anarchistischer-leitfaden-kapitalismus-in-der-krise-aufkommender-totalitarismus-strategien-des-widerstands">Deutsch, </a>sonder auch auf <a href="https://crimethinc.com/2020/03/18/sobreviviendo-al-virus-una-guia-anarquista-capitalismo-en-crisis-totalitarismo-en-ascenso-estrategias-para-la-resistencia">Español</a>,<a href="https://crimethinc.com/2020/03/18/anarkistinen-opas-koronaviruksesta-selviamiseen-kapitalismin-kriisi-nouseva-totalitarismi-vastarinnan-strategioita"> Suomen, </a><a href="https://crimethinc.com/2020/03/18/bertahan-dari-virus-sebuah-panduan-anarkis">Français, </a><a href="https://crimethinc.com/2020/03/19/anarkhikos-odegos-epibioses-ste-pandemia-o-kapitalismos-se-krise-e-anodos-tou-oloklerotismou-oi-strategikes-tes-antistases">Ελληνικά,</a><a href="https://crimethinc.com/2020/03/18/bertahan-dari-virus-sebuah-panduan-anarkis"> Bahasa Indonesia, </a><a href="https://crimethinc.com/2020/03/18/sopravvivere-al-virus-una-guida-anarchica-il-capitalismo-in-crisi-laumento-del-totalitarismo-strategie-di-resistenza">Italiano, </a><a href="https://crimethinc.com/2020/03/18/przetrwac-wirusa-anarchistyczny-poradnik-kapitalizm-w-kryzysie-wschodzacy-totalitaryzm-strategie-oporu">Polski,</a> <a href="https://crimethinc.com/2020/03/20/sobrevivendo-ao-virus-um-guia-anarquista-capitalismo-em-crise-totalitarismo-crescente-estrategias-de-resistencia">Português Brasileiro</a> und <a href="https://crimethinc.com/2020/03/18/virusten-kurtulmak-anarsist-bir-kilavuz-krizdeki-kapitalizm-yukselen-totaliteryanizm-direnis-stratejileri">Türkçe</a> übersetzt wurde. Spread the word! Bleibt gesund &#8211; solidarisch &#8211; wütend!<span id="more-9621"></span></p>
<p><strong>Immunität für alle – Einladung zum Streik</strong></p>
<p>Während sich die wirtschaftlichen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie bemerkbar machen, entsteht in den USA, Kanada, <a href="https://taz.de/Mietstreik-in-Hamburg/!5673132/">Deutschland</a> und weltweit eine Dynamik für eine massenhafte Verweigerung von Miet-, Hypotheken- und Kreditzahlungen von unten. Im April dieses Jahres werden Millionen von Menschen ihre Rechnungen nicht mehr zahlen können, unabhängig davon, ob sie bezahlen wollen oder nicht. Wie die Pandemie ist dies eine weitere unvermeidliche Folge eines Systems, das nie dafür konzipiert war uns Sicherheiten zu bieten. Das Virus bedroht unser Leben – aber es bedroht auch die Gesellschaftsordnung, die uns bereits das Leben unmöglich machte.</p>
<p>Aus unserer Sicht ist es am dringendsten, diejenigen, die nicht zahlen, gegen mögliche Räumung<sup id="fnref:1"><a class="footnote" href="https://crimethinc.com/2020/03/27/immunitat-fur-alle-einladung-zum-streik-poster-und-aufruf-zur-kollektiven-selbstverteidigung#fn:1">1</a></sup> und andere negative Folgen zu verteidigen. Wenn wir nicht zusammenkommen, um uns gegenseitig zu verteidigen, werden diejenigen, die an der Macht sind, uns nacheinander isolieren, betrügen und zerstören. Wendet euch an eure Nachbar*innen. Baut Verteidigungsgruppen auf. Sucht lokale Druckpunkte. Sprecht über Taktiken. Seid kreativ. Bereitet euch darauf vor, Zwangsräumungen mit allen erforderlichen Mitteln zu stoppen. Je mehr Menschen sich beteiligen, desto sicherer werden wir alle sein. Gemeinsam können wir die Gerichte und Sheriffs, die die Privilegien der Reichen durchsetzen, besiegen.</p>
<p>Die Nutznießer*innen der herrschenden Ordnung machen sich bereit, um uns die Folgen dieser Krise aufzuerlegen – ein Gesetz für sie, ein anderes für uns. Unternehmen wie <a href="https://www.bloomberg.com/news/articles/2020-03-24/u-s-retailers-plan-to-stop-paying-rent-to-offset-virus-closures">Subway</a>, die <a href="https://la.eater.com/2020/3/25/21194144/cheesecake-factory-rent-strike-chain-restaurant">Cheesecake Factory</a>, <a href="https://www.spiegel.de/consent-a-?targetUrl=https%3A%2F%2Fwww.spiegel.de%2Fwirtschaft%2Funternehmen%2Fcorona-krise-h-and-m-adidas-und-deichmann-wollen-keine-miete-mehr-zahlen-a-427b3103-7b71-4dba-a4af-c7628a7a0421">Adidas</a> und andere haben bereits erklärt, dass <em>sie</em> im April keine Miete zahlen werden. Es gibt Bestimmungen zum Schutz von Menschen aus der Mittelschicht, die sich ihre Hypotheken nicht leisten können, aber keine für die ärmsten Menschen, die Miete zahlen müssen.</p>
<p><iframe loading="lazy" src="https://player.vimeo.com/video/401990775?dnt=1&amp;app_id=122963" width="584" height="329" frameborder="0" allow="autoplay; fullscreen" allowfullscreen title="#ImmunitaetFuerAlle &amp;mdash; Ein Aufruf zum Mietstreik"></iframe></p>
<p>Hier präsentieren wir ein Poster und zwei Texte über den Mietstreik: der erste ist von einer Gruppe, die eine <a href="http://5demands.global/">landesweite Koordination</a> für den Streik anbietet, der zweite von Anarchist*innen, die an der Organisation von Mietstreiks an der Westküste (USA) beteiligt sind. Um mehr über den Mietstreik zu erfahren, <a href="https://5demands.global/toolkit/">fangt hier an</a>.</p>
<hr>
<div id="attachment_9622" style="width: 916px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://de.crimethinc.com/posters/immunitaet-fuer-alle"><img aria-describedby="caption-attachment-9622" loading="lazy" class="size-full wp-image-9622" src="https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/immunitaet-fuer-alle_front_black_and_white.jpg" alt="" width="906" height="1400" srcset="https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/immunitaet-fuer-alle_front_black_and_white.jpg 906w, https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/immunitaet-fuer-alle_front_black_and_white-194x300.jpg 194w, https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/immunitaet-fuer-alle_front_black_and_white-768x1187.jpg 768w, https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/immunitaet-fuer-alle_front_black_and_white-663x1024.jpg 663w" sizes="(max-width: 906px) 100vw, 906px" /></a><p id="caption-attachment-9622" class="wp-caption-text">Immunität für alle: ein Plakat zur Unterstützung des Mietstreiks. Klick auf das Bild, um das Plakat herunterzuladen.</p></div>
<hr>
<h1 id="immunitat-fur-alle-das-zuhause-verteidigen">Immunität für alle: Das Zuhause verteidigen</h1>
<p>Im 21. Jahrhundert ist das Gefühl zuhause zu sein zu einer immer prekäreren und vorübergehenden Erfahrung geworden.</p>
<p>Einige schlafen in Zügen oder auf der Straße; für diejenigen, die zwischen Pappwänden wohnen, kann selbst diese schmale Schicht von Komfort jederzeit von der Polizei weggerissen werden. Andere mieten Kisten aus Holz und Trockenbauwänden, in denen das Gefühl des Zuhauses durch monatliche Mahnungen unterbrochen wird, die uns daran erinnern dafür zu zahlen, dass wir auf dem Grundstück eines anderen verweilen. Die Miete für den nächsten Monat baut sich drohend vor einem auf, sobald die Wirkung der Zahlung dieses Monats nachlässt. In einem größeren Sinne teilen alle Lebewesen auf diesem Planeten das Gefühl, unser Zuhause zu verlieren, da der industrielle Kapitalismus es nach und nach unbewohnbar macht. Eine Milliarde toter Tiere, die über Australien verstreut sind, während der Himmel durch den Rauch nicht mehr sichtbar ist – schwarze Öltümpel, die auf Wasser schwimmen –, eine Insel aus Plastik im Ozean: Diese katastrophalen Szenen von zunehmender Häufigkeit und Größe implizieren, dass die Erde uns vielleicht bald nirgendwo mehr ein Zuhause bieten kann.</p>
<p><a href="https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/1-de.cleaned.jpg"><img loading="lazy" class="aligncenter size-full wp-image-9623" src="https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/1-de.cleaned.jpg" alt="" width="1024" height="1024" srcset="https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/1-de.cleaned.jpg 1024w, https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/1-de.cleaned-150x150.jpg 150w, https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/1-de.cleaned-300x300.jpg 300w, https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/1-de.cleaned-768x768.jpg 768w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a>Die COVID-19-Pandemie ist eine dieser Katastrophen. Dennoch hat sie uns sehr direkt auf die Bedeutung eines <em>Zuhause</em> gestoßen. Das wiederholte Waschen unserer Hände und die ständige Unterdrückung des Impulses, unser Gesicht zu berühren, lenkt unsere Aufmerksamkeit wieder auf unseren Körper. Das Abwischen von Oberflächen und Türklinken erinnert uns an all die Arten, wie sich unsere physische Präsenz unausweichlich mit der Anwesenheit anderer überschneidet. Dass wir es nicht geschafft haben, die Vermehrung einer winzigen Information – 30 Kilobasen RNA in einer Virushülle – einzudämmen, unterstreicht die Tatsache, dass genetische Materie schon immer eine Art Allmende war. Unsere Körper sind das Echo einer gemeinsamen Abstammung; sie verbinden uns mit der Erde.</p>
<p>Dies ist die Grundlage, auf der wir ein neues Gefühl dafür was Zuhause bedeutet aufbauen müssen. Das Zuhause ist eine Struktur, die das Leben unterstützt, ein Ort des Komforts und der Privatsphäre, ein Ort, an dem wir nicht lohnarbeiten müssen. Unser Zuhause bietet uns Immunität vor den unzähligen Kräften, die auf uns einwirken. Wenn wir im Falle einer Pandemie »Schutz zu Hause« suchen, um das Virus nicht zu verbreiten, sind die größten Bedrohungen unserer Immunität die Kräfte, die versuchen, uns unserer Häuser zu berauben. Da die Arbeitslosigkeit aufgrund der Pandemie voraussichtlich bei schwindelerregenden 20% liegen wird, müssen wir uns mit den Eigentumsverhältnissen auseinandersetzen, die unsere Zuhause dem Druck von Pachtverträgen und Hypotheken aussetzen.</p>
<p><a href="https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/2-de.cleaned.jpg"><img loading="lazy" class="aligncenter size-full wp-image-9624" src="https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/2-de.cleaned.jpg" alt="" width="1400" height="1400" srcset="https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/2-de.cleaned.jpg 1400w, https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/2-de.cleaned-150x150.jpg 150w, https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/2-de.cleaned-300x300.jpg 300w, https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/2-de.cleaned-768x768.jpg 768w, https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/2-de.cleaned-1024x1024.jpg 1024w" sizes="(max-width: 1400px) 100vw, 1400px" /></a>Unsere erste Verteidigungslinie ist die Immunität vor den Vermieter*innen und Bauträgern, die selbst bei einem Zusammenbruch der Wirtschaft eine volle Rendite erwarten. Wir brauchen Immunität vor den Gerichtsvollzieher*innen, vor den Gerichten, die Räumungsbefehle ausstellen, und vor der Polizei, die sie ausführt. Wir brauchen Immunität für die Patienten, die 40.000 Dollar-Rechnungen für die medizinische Notfallversorgung zur Behandlung von COVID-19 ausgestellt bekommen haben. Wir brauchen Immunität für Gefangene, Einwanderer*innen und Asylsuchende auf der ganzen Welt, die zu Krankheit und wahrscheinlichem Tod verurteilt sind, während sie in Käfigen gefangen sind, die nie ein Zuhause sein werden. <strong>Wir brauchen Immunität für alle.</strong></p>
<p>Im April dieses Jahres werden sich unzählige Menschen weigern, Miete zu zahlen, und mit dieser Geste <a href="https://www.technologyreview.com/s/615375/what-is-herd-immunity-and-can-it-stop-the-coronavirus/">»Herdenimmunität«</a> eine neue Bedeutung verleihen. Viren haben schon immer eine evolutionäre Rolle als Vektoren der Informationsübertragung über Arten und Königreiche hinweg gespielt; sie sind Meister in der Synchronisierung von Ökologien. Was ist möglich, wenn wir unsere Aktionen in eine kollektive Verweigerung synchronisieren? <strong>Lasst uns gemeinsam diesen Ort, den wir Zuhause nennen, verteidigen.</strong></p>
<p><a href="https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/3-de.cleaned.jpg"><img loading="lazy" class="aligncenter size-full wp-image-9625" src="https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/3-de.cleaned.jpg" alt="" width="1400" height="1400" srcset="https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/3-de.cleaned.jpg 1400w, https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/3-de.cleaned-150x150.jpg 150w, https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/3-de.cleaned-300x300.jpg 300w, https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/3-de.cleaned-768x768.jpg 768w, https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/3-de.cleaned-1024x1024.jpg 1024w" sizes="(max-width: 1400px) 100vw, 1400px" /></a><strong>Einladung zum Streik</strong></p>
<blockquote><p>»Meine Vorstellungskraft macht mich menschlich und macht mich zum Narren; sie gibt mir die ganze Welt und verbannt mich von ihr.«</p>
<p>-Ursula K. LeGuin</p></blockquote>
<blockquote><p>»Ich möchte lieber nicht«</p>
<p>-Bartleby</p></blockquote>
<blockquote><p>»Die Tradition der Unterdrückten belehrt uns darüber, daß der Ausnahmezustands in dem wir leben, die Regel ist. Wir müssen zu einem Begriff der Geschichte kommen, der dem entspricht. Dann wird uns als unsere Aufgabe die Herbeiführung des wirklichen Ausnahmezustands vor Augen stehen; und dadurch wird unsere Position im Kampf gegen den Faschismus sich verbessern.«</p>
<p>&#8211;<a href="https://www.textlog.de/benjamin-begriff-geschichte.html">Walter Benjamin</a></p></blockquote>
<p>Wir zahlen am 1. April keine Miete. Das können wir uns nicht leisten. Wir könnten es schon jetzt kaum noch. Miete: unser monatlicher Beitrag zu dem Trugschluss, dass die Häuser, die wir auf gestohlenem Land bewohnen, unseren Vermieter*innen gehören, denen wir allein schon dafür das wir leben zu Dank verpflichtet sind. Jetzt, wo unsere Existenz als Spezies in Frage gestellt wird, können wir den Alptraum dieser Beziehung nicht mehr ertragen.</p>
<p>In den letzten zehn Jahren wurden Aufstände, die Regime stürzten, durch die globale Gentrifizierung der Städte niedergeschlagen. Rebell*innen in Städten auf der ganzen Welt haben sich den steigenden Lebenshaltungskosten und der seelenzerstörenden Zermürbung der Arbeit gebeugt. Unser Leben ist zu einem endlosen Hustle geworden. Sie pumpen eine Billion Dollar pro Tag in die Banken, um sie über Wasser zu halten. Die täglichen Anträge auf Arbeitslosenunterstützung in den so genannten Vereinigten Staaten übertreffen bereits jetzt die Anträge zum Höhepunkt der Finanzkrise (die der Occupy-Bewegung vorausging). In Kalifornien hat der Verband der Wohnungseigentümer einen Brief an seine Mitglieder geschickt, in dem er den Vermieter*innen rät, die Mieten einzufrieren, mit den Mieter*innen zusammenzuarbeiten, um Zahlungspläne aufzustellen und die Räumungen auszusetzen. Doch die Stadtverwaltungen bieten nur einen dürftigen Schutz für die Mieter*innen an. Die Kapitalist*innen haben ihre Bereitschaft angekündigt, uns auf dem Altar der Wirtschaft massenhaft zu opfern. Sie wollen, dass wir wieder arbeiten.</p>
<p>Unsere Feinde sind verängstigt. Sie wissen, dass ein Sturm kommt. Einer muss nachgeben.</p>
<p>Am 1. April wird eine noch nie dagewesene Welle von uns unsere Miete einfach nicht bezahlen. Einige werden dies aus Solidarität tun. Einige werden dies tun, da sie keine andere Wahl haben. Einige werden dies als ganzes Gebäude oder als ganzer Block tun. Einige werden es im Alleingang tun. Dieser Streik gehört nicht den Aktivist*innen, Organisator*innen oder Militanten. Er gehört uns allen, allen, die die Last dieser Krise einfach nicht tragen können oder wollen. Er gehört allen, die nicht zahlen wollen, die keine weiteren Schulden auf sich nehmen, allen, die sich gegenseitig mit »Nein« bejahen werden. Allen, die sich gegenseitig lieben und schützen.</p>
<p>Wir haben bereits gestreikt.</p>
<p>Einige von uns haben in Gefängnissen, in Hörsälen, auf den Straßen und in den Häfen gestreikt. Jetzt streiken wir von zu Hause aus. So wie wir nach der Pandemie von 1918 gestreikt haben, so wie wir nach der Beulenpest gestreikt haben. Nach diesen Katastrophen konnten sie uns nicht zur Arbeit zwingen, sie konnten unsere Freizügigkeit nicht unterbinden, und wir entdeckten die Formeln, die es uns erlaubten, den Reichtum, den sie sogar im Tod – diese gleichmachende Gewalt – gehortet hatten, zu enteignen. Unendlich neue Lebensmöglichkeiten sind plötzlich für unzählige Menschen denkbar geworden, die gerade erst anfangen sich ein Leben außerhalb der Wirtschaft vorzustellen. Noch nie war unsere Vorstellungskraft, unsere energische Aufmerksamkeit so dringend erforderlich.</p>
<p>Dieselben fortschrittlichen Politiker*innen, die das Wort Abolition verteidigt haben, versuchen bereits, sich die Sprache der gegenseitigen Hilfe anzueignen. Sie wissen, dass der Staat uns nicht retten kann. Wenn die gegenseitige Hilfe tatsächlich ein Faktor der Evolution ist, dann verändert sie uns bereits jetzt, wo sie sich auf so vielfältige Weise ausgebreitet hat. Wenn dies vorbei ist, werden uns die Behörden sagen, dass wir nur wegen ihrer Kontrolle überlebt haben; die Liberalen applaudieren bereits dem neuen Autoritarismus im Namen des Gemeinwohls. Doch wir wissen, dass das, was uns wirklich am Leben hält, unsere Sorge um den anderen ist.</p>
<p>Der Virus bedroht unser Leben, aber es bedroht auch die soziale Ordnung, die unser Leben bislang unmöglich gemacht hat. Miete, Arbeit, Tickets, Schulden, Versicherungen – all die Betrügereien, in die wir hineingeboren wurden – werden vom Virus eingefroren. Wir werden die Feuer in uns schüren und unsere Ofen heizen um diese Kälte auszuhalten.</p>
<p>Und der Frühling steht uns bevor. Mit dem 1. April, dem Narrentag, kommt der Frühling im Ernst: eine Erneuerung, ein Jubiläum, eine Aussetzung, eine Umkehrung, ein kosmischer Witz – aber nicht über uns. Die Reise des Narren öffnet den Weg in die Welt. Die unausweichliche Nichtzahlung unzähliger Schulden wird unser erster Schlag gegen die Welt des Maßes und der Kontrolle sein. Das ist das Einfachste, was wir tun können. Im Angesicht der Krankheit lasst uns mit Leichtigkeit, Anmut und Ruhe beginnen.</p>
<p>Wenn die Arbeit selbst uns tötet, kann der Streik nicht mehr Arbeit bedeuten. Der 1. April ist kein Aktionstag. Schlaf an diesem Tag aus, ruf deine Freund*innen an, küsse deine Liebe, lies, meditiere, trink Wasser und mach dich bereit. Dieser Tag ist ein kleiner Schlüssel, der eine große Tür öffnet. Die Manager*innen der Küstenstädte testen bereits das neue Normal in der Betaversion, aber die Karten werden noch ausgeteilt. Die Krise ist erst dann vorbei, wenn wir uns dazu entschließen, sie zu überwinden. Jetzt, wo alles auf dem Spiel steht, ist unsere kollektive Weigerung, ihr Spiel zu spielen, unsere größte Waffe.</p>
<p>Die alte Welt wird uns nicht alles geben, <a href="https://de.crimethinc.com/posters/fuenf-sofort-massnahmen">was wir brauchen</a>. Wie könnte sie auch? Gesundheit, Ruhe, eine Welt ohne Schulden oder Gefängnisse, ein Zuhause – wir, die wir durch diese Tür treten, müssen diese Dinge für uns selbst finden. Wir müssen den Streik so weit wie möglich ausbreiten.</p>
<p>Wir haben keine Angst vor Ruinen. Heute, wo unsere Zukunft abgesagt wurde, ist die gemeinsame Zeit vielleicht alles, was wir haben. Wir werden nicht zur Normalität zurückkehren. Wir werden diejenigen sein, die das, was als nächstes kommt, gestalten. Legt eure Last ab. Du musst dich dem nicht allein stellen. Wir machen uns auf. Bei so viel Distanz zwischen uns ist es Zeit, alles zu aktivieren, was uns verbindet.</p>
<p>Inseln im Strom<br />
Das ist es, was wir sind.<br />
Niemand dazwischen<br />
Wie können wir uns irren<br />
Segel mit mir weg<br />
In eine andere Welt<br />
Und wir verlassen uns aufeinander,<br />
ah ha</p>
<p>Zahl nicht. Wir werden auch nicht zahlen. Sie können uns nicht alle räumen. Wir machen ihnen die Hölle heiß, wenn sie es versuchen.</p>
<p>Wir wissen, wie man eine Seuche überlebt.</p>
<p><em>La salute è in voi!</em> &#8211; Die Gesundheit ist in dir!</p>
<hr>
<div class="footnotes">
<ol>
<li id="fn:1">Zwangsräumungen sind in Deutschland momentan offiziell ausgesetzt – aber das bedeutet vermutlich lediglich, dass sie verschoben sind. Auch einige weitere Punkte im Verlaufe des Textes sind nicht 1 zu 1 auf die Situation im deutschsprachigen Kontext zu übertragen. Wir haben dieses mal keine Anpassung vorgenommen und hoffen, dass der Text so solidarische Perspektiven zwischen Kämpfen hier und dort eröffnet.</li>
</ol>
<hr>
<p><a href="https://de.crimethinc.com/posters/fuenf-sofort-massnahmen"><img loading="lazy" class="aligncenter size-full wp-image-9631" src="https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/fuenf-sofort-massnahmen_front_color.jpg" alt="" width="792" height="1224" srcset="https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/fuenf-sofort-massnahmen_front_color.jpg 792w, https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/fuenf-sofort-massnahmen_front_color-194x300.jpg 194w, https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/fuenf-sofort-massnahmen_front_color-768x1187.jpg 768w, https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/fuenf-sofort-massnahmen_front_color-663x1024.jpg 663w" sizes="(max-width: 792px) 100vw, 792px" /></a><a href="https://de.crimethinc.com/posters/fuenf-sofort-massnahmen"><img loading="lazy" class="aligncenter size-full wp-image-9629" src="https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/fuenf-sofort-massnahmen_front_black_and_white.jpg" alt="" width="792" height="1224" srcset="https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/fuenf-sofort-massnahmen_front_black_and_white.jpg 792w, https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/fuenf-sofort-massnahmen_front_black_and_white-194x300.jpg 194w, https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/fuenf-sofort-massnahmen_front_black_and_white-768x1187.jpg 768w, https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/fuenf-sofort-massnahmen_front_black_and_white-663x1024.jpg 663w" sizes="(max-width: 792px) 100vw, 792px" /></a></p>
</div>
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		<title>Keine Zeit zu sterben!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[endofroad]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Mar 2020 20:34:54 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Keine Zeit zu sterben! – Gegen autoritären Seuchenstaat und kapitalistischen Normalbetrieb Erklärung des kommunistischen …ums Ganze!-Bündnis vom 29.03.2020 We will feed each other, re-distribute wealth, strike. We will understand our own importance from the places we must stay. Communion moves &#8230; <a href="https://endofroad.blackblogs.org/archive/9611">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/c19_2.jpg"><img loading="lazy" src="https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/c19_2.jpg" alt="" width="1458" height="640" class="aligncenter size-full wp-image-9612" srcset="https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/c19_2.jpg 1458w, https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/c19_2-300x132.jpg 300w, https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/c19_2-768x337.jpg 768w, https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/c19_2-1024x449.jpg 1024w, https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/c19_2-500x219.jpg 500w" sizes="(max-width: 1458px) 100vw, 1458px" /></a><strong>Keine Zeit zu sterben! – Gegen autoritären Seuchenstaat und kapitalistischen Normalbetrieb</strong><span id="more-9611"></span></p>
<p>Erklärung des kommunistischen …ums Ganze!-Bündnis vom 29.03.2020</p>
<p>We will feed each other, re-distribute wealth, strike.<br />
We will understand our own importance<br />
from the places we must stay.<br />
Communion moves beyond walls.<br />
We can still be together.<br />
(Britney Spears/Mimi Zhu)</p>
<p>Was viele vor zwei Wochen noch für unmöglich hielten, ist Realität geworden: Das Corona-Virus greift international um sich, die kapitalistische Maschinerie stockt. Und: der bürgerliche Staat greift durch. Dass auch in Deutschland Parlament und Regierung alles machen, was der Gewaltmonopolist auf Lager hat, dürfte kaum überraschen: Seit jeher war der Seuchenschutz das Gebiet, auf dem der Nationalstaat seinen Bürger*innen demonstrieren konnte, dass er unentbehrlich ist. Was jetzt demokratisch umgesetzt wird, ist ein Traum für alle Fans autoritärer Politik – und hat mit Gesundheitspolitik allzu oft wenig zu tun. Ob sie Söder heißen, Klöckner oder Kramp-Karrenbauer: Grenzschließungen, Ausgangssperren, Kontaktverbot, Polizeieinsatz der Bundeswehr im Innern, Stopp der humanitären Flüchtlingsaufnahme sowie demnächst Arbeitszwang für Asylbewerber*innen, werden quasi nebenbei durchgezogen. Nur wenig beruhigend ist, dass die faschistischen Hetzer von der AfD gerade wenig zu melden haben. Grund dafür ist, dass die Große Koalition in der noch laufenden Anfangsphase des demokratischen Krisenmanagements die Abschottung des Landes gerade im Alleingang durchsetzt. Das „Ja“ zur „Luftbrücke“ verdeutlicht das: Der Staat holt 100.000 gestrandete deutsche Urlauber*innen mit Flugzeugen zurück, verwehrt aber 20.000 Geflüchteten auf den griechischen Inseln, die dort akut vom Tod bedroht sind, die Einreise. Für diese mörderisch-rassistische Logik des Nationalen braucht es keine Tipps der rechten Opposition.</p>
<p>Die Toten und das untote System</p>
<p>Die Irrationalität des Kapitalismus wird in der Krise umso deutlicher: Wenn Zusammenkünfte von mehr als zwei Personen außer auf der Arbeit verboten werden, dann zeigt der Kapitalismus, dass er für seine Erhaltung über Leichen geht. Die größten Coronapartys finden nicht illegal auf Spielplätzen oder in Parks statt, sondern staatlich erwünscht: jeden Tag in Großraumbüros, Amazon-Centern und den Fabriken des Landes, sowie, nicht zu vergessen, in den Geflüchtetenunterkünften, wo der Staat die unerwünschten Menschen zusammenpfercht. Was wirklich helfen würde – die Unterbrechung des Normalbetriebes – ist hingegen schwer umstritten. Während die Weltgesundheitsorganisation vor einem Wiederhochfahren der Produktion warnt, setzen nicht nur Autokraten wie Donald Trump und der brasilianische Präsident Bolsonaro auf die Bagatellisierung des Problems, sondern auch der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn. Mögen sie sich in Argumentation und Wortwahl unterscheiden, das Ergebnis ist im Wesentlichen das Gleiche sein: Tote in Kauf nehmen, damit die nationale Wirtschaft wieder auf die Beine kommt. Und zwar vor allen anderen, denn nur dadurch entsteht ein Vorteil in der Weltmarktkonkurrenz. Und auch wenn in Brasilien und den USA viel mehr Menschen sterben werden als im Beatmungs-Weltmeisterland Deutschland, stellt sich doch hier wie dort die Frage: Was ist das eigentlich für eine kaputte Gesellschaft, die die Maßnahmen zur Wiederaufnahme jedweder Arbeit als vernünftig verkauft und den Leuten gleichzeitig einzureden versucht, es würde nur auf ihr privates eigenverantwortliches Handeln als Staatsbürger*innen ankommen? Die radikale Linke fordert hier, was wirklich hilft: Aufhebung des Arbeitszwangs und Unterbrechung aller Wirtschaftstätigkeiten, die für die Grundversorgung der Menschen jetzt nicht zwingend notwendig sind. Wir müssen dafür kämpfen, dass die Löhne abgesichert werden und die Leute nicht zur Arbeit gehen müssen. Kollektive Lösungen für Lohnausfälle und neue Aktionsformen im Betrieb müssen erstritten werden.</p>
<p>Krise von Produktion, Gesellschaft und Politik</p>
<p>Das Virus hat eine kapitalistische Produktionskrise und zugleich eine Krise der Gesellschaft, genauer: der gesellschaftlichen Reproduktion ausgelöst. Die Wirtschaft wurde dabei aber nicht durch das Virus als solches in die Krise gestürzt – es ist nur der Auslöser, auf den der immanent krisenhafte Kapitalismus mit seiner latenten Finanzblase, seiner industriellen Überakkumulation und seinen fragilen Lieferketten nun mit empfindlicher Unterbrechung der Produktion reagiert. Natur und Gesellschaft bilden keinen Widerspruch: Die Ausbreitung des Coronavirus ist letztendlich Ergebnis der kapitalistischen Produktionsweise in Landwirtschaft und Tierhaltung. Es gibt weder Natürlichkeit noch Produktionsweise, die außerhalb des Kapitalverhältnisses steht. Die jetzt beginnende globale Wirtschaftskrise ist dabei so real wie das Virus selbst, das mit einem schlecht aufgestellten Gesundheitssystem bekämpft werden muss. Dessen im neoliberalen Kapitalismus mit Ausdauer kaputtgesparter, durchkapitalisierter Zustand erst verlangt Reaktionen wie #flattenthecurve und führt zum schlechten Kompromiss zwischen Virusbekämpfung und Wirtschaftsrettung. Die Linke muss verdeutlichen, dass die Krise des Kapitals keineswegs identisch sein muss mit der Krise der Gesellschaft bzw. der Menschen, die am Virus sterben. Nur wenn ihr das gelingt, kann aus der Corona-Krise eine politische Systemkrise werden. Abstand nehmen sollte sie hingegen davon, dem Staat irgendwelche düsteren verschwörerischen Biomachtspielchen zu unterstellen – das Virus ist echt, die Bedrohung real. Die Virusbekämpfung ist selbst vitales staatliches Interesse, weil coronatote Staatsbürger*innen die Souveränität des Staates in Frage stellen. Verzichten sollte die Linke aber auch darauf, im Nachvollzug staatlicher Maßnahmen der Privatisierung der Gesundheitskrise das Wort zu reden. Natürlich ist es richtig, Abstand zu halten, sich die Hände zu waschen und einen Mundschutz zu tragen. Aber linke Politik besteht nicht darin, anderen Verhaltenstipps zu geben, das bekommt der Staat als Gewaltmonopolist alleine geregelt. Den Widerspruch, dass das Interesse an der Virusbekämpfung sowohl im Interesse von Gesellschaft und Menschen ist, als auch autoritär von Staat und Kapital verordnet ist, weil im Interesse der Aufrechterhaltung der Produktion, muss die Linke aushalten und nicht falsch vereindeutigen. Stattdessen geht es darum, politischen Druck aufzubauen und radikale Forderungen zu stellen: Firmen und Milliardäre enteignen und dafür Arbeiter*innen in Pflege, Gesundheit und Care-Bereichen angemessen bezahlen. Den Mainstream-Diskurs über „systemrelevante Berufe“ sollten wir dankend aufnehmen und zuspitzen. Zum einen müssen wir darauf hinweisen, dass es ganz überwiegend Frauen sind, die diese Bereiche stemmen: Verkäuferinnen, Krankenpflegerinnen, Erzieherinnen. Zum anderen, dass systemrelevante Arbeit nicht umsonst zu haben ist. Das bisschen Geklatsche vom Balkon ist zynisch, wenn daraus politisch nichts folgt. Dann ist es ein ideologisches Manöver, das so tut, als ob Frauen erst seit Beginn der Krise die Reproduktion am Laufen halten, ob in reproduktiven Berufen oder danach zu Hause. Darüber hinaus sind es Frauen, ob „systemrelevant“ oder nicht, die im privaten Bereich überdurchschnittlich häufig von Gewalt betroffen sind. #staythefuckhome bedeutet für die einen eben die Gelegenheit zum Erlernen des Kunsttöpferhandwerks, für die anderen ist es eine häusliche Gewalthölle. Systemrelevanz verdeutlichen muss für die Linke bedeuten, die Rolle der Reproduktion herauszustellen. Insofern gilt einmal mehr: Feminism is Class War.</p>
<p>Grenzen auf – Leben retten!</p>
<p>Weltweit machen die Nationalstaaten – wie auch Europa – dicht. Nationale Gemeinschaft erscheint plötzlich wieder als die einzig naheliegende, natürliche und plausible. Es gibt einen Rückzug ins Nationale als unideologisch daherkommende Solidaritätserzählung einer erheblich erweiterten Nachbarschaftshilfe. Diese ist aber eigentlich die der objektiven „Schicksalsgemeinschaft“ des Staatsbürger*innenkollektivs: gut dran ist, wer zufälligerweise eine deutsche Krankenversicherungskarte hat und keine italienische oder spanische. Dass Deutschland nach der letzten Krise 2008 anderen Ländern einen brutalen Sparkurs aufzwang, erweist sich einmal mehr als mörderisch. Denn Staaten wie Italien und Spanien mussten unter dem Druck der deutschen Politik der „schwarzen Null“ ihre Gesundheitssysteme kaputtsparen. Kein Zufall, dass es diese beiden Länder sind, in denen dieser Tage die Menschen zu Tausenden sterben – und nicht etwa in Deutschland. Vom deutschen Krisengewinner 2008 zum Beatmungsweltmeister 2020 ist es nur ein kleiner Schritt. In der jetzigen Situation ist es daher das Wichtigste, den grassierenden Nationalismus der Selbstsorge zu durchbrechen und sich für diejenigen einzusetzen, die weder Pass noch Krankenkassenkarte haben. Die zentrale Forderung der radikalen Linken muss sein: Die humanitäre Katastrophe in Moria auf Lesbos stoppen und die zusammengepferchten Menschen medizinisch zu versorgen und auf die EU-Mitgliedsstaaten verteilen, damit auch sie vor einer Infektion geschützt werden.</p>
<p>Zukunft</p>
<p>Egal wie lange sie dauert: Nach der Krise wird nicht wie vor der Krise sein. Ob sich dann aber eher lang verpönte sozialdemokratische Modelle mit staatskapitalistischen Aspekten durchsetzen oder eher wirtschaftsliberale mit autoritärem Gerüst, um dem untoten Neoliberalismus noch einmal über die nächste Klippe zu helfen, ist nicht ausgemacht. Ob all das von Modellen der öffentlichen sozialen Kontrolle auf südkoreanische Art begleitet wird oder ob sich vielleicht doch hier oder da neue Formen der Ökonomie und des veränderten Bewusstseins herstellen – all das wird nicht erst nach der Krise verhandelt, sondern jetzt. Fakt ist: Kapitalfraktionen, wie die der Lieferdienste oder Pharmaunternehmen profitieren von der Krise. Amazon beispielsweise schrieb kürzlich 100.000 Stellen aus. Und auch die Weise, wie wir in Zukunft lohnarbeiten, wird neu verhandelt: Bleibt das Home Office als Arbeitsplatz mit niedrigen Kosten für das Kapital bestehen? Wie verändern Kurzarbeitsverhältnisse die Einkommenssituation? Und wie geht das Kapital mit den Einbrüchen im Niedriglohnsektor um? Es stehen tiefgreifende Veränderungen bevor, die nur durch gutorganisierte Kämpfe gewonnen werden können.</p>
<p>An der aktuellen Situation etwas Gutes zu finden, kommt uns zynisch vor. Dennoch könnte das Ergebnis der Krise immerhin sein, dass die Bedürfnisse, die eine vernünftig eingerichtete Gesellschaft befriedigen sollte, klarer hervortreten. Mit der auch der Öffentlichkeit allmählich dämmernden Erkenntnis, dass die Berufe im Care-Bereich „systemrelevant“ sind, lässt sich an die Debatte um Care-Revolution, Frauen*streik und die Arbeitskämpfe der Beschäftigten im Gesundheitswesen anknüpfen. Das gilt auch für die vielerorts entstehenden Nachbarschaftshilfen, die zu solidarischen Stadtteilstrukturen ausbaubar wären, wenn es denn gelingt, sie zu politisieren. Sie könnten einen Pol von unten bilden, um die aufziehenden Kämpfe um Lohn, die Verteilung von Reproduktionsarbeit und Miete zu unterstützen – was Adidas mit seinem Mietstreik kann, können wir auch. Die aktuelle Solidaritätswelle, auch mit der Stadtteilarbeit verschiedenster linker Initiativen und Kollektive, müssen wir größermachen, um diese Kämpfe gewinnen zu können. Antinationale Kritik heißt heute mehr denn je: Skandalisierung der rassistischen Abschottung Deutschlands und Europas gegenüber Geflüchteten an den Staatsgrenzen.</p>
<p>Dass wir Menschen von Natur aus sterben und krank werden, ist schlimm genug. Keinen Grund aber gibt es, dieses Problem gesellschaftlich weiter zu verdoppeln, indem wir die menschlichen Bedürfnisse auch in Zukunft unter die Zwänge der „zweiten Natur“ kapitalistischer Unvernunft stellen. Gegen die autoritäre Seuchenverwaltung im Dienste von Wirtschaftsstandort und Wettbewerb setzen wir daher den Kommunismus als Gegenmacht von unten. Nicht als fernes Licht am Ende des Tunnels, als utopisches Ideal in dunkler Zeit, sondern als praktische Bewegung gegen einen kapitalistischen Normalbetrieb, der Kranke produziert, Sündenböcke sucht und in Krankenhäusern wie an den Grenzen massenhaft über Leichen geht. Was sonst könnte ihn jetzt stoppen?</p>
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		<title>capulcu: Die Corona-Krise</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Mar 2020 05:13:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[(Anti-) Repression]]></category>
		<category><![CDATA[-ABGESCHRIEBEN-]]></category>
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		<category><![CDATA[Coronavirus]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Corona-Krise Gewöhnung an das Regiertwerden im Ausnahmezustand Wir veröffentlichen im folgenden eine Analyse der gesellschaftlichen Folgen des technokratischen Umgangs mit dem Corona-Virus. Der Text kommt von capulcu, einer &#8222;Gruppe von technologie-kritischen Aktivist*innen und Hacktivist*innen [&#8230;]&#8220;. Viel Spaß beim lesen! &#8230; <a href="https://endofroad.blackblogs.org/archive/9588">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/5-1.jpg"><img loading="lazy" class="aligncenter wp-image-9560 size-full" src="https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/5-1.jpg" alt="" width="1358" height="933" srcset="https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/5-1.jpg 1358w, https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/5-1-300x206.jpg 300w, https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/5-1-768x528.jpg 768w, https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/5-1-1024x704.jpg 1024w, https://endofroad.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/581/2020/03/5-1-437x300.jpg 437w" sizes="(max-width: 1358px) 100vw, 1358px" /></a><strong>Die Corona-Krise<br />
Gewöhnung an das Regiertwerden im Ausnahmezustand</strong></p>
<p><em>Wir veröffentlichen im folgenden eine Analyse der gesellschaftlichen Folgen des technokratischen Umgangs mit dem Corona-Virus. Der Text kommt von <a href="https://capulcu.blackblogs.org/" target="_blank" rel="noopener">capulcu</a>, einer &#8222;Gruppe von technologie-kritischen Aktivist*innen und Hacktivist*innen [&#8230;]&#8220;. Viel Spaß beim lesen!</em><span id="more-9588"></span></p>
<p>Der Ausnahmezustand ist das neue Normal. Die derzeitigen gesellschaftlichen Einschränkungen bis hin zu vollständig außer Kraft gesetzten Grund-, Bürger- und Menschenrechten, in der Absicht einer (unbestritten notwendigen) Verlangsamung der Ausbreitung des Coronavirus überschlagen sich. Beinahe täglich werden weiter gehende Vorschläge diskutiert und per Allgemeinverfügung umgesetzt. Wir sind uns daher bewusst, dass unser heutiges Augenmerk (22.3.20) auf aktuell besonders weit greifende Maßnahmen in wenigen Wochen in ein neues Koordinatensystem von Akzeptanz bzw. Empörung einsortiert werden wird. Die Geschwindigkeit dieser Koordinatenneusetzung könnte ein geeignetes Maß für die Transition vom Antiterror- zum epidemischen Ausnahmezustand sein. Darin erfährt der &#8222;Gefährder&#8220; eine qualitative Neuinterpretation.</p>
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<p>Gleich vorweg: Wir sehen keine verschwörerische Kraft, die den derzeitigen globalen Schock der Corona-Krise inszeniert, um etwa gesellschaftliche wie ökonomische Grundfeste global aufzubrechen und autoritär zu reorganisieren. Wir sehen hingegen massive Defizite eines profitabel zusammengesparten Gesundheitssystems. Pflegekräfte und Hersteller von medizinischer Schutzausrüstung warnten im Kontext der sich in China ausbreitenden Corona-Krise bereits im Januar: Es gebe in Deutschland zwar deutlich mehr Bettenkapazitäten, als beispielsweise in Italien oder Frankreich, aber viel zu wenig (ausgerüstetes) Personal, das die intensivmedizinische Pflege sicherstellen könne. Es folgte keine Reaktion seitens des Gesundheitsministeriums. Und wir sehen deutliche Anzeichen in der derzeitigen Corona-Pandemie für eine Etablierung neuer Programme der Verhaltenslenkung in krisenhaften Ausnahmezuständen – und befürchten deren Anwendung darüber hinaus.</p>
<p>In China entscheidet derzeit die Bezahl-App des Finanzdienstleisters &#8222;Ant Financial&#8220; (früher AliPay, eine Tochter von Alibaba) bei Polizeikontrollen und im Supermarkt, wer angesichts der Bedrohung durch das Corona-Virus im öffentlichen Raum unterwegs sein darf und wer nicht. Ein persönlicher QR-Code in grün auf dem eigenen Smartphone bedeutet freies Passieren und Bezahlen. Färbt sich der eigene QR-Code dieser App gelb oder rot, muss sich die betreffende Person umgehend bei den Behörden melden und sieben bzw. 14 Tage in häusliche Quarantäne. Die App des Zahlungsdienstleisters ermittelt die &#8222;soziale Corona-Virus-Last&#8220; in nicht nachvollziehbarer Weise per künstlicher Intelligenz aus den individuellen Positionsdaten der Vergangenheit, aus den persönlichen Kontakten sowie aus weiteren Aspekten des Sozialverhaltens. In China gibt es aufgrund der weit verbreiteten Social-Scoring-Systeme zur Steuerung erwünschten Sozialverhaltens im Normalzustands-Alltag eine weitgehende Gewöhnung an die Beschränkung sozialer Teilhabemöglichkeiten in Abhängigkeit von individuell erworbenen Sozialpunkten. Letztere werden berechnet via Smartphone-App auf der Basis eines nicht offengelegten und zudem veränderlichen Regelwerks einer künstlich intelligenten Assistenz- und Bewertungssoftware.</p>
<p>Auch der israelische Inlandsgeheimdienst Schin Bet nutzt seit Mitte März seine Handy-Überwachung im Rahmen des &#8222;Anti-Terror-Programms&#8220;, um Infektionswege nachzuvollziehen und um die Einhaltung von Quarantäne-Auflagen zu überwachen. Auch Taiwan, Südkorea, Singapur und Hongkong nutzen das Mobilfunk-Tracking zur Positions- und Kontakt-Ermittlung.</p>
<p>&#8222;In Deutschland undenkbar&#8220; beschwichtigen Regierungsvertreter und das Robert-Koch-Institut, und begnügen sich öffentlichkeitswirksam mit der Übermittlung anonymisierter Datensätzen, die lediglich Bewegungsradien nicht zu spezifizierender Einzelpersonen vermessbar machen sollen. Nur eine Woche später am 21.3. will der Bundesgesundheitsminister Spahn jedoch per Eilverfahren folgenden Gesetzentwurf für eine Änderung des Infektionsschutzgesetzes durchsetzen: Per Anordnung durch das Bundesgesundheitsministerium sollen den zuständigen Gesundheitsbehörden bei einer &#8222;epidemischen Lage von nationaler Tragweite&#8220; wie im aktuellen Fall sämtliche Standortdaten der Mobilfunkanbieter (personalisiert!) zur Verfügung gestellt werden. Sie erhalten die Befugnis, Kontaktpersonen von Erkrankten anhand von Handy-Standortdaten zu ermitteln, ihre Bewegung zu verfolgen, sie im Verdachtsfall zu kontaktieren und über ihr persönliches Risiko zu &#8222;informieren&#8220;. Eine &#8222;Gefährderansprache&#8220; auf gleicher Datenbasis wie jene, die in China und Israel für die vollständig individualisierte Bevölkerungssteuerung genutzt wird.</p>
<p>Diese umfassende und feinst-granulare Bevölkerungsvermessung eröffnet (zunächst) für den deklarierten Ausnahmezustand einen maßgeschneiderten Zugriff auf individuell zugestandene bzw. entziehbare Bevölkerungsrechte, der sich nicht mit den bisher bekannten Maßnahmen einer für alle geltenden Allgemeinverfügungen begnügt. Dies geschieht ohne jene Gruppe nachvollziehbar zu qualifizieren, für die diese Sondermaßnahmen gelten. Das ist eine konsequente Weiterentwicklung der Konstruktion des Gefährders. Nicht nur quantitativ, sondern qualitativ neu ist: alle sind gefährdet, alle können (per App) zum Gefährder deklariert werden. Die gesellschaftliche Verunsicherung angesichts der Corona-Krise begünstigt eine solch einschneidende Erosion der Persönlichkeitsrechte, die als Dammbruch für zahlreiche zukünftige Ausnahmezustände gewertet werden muss. Hier wird zudem das Narrativ einer „wünschenswerten, weil potenziell lebensrettenden Überwachung&#8220; etabliert.</p>
<p><strong>Vervielfältigung des Ausnahmezustands</strong></p>
<p>Giorgio Agamben (italienischer Philosoph) sah bereits im Februar die Möglichkeit, dass sich die Akzeptanz des bisherigen Antiterror-Potenzials für ein exzessives Regieren im Ausnahmezustand schneller erschöpfen könnte, während eine Epidemie hingegen einen ausgezeichneten Nährboden für eine ungleich ausuferndere Anwendung autoritärer Maßnahmen liefere. Der Imperativ der &#8222;sozialen Distanzierung&#8220; eröffnet ein viel reichhaltigeres Instrumentarium, das soziale Leben einer beliebig großen Gruppe von Gefährdern vollständig individualisiert bis hin zur Isolation im Sinne des Gemeinwohls zu dirigieren.</p>
<p>Strukturell ähnelt die derzeitige repressive Antwort auf das Corona-Virus in vielerlei Hinsicht der in Terrorhysterie ergriffenen staatlichen Maßnahmen wie z. B. in Reaktion auf die islamistischen Anschläge in Frankreich vom November 2015. Ein geschlossenes Zusammenstehen gegen eine äußere Bedrohung legitimierte die Beseitigung von Freiheitsrechten, die Beschwörung eines nationalen &#8222;Wir&#8220; und die Homogenisierung der öffentlichen Meinungsbildung. Nach Ausschöpfung der maximal möglichen Verlängerung des Ausnahmezustands von zwei Jahren, wurde die Notstandsgesetzgebung schlicht zum gesetzlichen Normalzustand erklärt. Die Gewöhnung an den Ausnahmezustand durch permanentes Aufrechterhalten einer Gefahrenlage, ermöglichte in Frankreich diesen Kunstgriff weitgehend ohne gesellschaftliches Aufbegehren.</p>
<p>Auch jetzt wird die Einheit der Nation gegen das Virus vielerorts beschworen. Präsident Macron treibt in Frankreich die Rhetorik besonders weit: &#8222;Wir sind im Krieg&#8220;. In einer Ansprache vom 16.3. &#8222;zur Lage der Nation&#8220; verkündet er den Kriegszustand, um zu erklären, dass nun kein Weg mehr an einer Ausgangssperre für alle vorbeiführe. &#8222;Dieser Krieg muss alle französischen Bürger mobilisieren. In diesem Krieg trägt jeder Verantwortung&#8220;. &#8222;Ich rufe alle politischen Parteien dazu auf, sich dieser nationalen Einheit anzuschließen.&#8220;</p>
<p>Ein perfektes Klima für ein anderes Virus, nämlich das der Tabubrüche – auch in Deutschland. Sei es der Einsatz der Bundeswehr im Inneren oder bei weiter andauernder Eskalation die Anwendung von neu benannten &#8222;Notstandsgesetzen&#8220; über die Zwischenstationen des &#8222;Katastrophenfalls&#8220;, des &#8222;Alarmzustands&#8220; und des &#8222;Ausnahmezustands&#8220;. &#8222;Wir helfen bei der Gesundheitsversorgung und wenn nötig auch bei der Gewährleistung von Infrastruktur und Versorgung sowie der Aufrechterhaltung von Sicherheit und Ordnung&#8220;, beschrieb Kramp-Karrenbauer am 19.3 den Einsatzbefehl für die Truppe. Martin Schelleis, nationaler territorialer Befehlshaber der Bundeswehr, richtet am 20.3. eine Videoansprache an alle Soldaten und Zivilisten der Truppe: Bisher sei im Militär vor allem „die Sanität gefordert“, außerdem die territoriale Führungsorganisation. Dabei werde es aber nicht bleiben.</p>
<p>Die derzeitige Bereitschaft zur Selbstunterwerfung unter eine Ausnahme-Ordnung ist um ein vielfaches größer, als das zögerliche Einstimmen in den Anti-Terror-Mainstream infolge meist regional bzw. national lokalisierbarer Anschläge.</p>
<p><strong>Entsolidarisierung</strong></p>
<p>Solidarität erfordert Mündigkeit und eigenverantwortliches Handeln statt autoritär verordnete (auch künstlich intelligente) Lenkung. Es ist nicht irgend eine Ausgangssperre, die uns schützt. Was uns schützt, ist unser Verhalten in Selbstverantwortung. Eine granulare Gesellschaft, die nicht mehr grob, sondern feinkörnig vermessen wird, und individuell (per App) entweder zur Corona-Gefahr erklärt wird oder sich frei bewegen darf, ist zweifellos Gift für gesellschaftliche Solidarität.</p>
<p>Entmündigende Bevormundung in Angst bewirkt das Gegenteil von Solidarität: Hamsterkäufe und Desinfektionsmittel-Diebstähle in Krankenhäusern sowie das nationalistische Abschotten von Krankenhaus-Kapazitäten nur für die eigene Bevölkerung, sind der Gipfel einer beispiellosen Entsolidarisierung. Jene autoritäre Fremdbestimmung bringt den pandemisch-panischen Hamster hervor, der bei fehlendem Toilettenpapier im Drogeriemarkt die Polizei ruft oder sich um eben dieses Toilettenpapier prügelt.</p>
<p>Über die gesellschaftlichen &#8222;Nebenwirkungen&#8220; von Ausgangsbeschränkungen, Versammlungsverboten, Grenzschließungen und der &#8222;Aussetzung des Rechts auf Asyl&#8220;, der Militarisierung des Zivilschutzes und des öffentlichen Raums wird aktuell wenig debattiert. Es sind autoritäre Kurzschlüsse (auf Ministerialebene), die national ausgesperrte Erntehelfer durch Arbeitslose &#8222;per Dekret&#8220; ersetzen wollen. Herrschaftliche Verfügungen über Menschen zur Rettung des deutschen Spargels.</p>
<p>Ohne jeden Zynismus: Die coronisierte Gesellschaft wird viel länger an den Folgen des quasi widerspruchsfrei erprobten Ausnahmezustands und vor allem an seiner politisch gewollten Verstetigung knabbern, als an der ernstzunehmenden (weil mitunter tödlichen) Lungenkrankheit selbst. Die demokratie-zersetzende soziale Viruslast wiegt um einiges schwerer als die partielle, absolut begrüßenswerte Bereitschaft zur selbstorganisierten Nachbarschaftshilfe für besonders von der Lungenkrankheit Bedrohte. Der Pandemie-Rückfall in den durch den Rechtsdrift hervorragend vorgefurchten Acker des Nationalismus wird die Linke weit zurückwerfen. Denn jetzt hat sich in breiten Teilen der Gesellschaft ein Bild verfestigt, was &#8222;systemrelevant&#8220; und was erwiesenermaßen &#8222;verzichtbar&#8220; ist. Wenn eine schwedische Tageszeitung fordert &#8222;Wir brauchen jetzt keinen Debattierclub, sondern Führung&#8220;, drückt sie jene Sehnsucht nach autoritären Figuren aus, die auch eine militarisierte öffentliche Ordnung &#8222;erfolgreich&#8220; durchsetzen.</p>
<p>Wenn in Zukunft z. B. in der Klimakrise nur noch der &#8222;Technokrat&#8220; in der Verallgemeinerung des &#8222;Virologen&#8220; um Rat gefragt werden wird, dann ist das (neben anderem) eine Konsequenz dessen, dass in der Corona-Krise nie nach dem Soziologen, dem Psychologen, dem Historiker, oder dem Bewegungsforscher gefragt wurde, als wesentliche Bereiche der Gesellschaft &#8222;außer Kraft&#8220; gesetzt wurden.</p>
<p><strong>Dissidenz</strong></p>
<p>Wir müssen die Beschränkung von Grundrechten in Frage stellen. Und wir müssen der Legende einer rein virologischen Bedrohung, die die Menschheit als homogenen Block gleichermaßen trifft widersprechen.<br />
Das ist nötig und möglich, ohne die Corona-Krise zu bagatellisieren und der ignoranten Sorglosigkeit gegenüber dem Virus das Wort zu reden.</p>
<p>Wir müssen insbesondere der raumgreifenden Sozial-Technokratie widersprechen, die sich in Ausnahmezuständen wie der Corona-Krise Akzeptanz beschafft. Ganz gleich, ob sie dem chinesischen Shenzhen oder dem US-amerikanischen Silicon Valley entspringt. Wir müssen im Rahmen einer fundamentalen Technologiekritik die soziale Kybernetik – also die feinstgliedrige Abbildung und Vermessung unseres Lebens in Mess- und Steuerkreisen – zurückweisen. Sowohl den chinesischen Sozial-Punkte-Systemen, als auch Googles Vorstellungen einer permanenten digitalen Assistenz, liegen ein umfassendes persönlichen Journal zugrunde, bestehend aus „sämtlichen Handlungen, Entscheidungen, Vorlieben, Aufenthaltsorten und Beziehungen“. Dieses Journal ist die Datengrundlage für ein System, das künstlich intelligent auf jeden Einzelnen zugeschnittene „Handlungsempfehlungen ausspricht&#8220;. Aus technokratischer Sicht sind Armut und sämtliche Krankheiten perspektivisch überwindbar – unter der freimütig vorgetragenen Bedingung: die Aufgabe eigenverantwortlichen Handelns. Nur dann ließe sich effektiv „potenzielles Fehlverhalten detektieren und korrigieren“. Selbstbewusst stellt Google in Aussicht: „Noch passen sich unsere digitalen Assistenten ihren Nutzern an. Dieses Verhältnis wird sich bald umkehren.“ Die diesen Ansichten zugrundeliegende, erschreckend totalitär anmutende Sicht auf eine vermeintlich bessere Welt, knüpft nahtlos an die Vorstellungen des Behaviorismus an. Dieser geht angesichts komplexer Lebensverhältnisse von einer notwendig fremdbestimmten Verhaltenssteuerung andernfalls nicht-rational handelnder Individuen aus – ein zutiefst paternalistisches und autoritäres Menschenbild.</p>
<p>Wir müssen der sozialen Atomisierung entgegenwirken, insbesondere auch der dissidenten Vereinzelung, die uns derzeit zum passiven Konsum von Regierungsnachrichten per Corona-Ticker verführt.</p>
<p>Wenn Versammlungen mit mehr als 1000, 200, 100, 50, 10, und nun 2 Teilnehmern verboten werden, weit bevor die regulären „Groß-Versammlungen“ bei der Arbeit und auf dem Weg dorthin (in Bussen und Bahnen) verboten werden, dann entlarvt dies zumindest den Vorrang der herrschenden ökonomischen Sorge gegenüber der menschlichen Fürsorge. Wir müssen uns weiter treffen – nicht nur über Bildschirme vermittelt, sondern in realer sozialer Zusammenkunft. Das lässt sich Corona-verträglich organisieren. Selbst wenn Mobilisierungen zu Großdemonstrationen derzeit entfallen, gibt es keinen Grund auf direkte Aktionen (auch koordiniert) zu verzichten. Für deren Koordination müssen wir uns nicht auf (heikle) digitale Kommunikationsformen zurückziehen. Wir können sehr wohl noch reisen und face-to-face Verabredungen treffen. Denn soziale Kämpfe lassen sich nur in den Augen derer virtualisieren, die sich in der eigenen Bedeutungslosigkeit eingerichtet und die soziale Revolte längst abgeschrieben haben.</p>
<p>// (Update 24.3.: Aufgrund zahlreicher Proteste musste Bundesgesundheitsminister Spahn das geplante Tracking über Handypositionsdaten per Gesetz vorerst zurückziehen. Derzeit werden hingegen die Positionsdaten aller Mobilfunkkunden von Telekom und Telefonica übermittelt. Die Kunden, die sich das nicht wollen, müssen aktiv widersprechen. Das Bundesinnenministerium ließ verlauten, dass aus Funkzellendaten eh keine echten Kontakte abzulesen seien &#8211; &#8222;GPS-Daten erscheinen dazu geeigneter&#8220;. Das Robert-Koch-Institut arbeitet zusammen mit dem Heinrich-Hertz-Institut des Fraunhofer Instituts an einer App die es ermöglichen soll, &#8222;die Nähe und die Dauer des Kontakts zwischen Personen in den vergangenen zwei Wochen zu erfassen“.<br />
All das klingt nicht nach einer finalen Absage an einen derartigen Datenwunsch. Wir müssen daher dafür streiten, dass weder personalisierte Positionsdaten noch Kommunikationsmetadaten dazu genutzt werden, „Kontakte“ zu rekonstruieren.) //</p>
<p>capulcu 24. März 2020</p>
<p><strong>DIE CORONA-LEHRE</strong></p>
<p style="padding-left: 30px"><em>Quarantänehäuser sprießen,</em><br />
<em>Ärzte, Betten überall,</em><br />
<em>Forscher forschen, Gelder fließen –</em><br />
<em>Politik mit Überschall.</em><br />
<em>Also hat sie klargestellt:</em><br />
<em>Wenn sie will, dann kann die Welt.</em></p>
<p style="padding-left: 30px"><em>Also will sie nicht beenden</em><br />
<em>Das Krepieren in den Kriegen,</em><br />
<em>Das Verrecken an den Stränden</em><br />
<em>Und dass Kinder schreiend liegen</em><br />
<em>In den Zelten, zitternd, nass.</em><br />
<em>Also will sie. Alles das.</em></p>
<p style="padding-left: 30px"><em>Thomas Gsella</em></p>
</div>
</div>
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